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Juliane Werding - "Sehnsucht Ist Unheilbar"

Als Juliane Werding ihr achtes Studioalbum veröffentlicht, ist sie längst eine etablierte Künstlerin. Wobei, nein: Eigentlich ist sie eine Künstlerin am Scheideweg, eine Frau auf dem Absprung in ein neues Leben. Als Teeniestar hatte die Sängerin Erfolge gefeiert. Ihre Hits "Am Tag Als Conny Kramer Starb" oder das freche "Wenn Du Denkst, Du Denkst, Dann Denkst Du Nur, Du Denkst" gehörten 1986 längst fest zum deutschen Schlager-Kanon. Werding hatte zudem sogar "etwas Richtiges" gelernt, fand in ihrer Arbeit in einer Medienagentur aber auch keine Erfüllung und sattelte auf Heilpraktikerin um. So weit, so umbruch-mäßig.

Mit "Sehnsucht Ist Unheilbar" legte sie dann ein Album voller Songs vor, die die Grenzen zwischen Pop, dem oft geschmähten Schlager und Chanson verschwimmen lassen. Aus Werdings Zeilen sprechen Beobachtungsgabe, Einfühlungsvermögen und ein sich zwar auf leisen Sohlen anschleichender, dennoch omnipräsenter Feminismus. Der Titeltrack etwa erzählt vom Traum vom Ausbruch aus biederem Hausfrauen-Dasein, von der Sehnsucht nach Selbstbestimmung und Freiheit. "Der Brief" thematisiert einen schmerzhaften Befreiungsschlag aus einengenden Familiengefügen.

Bei aller emanzipatorischer Grundhaltung bleibt die Romantik erstaunlicherweise nicht auf der Strecke: "Stimmen Im Wind" oder "Das Würfelspiel" offenbaren nicht nur grandioses Storyteller-Talent. Hier überschreitet Juliane Werding sogar die Grenzen zum Jenseits, kommuniziert mit Geistern und erzählt die größte Geschichte von allen: die von der Liebe, die den Tod besiegt.

"Mit Ausnahme von Kindheitsträumen verändern sich Sehnsüchte im Lauf des Lebens", konstatierte Werding zwanzig Jahre nach Release dieses Albums in einem Interview. Sie finde, die meisten Sehnsüchte sollten sich gar nicht erfüllen, das sei meist viel weniger befriedigend, als man denke. In dem Fall: Gut, dass Sehnsucht auch weitere zwanzig Jahre später noch immer unheilbar ist.

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