laut.de-Kritik

Hier und da ein flinker Hobbit täte gut.

Review von

Wer seine Mittelerde-Fibel genau kennt, wird die Zeile "With Doom We Come" wiedererkennen aus dem Marsch der Ents: "To Isengard with doom we come", heißt es dort. Den Ausgang der folgenden Schlacht dürften auch weniger Bewanderte kennen.

Die Ents spielen auf Summonings achtem Album zwar keine große Rolle, den Marschmusik-Spirit fangen die Österreicher aber doch ein. Paukenschläge eröffnen "Tar-Calion" und damit die Platte. Einem Armeezug gleich walzen Silenius und Protector behäbig und stur durch Tolkiens Lande. Fans werden sich sofort wohlfühlen.

Die Kompositionen folgen meist dem gleichen Prinzip: Gitarre und Percussion legen eine grobe Basis, auf der Summoning dann einen Melodieteppich flechten. Epische Fanfaren, Hackbrettklänge, hier und da der Hauch einer Flöte. Den letzten Rest ihres Black Metal-Backgrounds tragen sie in Form gekrächzter Vocals zur Schau. Abgesehen davon hat die Musik wie auch auf den Vorgänger-Alben mehr mit Filmmusik und Ambient zu tun als mit Metal.

So wie Summoning ihrem musikalischen Stil treu bleiben, behalten sie freilich auch bewusst ihre mittlerweile zum Trademark gewordene Lo-Fi-Produktion bei. Immerhin klingen Bläser und sonstige durch Keyboard eingespielten Sounds nicht mehr ganz so nach 8-Bit wie in den 90ern. Für Neueinsteiger dürfte das trotzdem die größte Hürde sein, sich auf Summoning einzulassen.

Mit vollerer Produktion würden die Stücke wohl allesamt besser zur Geltung kommen. Mag sein, dass langjährige Anhänger den Klang romantisieren, aber die Dynamik des Albums leidet sehr darunter. So graben sich Summoning noch tiefer in ihre Nische als sie eigentlich müssten. Denn Gespür für Melodien, Rhythmen und Atmosphäre haben sie zweifellos. Doch stellt man etwa Wardrunas überwältigenden Klang daneben, droht all das in Vergessenheit zu geraten. Diem Norweger pflegen zwar eine wesentlich entschlacktere Herangehensweise und verwenden auch deutlich weniger Elektronik im Sound, nichtsdestotrotz grasen sie aber in ähnlichen Soundtrack-haften Gefilden.

Fans wird das ob der Gewöhnung nur bedingt stören. Zumal Summoning das Niveau ihrer früheren Werke spielerisch halten. Allerdings schleppt "With Doom We Come" die selben Schwächen wie eh und je mit sich herum. Dazu gehört auch, dass Monotonie, die immergleichen Motiv-Rezeptur und das selbstauferlegte Tempolimit auf Dauer zulasten der Abwechslung gehen. Etwas strafferes Songwriting täte insbesondere den beiden Elfminütern "Mirklands" und "With Doom I Come" gut. Gerade den erhöhten Black Metal-Anteil des Ersteren wüsste man wohl wesentlich mehr zu schätzen, würde ab und an mal ein flinker Hobbit das schwermütige Mäandern aufmischen.

Trackliste

  1. 1. Tar-Calion
  2. 2. Silvertine
  3. 3. Carcharoth
  4. 4. Herumor
  5. 5. Barrow-Downs
  6. 6. Night Fell Behind
  7. 7. Mirklands
  8. 8. With Doom I Come

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3 Kommentare mit 7 Antworten

  • Vor 6 Jahren

    Ein halbes Mozartorchester mit Chor auffahren und dann wie blutige Anfänger ohne Geld für Equipment klingen. Hier wird nicht Mittelerde vertont, sondern mein Schuppen hinterm Haus. Tragisch.

    • Vor 6 Jahren

      Hä, welches Orchester?

    • Vor 6 Jahren

      "Bläser und sonstige durch Keyboard eingespielten Sounds"

    • Vor 6 Jahren

      Also doch sehr weit vom Mozartorchester mit Chor entfernt, nech?

    • Vor 6 Jahren

      Das ist eben das Problem. Summoning haben für mich einen sehr klassischen, epischen Ansatz. Die monumentalen Melodien würden sogar im großen Rahmen perfekt funktionieren, mit echtem Orchester, echtem Chor und vollem Klang. Auch wenn das nun mal eins der Markenzeichen der Band sein soll, ich find's schade, schade um die großartigen Songs.

    • Vor 6 Jahren

      Ich finde, dass gerade das den Reiz bei Summoning ausmacht, kann aber auch verstehen, wenn das anderen zu billig klingt. Keine Ahnung, wie die beiden damals auf die Idee kamen, sowas zu machen, weil das früher wie heute einfach einzigartig ist. Klar ginge das auch mit echtem Chor, echtem Orchester usw., aber das wäre ihnen vielleicht zu einfach und hätte dann auch nicht den Charme.

    • Vor 6 Jahren

      Aber wie gesagt: ich kann das gut nachvollziehen. Summoning sind in ihrer Ausrichtung bzw. ihrer Herangehensweise schon sehr eigen.

    • Vor 6 Jahren

      Dieser Kommentar wurde vor 6 Jahren durch den Autor entfernt.

  • Vor 6 Jahren

    Ich bin jetzt seit Urzeiten Summoning Fan und hatte bislang weder Probleme mit dem "Tempolimit" noch das Gefühl, dass die Kompositionen monoton seien. Summoning sind Summoning und die Kritikpunkte erscheinen hanebüchen, weil es ungefähr dasselbe wäre, wenn man bei einem Doom Metal-Album von zu schleppendem Tempo sprechen würde. Dass Nicht-Fans die angesprochenen Punkte negativ auffallen könnten, mag ja sein, aber letztlich ist Summoning eine Nischenband, die ihren eigenen Stil gefunden und diesen stets weiterentwickelt hat. Und zur "immergleichen Motiv-Rezeptur": Kann man vielleicht so sehen, aber "With Doom We Come" lässt sich höchstens mit seinem Vorgänger vergleichen, stellt man es aber z.B. einem "Minas Morgul" gegenüber, liegen da Welten dazwischen.

  • Vor 6 Jahren

    Summoning machen einfach sehr gute Musik und das schon über so viele Jahre...mir gefällt das neue Album sehr gut. Minas Morgul war mein erstes Album...seitdem bin ich Fan und werde es auch bleiben. Hatte noch das große Glück und die With Doom We Come Box zu bekommen. :-)