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"Ertrinken"

(Erschienen auf: "In Aller Stille", 2008)

"In Aller Stille" ist mein Lieblingsalbum von den Toten Hosen. Das ist einerseits natürlich unbestreitbar biographisch bedingt, andererseits lassen sich gute Gründe für diese Aussage finden.

Einigermaßen erschüttert nahm ich zur Kenntnis, dass die Kollegen "In Aller Stille" in ihrem Ranking der Hosen-Album auf Platz 15 von 17 aufgeführt haben, samt folgendem Kommentar: "(...) irgendwie merkt man dem Endergebnis an, dass es mit heißer Nadel gestrickt wurde. Die Band musste ihren Sänger quasi im stillen Kämmerlein einsperren, damit er endlich mit den Texten zu den eigentlich schon fertigen Songs rüberkommt."

Man merkt dem Endergebnis an, dass die Band ihren Sänger erst einmal am Weglaufen vor sich selbst hindern musste, bis er in der Lage war, Gedanken als Lyrics aufzuschreiben, die er eigentlich nicht aufschreiben will, weil sie so persönlich sind. "Wo kommen all die Zweifel her / die uns ins Herz geschlichen sind": Die emotionale Wucht, die "Ertrinken" in seinem so geduldigen wie cleveren Aufbau stufenweise entwickelt, speist sich unter anderem aus jeglichem Verzicht auf doppelten Boden, tröstliche Moral oder Happy End. So klingt das, wenn man dem Gefühl einer Beziehung vor dem Aus ohne zu bullshitten ins Gesicht sieht: "Und jede Antwort fällt so schwer / zieht uns tiefer rein ins Meer / ich ertrink langsam in mir / ich ertrink langsam in dir". Das ist auf eine sehr ehrliche Weise sehr berührend und musikalisch richtig gut.

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