laut.de-Kritik

Sorgenfreie Momente und gern gehörtes Ohrwurmfutter.

Review von

Das gute Gespür des schwedischen Indie-Labels Labrador gleicht dem prämierter Trüffelschweine. In schöner Regelmäßigkeit machen Bands über diese Plattform von sich reden. Die Popfabrik steht für ausgewählte Qualität. Doch obwohl sich Labrador ausschließlich um schwedische Musiker bemüht, dauerte es seine Zeit, bis die schwedische Sprache Einzug hielt und Englisch, wenn auch nur kurz, verdrängte.

Noch länger dauerte es, bis diese sprachliche Hürde kein Hindernis mehr für den Export darstellt. Das zweite Album "Mycket Väsen För Ingenting" von [Ingenting] (deutsch: Nichts) erscheint hierzulande zu Beginn des Jahres 2007. Der Titel heißt übersetzt "Viel Lärm um nichts". Ähnlich wie bei "Fettes Brot Für Die Welt" drängt sich der Name wohl auf. Die durchweg tolle Popmusik rückt zwangsläufig in den Vordergrund. Denn die schwedische Sprache beherrschen nicht allzu viele außerhalb der skandinavischen Regionen, also spitze man die Ohren für den Klang. Musik trifft ja ab und zu direkt ins Herz, ohne den Zwischenstopp Hirn. Und genau darauf zielt ein Großteil des Liedgutes.

Man braucht kein Wörterbuch um zu bemerken, dass Sänger Christopher Sander in "Punkdrömmar" mit den Dämonen seiner Jugend hadert. Jedes Glück in der Gegenwart vermag Punkträume unbeschwerter Zeiten nicht zu verdrängen. Die Gitarren schrammeln, während das Schlagzeug jeden Takt fein säuberlich in ein flottes Korsett schnürt. Dazu umspielt ein Keyboard den teilweise krächzenden Gesang.

Im seichten Klavierstück "Bergochdalbanan" verarbeitet Christopher den Weg zurück in den Alltag nach einem Beziehungsende. Das Auf und Ab einer Achterbahnfahrt beginnt mit Mollklängen, die mit der Zeit an Kraft zunehmen jedoch dem Hörer mitunter zu viel Aufmerksamkeit abverlangen. Wesentlich eingängiger gibt sich das entspannte "Lisa sa" (Lisa sagt), das mit leiser Gitarre, leisem Gesang und dezentem Rhythmus Kritikpunkte besagter Dame auflistet. Die milde Atmosphäre nimmt den mitunter harschen Worten ein wenig die Aggressivität. Ob der Betroffene sich die Worte zu Herzen nimmt, bleibt jedoch offen.

Von der letztjährig in Schweden veröffentlichten "Sommardagboken"-EP schafft "Släpp In Solen" den Sprung aufs Album. Die Vertonung der vollkommenen Entspannung gegenüber dem Alltag eignet sich hervorragend als Untermalung für sorgenfreie Momente oder als gern gehörtes Ohrwurmfutter. Ähnlich einprägsam wirkt auch das etwas schnellere "Hollywood Dreams".

Viel Lärm um Nichts klang selten spannender und dermaßen abwechslungsreich. Neben den flotteren Stücken enthält das Album auch einige Lieder, die sich langsam von hinten anschleichen, um dann im kompositorischen Überraschungsmoment eiskalt zuzuschlagen. "På Drift" nimmt gleich zweimal an Tempo auf und setzt einen harmonischen Schlusspunkt. [Ingenting] erbringen den Beweis, dass schwedische Popmusik auch vor Sprachhürden nicht Halt machen muss.

Trackliste

  1. 1. Mycket Väsen För Ingenting
  2. 2. Punkdrömmer
  3. 3. Bergochdalbanan
  4. 4. Lisa Sa
  5. 5. Suzanne (Vi Kan Inte Ga Hand I Hand)
  6. 6. Släpp In Solen
  7. 7. Hollywood Dreams
  8. 8. Precis Sa Jag Känner
  9. 9. Re: Re: Re:
  10. 10. På Drift
  11. 11. Mellan Havet Och Sorg

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