laut.de-Kritik
Power Metal-Herz, was willst du mehr?
Review von Stefan Johannesberg"Who wants to burn in heaven? / If you can rule forever down in hell?" Weniger die Hölle als vielmehr den Power Metal regieren Frozen Crown. Mit kurzen Songs, bombastischen Chören, mächtigen Gitarrenwänden und Giada Etros Gesangskunst verteidigt die Band aus Mailand ihren Platz auf dem Eisernen Thron. Allein besagtes "Who Wants To Burn In Heaven" schneidet sich durch alle Herausforderer wie Barristan the Bold.
Der von Federico Mondellis Stimme und mächtigen Chören getragene Refrain nistet sich sofort mietfrei ein und bleibt noch tagelang hängen. Die Rhythmussektion klaut sich ein paar Pferde von Iron Maiden für den Angriff auf die Hölle. Die Macht, mit der Frozen Crown hier vorgehen, erinnert stellenweise gar an selige Manowar-Zeiten. Man stelle sich nur mal Eric Adams am Mic vor – das Blut aller Feinde würde noch stärker fließen.
Für die Herrschaft über Power Metal-Erde reicht es jedoch locker. Majestätisch gleiten sie durch die Songs wie Gandalfs Adlerkumpels. "Lightning in the Sky": klassischer Opener, harte Doublebass, Speed, Gitarren als Fanfaren, Chöre, Screams, duellierende Soli – Power Metal-Herz, was willst du mehr? "Reborn" geht melodischer und im Midtempo zur Sache, Keyboards und Woohoo-Chöre inklusive. Das schielt durchaus in Richtung Charts, ist aber eben auch perfekt umgesetzt und nie zu schlagerlastig. Battle Beast lassen grüßen.
"The One" ist der eine Power Metal-Song, sie zu knechten. Melodisch und schnell, mit Soli aller drei Gitarristinnen und Gitarristen, Chören und inhaltlich klar von Tolkiens Ringgeistern beziehungsweise dem Dark-Lord-Motiv inspiriert. Blind Guardian schielen hier auch durch den Fangorn Forest und Frozen Crown bauen weiterhin subtile Manowar-Anleihen ein.
"River of Time", "Through the Fire" und "To the Stars" sind klassische Albumtracks, die kurz vor Ende vor allem die Spannung hochhalten sollen. "River of Time" lockert den wilden Ritt mit ruhigen Passagen auf. "Through the Fire" lebt von seinem Lead-Riff und dem einfachen Mitgröhl-Refrain, während "To the Stars" als Midtempo-Hymne am ehesten den Platz der fehlenden, im Power Metal fast obligatorischen Ballade einnimmt.
Rasende Drums, kraftvolle Growls von Mondelli, Etros gewohnt epischer Clean-Gesang und zahlreiche Tempowechsel: Der abschließende Titeltrack "The Legend Of The Six Kings" führt wie schon "Winter Hearts" zuvor mit bombastischen Melo-Death zurück in die Vergangenheit der Band. Doch im Gegensatz zu vielen Genre-Kollegen dehnen Frozen Crown den Titeltrack nicht zur obligatorischen Acht-Minuten-Hymne aus, sondern setzen auch hier auf Kompaktheit und Hit-Faktor – wie schon beim Vorgänger "War Hearts".
Das wichtigste Unterscheidungsmerkmal bleiben jedoch die drei Gitarren. Neben Federico Mondelli liefern vor allem Alessia Lanzone und Neuzugang Alexandra Lioness permanent Leads, Harmonien und Soli und verleihen dem Album die nötige Wucht.
Ach, da war ja noch das Goo-Goo-Dolls-Cover "Iris". In den ersten Sekunden schämt man sich zunächst ein wenig fremd, wenn Etros Stimme im Pop-Rock-Modus unangenehm dünn klingt. Nach rund 40 Sekunden interpretieren Frozen Crown den Hit dann jedoch standesgemäß und brutzeln, auch dank Mondellis Stimme, nahezu jeden Radio-Appeal aus ihm heraus.
Love it or hate it: Frozen Crown's on top, and they gon' shine, homie, until their hearts stop.


1 Kommentar
So macht man Power-Metal. Da kann sich die Konkurrenz, siehe Sabaton, mal mehr als eine Scheibe von abschneiden.
4/5 gehen klar.