Unheilig - "Von Mensch Zu Mensch"
2016 versprach uns der Graf eigentlich den Abschied und eine letzte Tour. Nun hat es uns 2026 doch wieder erwischt, und wir müssen ein Comeback über uns ergehen lassen. Das schwebte schon vor zehn Jahren irgendwie im Raum, zu leicht ließ sich die große Masse von seinem bedeutungsschwangeren und mit Wandtattoo-Sprüchen vollgekleisterten Pseudogoth-Pop einlullen und füllte dem Herrn mit dem albernen Bart ganz wohlfeil die Kassen.
Letztes Jahr mussten wir vom Meister aller Klassen der Kalendersprüche, Kontra K, ein Remake von "Geboren Um Zu Leben" ertragen, anno 2026 gibt es das weinerliche Gejaule im Original. Da wünscht man sich sehnlichst zehn Jahre zurück.
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Unheilig - "Von Mensch Zu Mensch"*
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1 Kommentar
Das schlechteste Unheilig-Album.
Einige Songs daraus höre ich sogar noch, aber es ist nicht nur über weite Teile erschreckend seicht, nein, ein Refrain wie in "Der Sturm" ist einfach nicht mehr feierlich. ("Tage wie Gold" zwei Alben zuvor war da auch grenzwertig, funktioniert aber gerade im Albumkontext noch, für mich jedenfalls.)
Im Grunde hätte man die ordentlichen Songs mit denen des Vorgängers als ein Abschiedsalbum bringen müssen, wäre auch kein Brett gewesen, aber besser als zwei wirklich enttäuschende Platten allemal. Andererseits: Beide Alben hatten ein schickes Cover. Und ich versteh natürlich die Vision hinter beiden Alben, die man trotz der musikalisch handzahmen Ausführung nicht leugnen kann. Dennoch, sehr unglücklich gelaufen damals.
Trotzdem ist hohles Unheilig-Bashing deutlich alberner als der Bart des Grafen. Und "Pseudogoth-Pop" ist auch wieder so eine Beschreibung, die zeigt, dass die landläufige Wahrnehmung dieses Projektes eins der größten Missverständnisse der deutschen Popgeschichte ist. Was halt passieren kann, wenn ein Künstler sich eigentlich jeder Kategorisierung entzieht, seine Arbeit aber trotzdem vermarkten will. Das muss man dann nach Kompatibilität machen, von außen könnte man dann meinen, dass das auch die Identität bestimme. Unheilig sind aber auch im Jahr 2026 keine "Schlagerband", nur weil sie sich in entsprechenden Formaten präsentieren (wo auch sonst, es gibt ja nix) und sich eine Spaßnummer wie "Wieder zurück" erlauben.
Ich freu mich nach meiner anfänglichen Skepsis jedenfalls auf noch mehr neue Songs, "Spiegel" ist einfach fantastisch. Und ich hoffe auf Experimente. Wer sich mit dem Schaffen von Unheilig auseinandergesetzt hat (aber wer tut das schon), weiß, dass das mal eine wirklich große Stärke war.
Die Rezension zu dem Album hier disqualifizierte sich übrigens schon durch den lächerlichen Verriss von "Walfänger", dem besten Song der Platte.