laut.de-Kritik

Schöne Zusammenstellung mit seltenen Stücken und persönlichen Kommentaren.

Review von

Seit "Motherland" (2001) hat sich Natalie Merchant aus dem Musikgeschäft weitgehend zurückgezogen. Zwar hat es seitdem einige Veröffentlichung unter dem Namen 10.000 Maniacs und ihrem eigenen gegeben, was aber fehlt, sind neue Stücke aus ihrer Feder. Ein Trend, der sich auch 2006 fortzusetzen scheint.

Wenigstens gibt sich die Musikerin aus dem Bundesstaat New York Mühe bei der Zusammenstellung von DVDs und CDs. Wie auch bei dieser Retrospektive, die sich umfassend mit ihrem Soloschaffen beschäftigt. Die Auswahl der Stücke fällt kaum überraschend aus, bietet aber den notwendigen Überblick, vom ersten Album "Tigerlily" (1995) bis hin zu den neu interpretierten traditionellen Folk-Liedern von "The House Carpenter's Daughter" (2004). Dabei entsteht das schlüssige Bild einer Künstlerin, die einen Sinn für einprägsame Melodien hat, sich aber nicht auf ihren Lorbeeren ausruht und eine konsequente Weiterentwicklung sucht.

Klingt ihr Folk-Pop aus den 90er Jahren (von "Wonder" bis zu "The Living") mittlerweile nicht mehr ganz zeitgemäß, bieten die von T-Bone Burnett produzierten "Build A Levee" und "Not In This Land" zeitlosere Arrangements. Das wunderbare "Motherland" sorgt nach wie vor für Gänsehaut und passt gut zum einfühlsamen "Owensboro" sowie dem abschließenden, etwas schnelleren "Sally Ann".

Neben der aufwändigen Gestaltung der Verpackung und den persönlichen Ausführungen zu jedem Lied dürfte sich der Fan vor allem über die limited Edition mit einer zweiten CD freuen, die Nicht-Album-Stücke beinhaltet. Eine wahre Goldgrube, da sich Frau Merchant nicht zweimal bitten lässt, wenn es darum geht, bei anderen Musikern als Gast aufzutreten. "Birds & Ships" ist von Billy Bragg & Wilcos Woody Guthrie-CD "Mermaid Avenue" bekannt, aber es sind auch einige Lieder vorhanden, die bislang nur schwer zu finden waren.

Gerade Billy Bragg ist mehrfach vertreten. Zu Beginn der 90er Jahre schrieben sie gemeinsam "Party Of God" und "Bread & Circuses". "Photograph" entstand dagegen mit Michael Stipe, der für die Aufnahme des Stücks seine R.E.M. mit ins Studio brachte. "I Know How To Do It" ist ein Lied Dynah Washingtons, das Merchant 1995 bei der Eröffnung der Rock'n'Roll Hall Of Fame in Cleveland, Ohio interpretierte. Die Begleitband bestand aus der Creme de là Creme des Rhythm And Blues, darunter Booker T. Jones, Steve Cropper, Donald "Duck" Dunn und Jim Keltner. "Tell Yourself" hat sie für diesen Rückblick extra noch einmal aufgenommen.

Natalie Merchant ist eine Künstlerin, die unbeirrt ihren eigenen Weg geht. Nun, da sie ihre Archive geleert haben dürfte, bleibt zu hoffen, dass er sie irgendwann wieder ins Studio und auf europäische Bühnen führt.

Trackliste

CD1

  1. 1. Wonder
  2. 2. Carnival
  3. 3. Jealousy
  4. 4. San Andreas Fault
  5. 5. Kind & Generous
  6. 6. Break Your Heart
  7. 7. Life Is Sweet
  8. 8. Living
  9. 9. Build A Levee
  10. 10. Not In This Life
  11. 11. Motherland
  12. 12. Owensboro
  13. 13. Sally Ann

CD 2

  1. 1. She Devil
  2. 2. Cowboy Romance
  3. 3. Children Go Where I Send Thee
  4. 4. Birds & Ships
  5. 5. Lowlands Of Holland
  6. 6. One Fine Day
  7. 7. Photograph
  8. 8. Party Of God
  9. 9. Thick As Thieves
  10. 10. Bread & Circuses
  11. 11. Because I Could Not Stop For Death
  12. 12. Tell Yourself
  13. 13. But Not For Me
  14. 14. I Know How To Do It
  15. 15. Come Take A Trip In My Airship

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