laut.de-Kritik

Größe ist halt relativ.

Review von

Ja, ja, "Bestes Stück", Pimmel und so. Haben wir das aus dem Weg geschafft.

Es wäre leicht, B-Tight vorzuwerfen, dass er auf "Bestes Stück" klingt wie jemand, der sich seit zwanzig Jahren hartnäckig weigert, zur Kenntnis zu nehmen, dass sich deutscher Rap inzwischen mehrfach neu erfunden hat. Doch das eigentliche Problem dieses Albums liegt tiefer: B-Tight klingt nicht einfach altmodisch, sondern erstaunlich überzeugt davon, dass die ästhetischen Gewissheiten seiner eigenen Vergangenheit noch immer hinreichend sind, um eine Gegenwart zu beschreiben, die längst eine andere geworden ist.

Dabei hätte gerade er allen Grund, eine interessante Platte über das Älterwerden im Rap zu machen. Kaum jemand aus der Generation Aggro Berlin verfügt über eine Biographie, in der sich Aufstieg, Absturz, Exzess, Familie, Selbstzerstörung, Wiederaufstehen und das merkwürdige Nachleben einer einst skandalträchtigen Kunstfigur derart sauber überlagern. Sobald er diese Biographie tatsächlich berührt, gewinnt das Album trotz aller Mängel an Kontur. "Kopf Kaputt", in dem depressive Phasen und Alkohol nicht bloß als Requisiten eines ohnehin bekannten Gangsta-Selbstbildes auftauchen, gehört deshalb zu den stärkeren Momenten der Platte; auch "Wo Ich Wohnte", das ins Märkische Viertel und damit an einen konkreten Ort der eigenen Vergangenheit zurückkehrt, besitzt plötzlich jene Anschaulichkeit, die dem Rest des Albums so häufig fehlt.

Nur hält B-Tight diese Offenheit nie besonders lange aus. Viel lieber kehrt er in jenes vertraute Koordinatensystem zurück, in dem es um Hater, Gs, Hoes, Durchhaltewillen, Realness, Rap und vor allem um die eigene Unbeirrbarkeit geht. "Bestes Stück", "Bobby Unchained" und "Zieh's Durch" variieren im Kern immer wieder dieselbe Selbstvergewisserung: Ich bin noch da, ich habe mich nicht verbogen, ich lasse mir nichts sagen. Das mag als Haltung sympathisch sein, wird aber dort zum ästhetischen Problem, wo sich aus Beharrlichkeit keine neue Perspektive mehr ergibt. Ein Künstler kann mit Mitte 40 selbstverständlich über dieselben Dinge sprechen wie mit Mitte 20; interessant wird es allerdings erst dann, wenn er auch etwas anderes darüber zu sagen hat.

Gerade "Arschbacken Wackeln" führt dieses Missverständnis recht hübsch vor. Natürlich ist der Song nicht ernst gemeint, natürlich gehört grobschlächtiger Humor seit jeher zu B-Tights Repertoire, und niemand verlangt plötzlich Altersweisheit im Feuilletonformat. Nur ist Selbstironie dann am wenigsten überzeugend, wenn sie selbst schon zum nostalgischen Reflex geworden ist. Was früher kalkulierte Geschmacklosigkeit war, wirkt hier gelegentlich wie ein über die Jahre konserviertes Verhaltensmuster. Wäre der MC wenigstens wirklich notgeil dabei, aber vor dem alten Mann am Mic kann man sich nicht mal ekeln, ist er doch eher pflichtschuldig als pervers.

Noch schwerer wiegt allerdings die Produktion, denn "Bestes Stück" klingt an vielen Stellen nicht angenehm roh, sondern schlicht schmal. B-Tight produziert inzwischen vieles selbst, mischt selbst und übernimmt damit einen großen Teil jener Arbeit, die früher zwangsläufig durch andere Ohren gefiltert wurde. Diese Unabhängigkeit ist als Arbeitsethos respektabel, sie erweist sich auf dem Album aber als Stein um seinen Hals. Den Beats fehlt häufig Raum, Gewicht und jener körperliche Druck, den gerade ein demonstrativ klassisches Rap-Album eigentlich benötigen würde. Man hört weniger eine bewusst reduzierte Ästhetik als eine Produktion, die zu früh beschlossen hat, fertig zu sein, oder der wie auf "Gee" einfach Skill fehlt.

B-Tight klingt völlig bei sich, nur ist dieses Bei-sich-Sein inzwischen gelegentlich kaum noch von einer Echokammer zu unterscheiden. Ein Mittvierziger, der auf "Bobby Unchained" in Falsettstimme trällert: "Zur Strafe stecke ich meinen Dick in dein' Arsch", der spielt die Kunstfigur nur noch. Der Mann, der über das eigene Scheitern, über Vergangenheit, Alter und Müdigkeit reden könnte, wäre vermutlich spannender als die Figur, die noch immer beweisen möchte, dass sie denselben Laden zerlegen kann wie 2005.

Trackliste

  1. 1. Bestes Stück
  2. 2. Bobby Unchained
  3. 3. Zieh’s Durch
  4. 4. Arschbacken Wackeln
  5. 5. Es War Einmal … Hip Hop
  6. 6. Kopf Kaputt
  7. 7. Gee
  8. 8. Kunst
  9. 9. Gar Kein Nerv
  10. 10. Komm, Ich Erzähl Dir Was
  11. 11. Schmaler Grat
  12. 12. Breitling
  13. 13. Ich Und Meine Beatz
  14. 14. Wo Ich Wohnte
  15. 15. Wut
  16. 16. Zerplatzt

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LAUT.DE-PORTRÄT B-Tight

"Wer hat das Gras weggeraucht? Der Neger / Wer rammt dir den Penis in den Bauch? Der Neger / Wer ist immer down mit mehr als einer Braut? / Wer fällt …

9 Kommentare mit 15 Antworten

  • Vor 12 Tagen

    also B-Tight hatte mit dem Album "Retro" was solides hingelegt - für B-Tight Verhältnisse sogar was sehr gutes. Zudem hat er es geschafft sich als den sympathischen grinsenden Typ zu etablieren der alles mit einem Augenzwinkern sieht - retroperspektiv natürlich auch die alten Alben, versteht sich von selbst..

    Die Fanbase hat sich verlagert von pubertierenden Jugendlichen zu unförmigen Hausfrauen die auch mal eine Hip Hop Hobby Rezi machen - leider zieht diese Masche nicht, wenn man seit 10 Jahren immer die selbe Leier spielt..

    Naja sei es drum! Nichts desto trotz mag ich den B-Tight von den 4 Aggro Mainheads am liebsten, danach kommt Sido, dann kommt Fler, dann Bushido

  • Vor 12 Tagen

    Im Gegensatz zu anderen 1/5-Deutschrappern kann B-Tight geradeaus rappen, hat hörbar Spaß bei der Sache, ab und an sogar was zu erzählen und die Beats tun auch, was sie sollen, ohne groß wehzutun. Ich würde dieses Album jederzeit Finch, Tream, Asche oder Kolle Blume vorziehen.

    Die Review ist wirklich ziemlich garstig geschrieben, ich schließ mich da NervMichOK oben an.

    • Vor 11 Tagen

      nun,... sieht man die Bewertung der Leser an, so scheint die Wertung des Rezensenten nicht so fehl getroffen zu sein? Wir alle geben dem "[N-Wort]"-Pöbler einen Stern

      Es sind auch seltsame Vergleiche, die du da anführst. So völlig beliebige Artists aus einem Kosmos zusammengewürfelt. So könnte ich auch sagen ich würde lieber Megadeth hören als Cannibal Corpse, Linkin Park, Tool oder Manson..

      Besser: Du vergleichst B-Tight mit seinen Konsorten, die da wären: Fler, Sido, Bushido oder eben auch King Kool Frauenarzt (KKF)

      und was soll das? Im Gegensatz zu jedem fünften anderem Rapper kann er geradeaus rappen?
      Können Kolle und Asche das nicht? Tream kenn ich leider nicht, der Typ klingt aber auch nicht so als wäre sein Anspruch geradeaus zu rappen - vermutlich ein Mumble Rapper ..

      Und was hat er zu erzählen? Das er früher mal gekifft hat? Das er ganz schön kess mit siggi war?? Das er heute Erwachsen ist und alles entspannt mit einem Grinsen sieht?? - Ist das nicht der Standard Weg eines jeden Rappers? (Savas? Sido? Eko? usw?) - Da ist ja Fler dagegen interessanter, weil er immer noch nicht angekommen ist - und seinem Traum vom Glück hinterherläuft: Geliebt zu werden.

    • Vor 11 Tagen

      "So völlig beliebige Artists aus einem Kosmos zusammengewürfelt"

      Die völlig beliebigen Artists sind allesamt Deutschrapper, die hier dieses Jahr schon eine berechtigte 1/5 kassiert haben.

      "Besser: Du vergleichst B-Tight mit seinen Konsorten, die da wären: Fler, Sido, Bushido oder eben auch King Kool Frauenarzt (KKF)"

      Von mir aus... B-Tight > Sido > Fler > Frauenarzt > Bushido.

    • Vor 11 Tagen

      Was sollen diese Rankings? Das sind alles Quatsch-Artists (wie fast der gesamte D-Rap-Kosmos), da bringen irgendwelche Pest-und-Cholerea-Vergleiche gar nichts.

    • Vor 11 Tagen

      Pest > Cholera

    • Vor 11 Tagen

      ich wusste gar nicht dass B-Tight wirklich Fans hat, aber sei es drum, ich bin ja auch kein Hater. Und ceee3 scheint ja eine umgängliche Socke zu sein!

      Aber wie Olivander12 richtig sagt: Im D-Rap Kosmos gibts eigentlich nur Müll. Diese Musik hört man nicht aus musikalischen Wohlgenüssen, sondern eher zur billigen Unterhaltung wie beim Trash TV. Der moderne Gladiatoren Kampf: Früher hätte man die Assis sich gegenseitig umbringen lassen, heute dürfen sie sich gegenseitig beschimpfen..

      Naja, typisch Unterschicht

    • Vor 8 Tagen

      Die Leserwertung ist bei vier Sternen, nicht bei einem. Ich hab 3 gegeben und kann ceees Argumentation gut mitgehen.

    • Vor 8 Tagen

      Junge? zu dem Zeitpunkt als ich den Kommentar geschrieben hatte, war die Leserwertung anders.. schon mal daran gedacht?

      Aber deinem Nick nach zu urteilen, biste nicht so smart, wa??

      Selbst wenn die laut Community (vermutlich alles alte ü35 Säcke) diesen tighten B feiert - Deutschland sagt was anderes: Platz 66 gechartet, haha, wie schlecht ist das denn bitte? Weinst du schon, sei ehrlich ?! haha ich lache!!

    • Vor 8 Tagen

      Als die Bewertung bei einem Stern war, hat er sie als „unsere Meinung“ geframed, jetzt, wo sie bei vier steht, sagt Deutschland was anderes, weil das Album nur auf Platz 66 gechartet ist (wobei das ja nur etwas darüber aussagt, wie viele Leute es kaufen oder hören, nicht wie die es finden)…

  • Vor 9 Tagen

    Ich höre B-Eng am liebsten beim Defäkieren. Da windet sich das erst so richtig aus den Enddarmwindungen. Die Musik ist dermaßen vielschissig.