Seite 21 von 22

Auftrittsverbot für Macklemore?

Apropos weiß ich nicht: Um das Thema Macklemore hab' ich mich jetzt auch bin kurz vor Schluss herumgedrückt und überlegt, ob ich es überhaupt ansprechen soll: Man vollführt ja immer gleich einen Stepptanz auf ganz, ganz dünnem Eis, sobald man thematisch auch nur in die Nähe des Nahostkonflikts kommt.

Deshalb, wisset: Ich maße mir hier grundsätzlich erst einmal gar keine Definitionsmacht an. Wäre das Thema so unterkomplex, dass es in ein, zwei markige Parolen passte, die irgendein Artist von irgendeiner Bühne skandiert und dazu mit einer Fahne wedelt, oder dass es eine Musikjournalistenmade auf zwei, drei Sätze runtergebrochen auf ein Kolumnenslide packt, und alles wäre gesagt, wäre wahrscheinlich schon jemand Schlaueres auf die Idee gekommen, und die Region wäre nicht seit Jahrhunderten ein brodelndes Pulverfass.

Ich hab' wenig Ahnung und schon gar keine Lösung. Trotzdem finde ich echt gruselig, was für ein unversöhnliches Entweder-Oder bei diesem Thema immer gleich ausbricht. Nennt man irgendetwas an Israels Politik fragwürdig oder gar falsch, steht man man sofort wie der erzböse Antisemit da, der Israel das Existenzrecht absprechen und alle Juden ins Meer treiben will. Fühlt sich nicht gut dabei, einer islamistischen Terrororganisation zu applaudieren, ist man angeblich gleich komplett blind für das Leid der Menschen in Gaza und will sie allesamt über die Klinge springen lassen. Wann wäre denn aber irgendetwas jemals nur schwarz oder nur weiß gewesen? Als gäbe es weder Graustufen noch Farben! "Are you with us or against us?" Seit jeher eine Frage, die sich im Grunde nur falsch beantworten lässt.

Aktuell stellt das gerade wieder einmal Macklemore fest: Er tourt im Vorprogramm von Ed Sheeran und nutzte die riesige Bühne und die mediale Aufmerksamkeit für "Free Palestine!"-Parolen und, um Israel Genozid und Apartheid vorzuwerfen.


Das Israeli American Council, eine Non Profit-Organisation, die sich für die Interessen jüdischer Menschen in den USA einsetzt, fordert deswegen per Petition von Ed Sheeran ein Auftrittsverbot für seinen Support-Act. "Dies war ein Ed-Sheeran-Konzert – keine politische Kundgebung, keine Protestveranstaltung und keine Aktivisten-Show", heißt es da.

So, und egal, wie fragwürdig Macklemore auch bereits bereits aufgetreten ist (zum Beispiel mit tatsächlich indiskutabler, antisemitischer Maskerade) und egal, auf welche verdammte Seite er sich stellt: Sobald jemand Auftritts- oder Sprechverbote fordert, beschleicht mir direkt ein ganz, ganz unangenehmes Gefühl. Wer, bitteschön, befindet denn darüber, was genehm ist und was nicht? Wie gut das für die Kunstfreiheit ist, wenn die Entscheidungshoheit dann bei irgendwelchen religiösen Fundamentalisten landet, sehen wir ja zum Beispiel im Iran.

"Ja, dann lasst bei Musik halt einfach die Politik aus dem Spiel!"

Damit sind wir dann glücklich wieder beim Glücksgefühle-Festival angekommen. Als wäre das überhaupt denkbar. Wie soll das denn gehen? Sobald du eine Bühne hast und ein Publikum, ist politisch, was du sagst, und es ist genau so politisch, was du nicht sagst. Was wiederum gerade Ed Sheeran feststellt, der seine bisher hartnäckige Nicht-Positionierung in der Causa Macklemore vorgeworfen bekommt.

Ich muss weg.

Seite 21 von 22

Weiterlesen

Doubletime Nura gegen Gabalier

D-Bo zur Lage der Nation. Polit-Talk mit Testo. Shindy sagt Tour ab - schon wieder. Manuellsen hofiert KI-Rapper. Auftrittsverbot für Macklemore?

1 Kommentar