laut.de-Kritik

Eminem und Metallica im einträchtigen Swing-Groove.

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Das Übersetzen eines bekannten Songs in ein komplett anderes, musikalisches Genre hat seinen Reiz, für Musiker wie auch für Hörer. Das Schöne an so einem Projekt ist: Das Publikum ahnt von vornherein, was es erwartet. Wenn dann die Song-Auswahl noch Überraschungen bereit hält und sich die Umsetzung auf internationalem Niveau bewegt, ist der Deckel drauf. 80er-Popstar Paul Young erfüllt mit seinem Swing-Cover-Album unterm Strich all diese Voraussetzungen.

Mit seinen hervorragenden Mitstreitern (u.a. Steve Sidwell, der Robbie Williams' Swing-Konzert in der Royal Albert Hall leitete) intoniert er zwar Konsens-Klassiker wie "In The Ghetto" (Elvis Presley) und Soft Cells "Tainted Love", macht aber auch vor "Walk On The Wild Side" (Lou Reed), David Bowie ("The Jean Genie") und modernen, teils unerwarteten Gassenhauern wie Metallicas "Enter Sandman" und "Why Does It Always Rain On Me" (Travis) nicht Halt.

Ein Eminem-Cover hätte man ihm auch nicht unbedingt zugetraut. "Lose Yourself" gerät gar zu einem der Top-Drei-Stücke der Platte. Die Dramatik stimmt, Young orientiert sich an Slim Shadys hektischen Raps und hervorragend gelungen ist der Refrain: Man spürt die Spiellust der Band, die Eminem offensichtlich als Herausforderung annahm und entsprechend Dampf macht - das groovt ohne Frage.

Spaß hatten die Musiker auch beim Rest der Stücke. Zumindest drängt sich nie der Eindruck auf, dass da Berufsmusiker ihr Ding runterschrubben, weil sie ein alternder Star gebucht hat. Ein guter Drummer und erstklassige Bläser-Arrangements sorgen meist für die Akzente. Ein Eigenleben führen auch Elton Johns "Bennie And The Jets" und die Travis-Interpretation. Gute Wahl, Herr Young.

Schließlich noch "Enter Sandman". Für eine Swing-Version mit Querflöten-Solo scheint der Track eigentlich etwas sperrig: Würden einem zuweilen nicht das Basisriff und prägnante Textfetzen auffallen, man würde den Track nur bei genauem Hinhören erkennen. Mit "I'd Better Get My Coat" steuert Young zudem eine eigene neue Nummer bei. Selbst wenn sich mit der Zeit ein gewisser Abnutzungseffekt einstellt, Pauls Album-Comeback macht Laune. Da die Platte einen starken Live-Charakter aufweist, wäre eine Swing-Tour eigentlich Pflicht.

Trackliste

  1. 1. Tainted Love
  2. 2. Bennie And The Jets
  3. 3. Enter Sandman
  4. 4. Why Does It Always Rain On Me?
  5. 5. Isn't It A Pity
  6. 6. The Boys Of Summer
  7. 7. Lose Yourself
  8. 8. Hungry Heart
  9. 9. I'd Better Get My Coat
  10. 10. In The Ghetto
  11. 11. The Jean Genie
  12. 12. Walk On The Wild Side
  13. 13. White Christmas

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