laut.de-Kritik

Am Ende kommt immer Begeisterung heraus.

Review von

Bravo heißt im Schwedischen ebenfalls Bravo. Das kann man noch so oft drehen und wenden, am Ende kommt immer Begeisterung heraus. So auch beim ersten Album von Friska Viljor namens: "Bravo!".

Nach der Trennung von ihren Freundinnen legten die Songwriter der Band, Joakim Sveningsson und Daniel Johansson den Grundstein für ihren Sound mit der Entscheidung, nie mehr nüchtern Lieder zu schreiben. Der daraus resultierende Rauschzustand klingt durch jeden einzelnen Takt. Selbst dann, wenn die Produktion ein wenig zu glatt verläuft wie bei "Goldfish", zeugen doch die Textzeilen von einem latenten Daneben-sein.

Aus diesem Grund darf sich die Band auch ungestraft erlauben, mit "Shotgun Sister" und "We Are Happy Now (La La La)" zwei wortgleiche Stücke auf das Album zu packen. Ersteres bestreitet melancholisch entrückt den Auftakt der Platte, während die zweite Version wesentlich flotter und frecher antreibt: "I want to show you how I feel good in every moment". Insgesamt eine ideale Ansage für die Ex, nicht nur trotzig, sondern auch mal sehnsüchtig, je nach Gemüt.

Musikalisch lotet das Sextett aus Stockholm das Spektrum analoger Instrumente aus, scheut aber auch nicht davor zurück, auf elektronische Beschallung zurückzugreifen. Dennoch wirkt ein treibender Kracher à la "Monday" keinesfalls deplatziert. Für "I Gave My Life" bemächtigen sich die Schweden ohne auch nur irgendeine Irritation auszulösen sogar einiger Sirtaki-Anleihen. Beim Trinkspielen führt offenbar kein Weg am Ouzo vorbei.

Bei "Friskashuffle" beweist Friska Viljor das Vermögen, ein Lied ohne Hänger auf über sechs Minuten strecken zu können. Wie bei einigen anderen Stücken driftet der Gesang hier in eine dezente Beach Boys-Kopfstimme ab. Ein Keyboard vervollständigt das Klangbild von Schlagzeug, Gitarre, Bass und fertig ist ein Song, der unter Live-Bedingungen ohne weiteres noch länger ausfallen dürfte.

Das gefällige Ukulelen-Stück "Tell Me" schließt nach etwas mehr als 42 Minuten begeisternden Indiepops die Platte ab. Der einzige Makel der Platte ist, dass stets eine Prise Konzertatmosphäre mitschwingt, sie aber doch nur in einem Abspielgerät rotiert. Abhilfe schafft da der Albumtitel. Laut "Bravo!" zu schreien sollte nicht länger ZDF-Zuschauern vorbehalten bleiben.

Trackliste

  1. 1. Shotgun Sister
  2. 2. Gold
  3. 3. Four Points
  4. 4. Oh Oh
  5. 5. I Gave My Life
  6. 6. Friskashuffle
  7. 7. Puppet Cabaret
  8. 8. We Are Happy Now (La La La)
  9. 9. Goldfish
  10. 10. Monday
  11. 11. Tell Me

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