Jeff Mills im Weltall
Andere Techno-Veteranen machen Anniversary-Touren. Jeff Mills evakuiert die Menschheit 25,3 Lichtjahre weit weg. Am 19. Juni erscheint auf Axis "The Trip To Vega", ein elf Tracks starkes Konzeptalbum, das im Jahr 2097 spielt. Die Erde ist unbewohnbar geworden, tektonische Verschiebungen erzeugen eine zerstörerische harmonische Frequenz aus dem Inneren des Planeten, also bleibt der Menschheit nur noch die Flucht: riesige Raumschiffe, eine Million Menschen pro Schiff, Ziel: Vega.
Joa, Jeff Mills halt. Seit Jahrzehnten behandelt der Detroit-Techno-Pionier den Dancefloor nicht einfach als Ort der Gegenwart, sondern als Startrampe in irgendeine bessere, kältere, fremdere Zukunft. Während andere Produzenten über Clubnächte sprechen, denkt Mills in Umlaufbahnen, Raumstationen und Zivilisationsbrüchen. Als Vorgeschmack gibt es bislang vor allem Track-Previews; die Titel lesen sich ohnehin schon wie Missionsprotokolle aus einem sehr ernsten Sci-Fi-Film: "Destination Bright Star", "Twenty-Five Light Years Away", "Terraform", "Orbiting The Star", "Circumstellar Debris". Eine klassische Vorabsingle braucht es da fast nicht.
Jeff Mills verkauft selten einzelne Songs, sondern gleich eine Zivilisationsdiagnose mit Bordcomputer. "The Trip To Vega" klingt auf dem Papier wie eine Jeff-Mills-Parodie, ist aber wahrscheinlich genau deshalb ein sehr gutes Jeff-Mills-Album. Techno als Evakuierungsplan. Detroit als Kontrollzentrum. Die Kickdrum zählt den Countdown.
Noch keine Kommentare