laut.de-Biographie
Current Joys
Nick Rattigan hat nie besonders viel dafür übrig gehabt, sich auf eine Sache festzulegen. Seit den frühen 2010er Jahren veröffentlicht der in Las Vegas aufgewachsene Musiker unter verschiedenen Namen Musik, spielt Schlagzeug und singt bei Surf Curse und schreibt als Current Joys zwischen Lo-Fi, Indie-Rock, Bedroom-Pop und gelegentlich ziemlich experimentellen Sounds. Was all diese Projekte verbindet, ist eine gewisse Unmittelbarkeit: Rattigans Songs dürfen rau, melancholisch und ein bisschen kaputt klingen.
Seine musikalische Reise beginnt 2011 als The Nicholas Project. 2013 folgt unter dem Namen TELE/VISIONS "Wild Heart", ein Album, das später als erstes Current Joys-Album gilt. 2015 übernimmt Rattigan schließlich den Namen Current Joys und veröffentlicht "Me Oh My Mirror". Schon damals entsteht vieles mit der DIY-Haltung eines Musikers, der lieber ausprobiert als perfektioniert. Ein Song muss nicht glänzen, solange er sich echt anfühlt. In seinen frühen Jahren, als er gerade nach New York gezogen war, bestand sein Leben eigentlich nur aus Arbeit. Er arbeitete teilweise 60 Stunden Wochen mit allen möglichen Jobbezeichnungen und währenddessen produzierte er am laufenden Band Songs. Er ging zu Open Mics und schrieb über einen Zeitraum von etwa zwei Jahren dafür jede Woche einen neuen Song.
Der größere Durchbruch kommt mit "Kids". Der zunächst unscheinbare, melancholische Track entwickelt sich Jahre nach seiner Veröffentlichung zum viralen Hit und macht Current Joys einem deutlich größeren Publikum bekannt. Rattigan bleibt produktiv und veröffentlicht mit "A Different Age" (2018), "Voyager" (2021) und "East My Love" (2024) Alben, auf denen er seinen Sound immer wieder verschiebt. Mal klingt es nach verschwommenem Post-Punk, mal nach großem Indie-Rock, dann wieder nach einer Aufnahme, die direkt aus Rattigans Schlafzimmer zu kommen scheint.
Parallel dazu wächst mit Surf Curse ein zweites Standbein. Gemeinsam mit Jacob Rubeck gründet Rattigan die Band, in der er Schlagzeug spielt und singt. Das Duo entwickelt sich vom DIY-Projekt zu einer international erfolgreichen Indie-Band – und Rattigan bleibt trotzdem auffällig umtriebig. Ähnlich wie bei seinem Solo-Projekt geht der Song "Freaks" von Surf Curse einige Jahre nach dem Release im Internet viral und wird zum absoluten Erfolg.
Auch in den vergangenen Jahren hat er den Output nicht gerade heruntergefahren. Auf "LOVE + POP" und "LOVE + POP Pt. 2" experimentiert Rattigan stärker mit elektronischen und poppigen Sounds, während "East My Love" eher nach einem Folk-Album klingt.
Vielleicht liegt genau darin Rattigans Reiz: Current Joys fühlt sich weniger wie eine fest definierte Band als wie ein offenes Tagebuch an. Die Musik darf sich verändern, so lange sie etwas Persönliches festhält, und genau deshalb klingen selbst die größten Songs von Nick Rattigan oft noch so, als hätte er sie eigentlich nur für sich selbst aufgenommen. Current Joys ist für viele viel mehr ein Gefühl, was vermittelt wird als eine Persona, die hinter dem ganzen steht. Die Musik ist die perfekte Definition von "Coming-Of-Age", und Nick Rattigan verkörpert das so unglaublich präzise.

