laut.de-Kritik

Ein Avantgarde-Experiment bis zur Schmerzgrenze.

Review von

De Staat aus Nijmegen in den Niederlanden haben in ihrer schon über 17 Jahren andauernden Karriere allerlei Stile durchlaufen: Explosiver Rock, elektrisierender Funk oder entspannten Rap findet man auf den Veröffentlichungen. Verglichen wurde die Band mit den Red Hot Chili Peppers, Queens Of The Stone Age oder auch Talking Heads. Aber sogar Letztere erscheinen als arty Referenz zu mainstreamig, hört man den Opener "The King" des neuen und siebten Albums an.

Repetitiv bis zur Schmerzgrenze mit Tribal-Drums und Industrial-Synth unterfüttert, werden hier zerstörerische Zyklen von Herrschaft angeprangert. Auch die mantra-artigen Textzeilen "On and on and on and on (...) And round and round and round and round (...) For an eye, for an eye, for an eye, for an eye (...) And again and again and again and again" wiederholen sich gefühlt endlos. So wie sich auch die Muster von Autokratien oder Diktaturen endlos durch die Zeit wiederholen.

Ein eindringliches Manifest gleich zum Einstieg in ein kompromissloses, konsequentes und konfrontatives Art-Rock-Werk und Avantgarde-Experiment, das anstrengend und ambitioniert zugleich klingt. Einzig Rap-Tracks wie das bouncende "The Man" oder das kaputte Crooner-Ending "Faith" brechen aus diesem Muster aus. Die meist bewusst monotonen und aggressiven Tracks zerren an den Nerven, gönnen keine Entspannung und lenken ein gleißendes Licht auf all die Missstände und Katastrophen unserer Zeit.

De Staat wollen nerven, das selbstbetitelte Album zerlegt Sounds und Hörgewohnheiten und stellt auch Bequemlichkeit und Trägheit angesichts der Nachrichtenlage infrage. Die Niederländer setzen auf Energie gegen Eskapismus und fordern die völlige Aufmerksamkeit der Zuhörer:innen ein: Ein Ausblenden dieser Art-Lektion macht die so düstere wie bedrohliche Eindringlichkeit der Platte unmöglich.

Trackliste

  1. 1. The King
  2. 2. The Fire
  3. 3. The Underdog
  4. 4. Freedom
  5. 5. The Noise
  6. 6. Glory
  7. 7. The Boy
  8. 8. The Man
  9. 9. The Matter
  10. 10. Faith

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