"Innenstadt Front"
(Erschienen auf: "Die Geister, Die Wir Riefen" (Ballast Der Republik-Bonus-CD), 2012)
Man kann einmal versuchen, sich zu vergegenwärtigen, dass Düsseldorf in der zweiten Hälfte der Siebziger eine der coolsten Städte des Planeten war, oder zumindest eine der Geburtsstädte von Punk in Westdeutschland. Hier wurden Kraftwerk einmal fast verprügelt, weil sie es gewagt haben, in Anzügen zu einem Punkkonzert zu kommen. So steht es zumindest schwarz auf weiß in Jürgen Teipels "Verschwende deine Jugend", und wer dieses Standardwerk der Oral History von Subkultur in der BRD nicht gelesen hat, geht am Leben vorbei.
Es erscheint völlig crazy, dass die Ratinger Straße samt Ratinger Hof einmal ein kultureller Hotspot von internationaler Relevanz gewesen ist. Sie könnte das wieder werden, dafür müssten wir aber erst einmal die ganzen American Psycho-esquen Consulting-Yuppies in ihren marineblauen Steppjacken und -westen rauskehren, die dort heutzutage an einem Wochenende vor den Bars rumstehen und sehr laut über ihre eigenen Witze lachen.
Ebenfalls crazy, dass Bands wie DAF, Mittagspause und Die Toten Hosen der selben Ursuppe entsprungen sind. Allein weil die Hosen eine der letzten noch aktiven Bands aus dieser Zeit und diesem Ort sind, ist es schade, dass sie gehen. 2012 haben sie ihren Wurzeln mit einem Cover des zeitlosen Mittagspause-Hits "Innenstadt Front" Tribut gezollt. Sie spielen das mehr brutal als cool und so rotzig, wie es in einem professionellen Studio nur möglich ist. Der Drumsound mag in Richtung Geschmacksverirrung gehen, aber die Attitüde stimmt.
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