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"Alles Aus Liebe"

(Erschienen auf: "Kauf Mich!", 1993)

Irgendwann zwischen Mauerfall und "Kauf Mich!" passiert es, dass Die Toten Hosen endgültig beschließen, so etwas wie eine seriöse Band werden: Sie verzichten in Songs wie "Fünf Vor 12" ("Auf dem Kreuzzug ins Glück") immer öfter auf Humor und Ironie, um antifaschistisch Haltung zu beziehen, da im Deutschlandfahnenmeer nach dem Fall der Mauer und der Eingliederung der DDR in die BRD zwar keine Landschaft, dafür die nationalistische Idiotie aufblüht.

"Kauf Mich!" gilt als Hosen-Klassiker und ist unterschiedlich gut gealtert. Die Band entwickelt die ersten Auswüchse des staatstragenden Gestus', der sie im Lauf ihrer Geschichte manchmal etwas nervig macht. Ihnen steht die neue Ernsthaftigkeit auf Songs wie "Willkommen in Deutschland" textlich sehr gut, während das musikalisch aus heutiger Sicht ziemlich dümpelt. Campinos Versuche in Kapitalismuskritik fallen eher mager aus ("mich kann man kaufen und es gibt mich / im Sonderangebot", ja sag bloß).

Dazwischen gibt es Skits und Songs, die an eine Höhlenmalerei-Vorform von K.I.Z. erinnern ("Die Homolka-Kettensäge", "Sascha... ein aufrechter Deutscher") und dann dieses Lied, das im Duden neben "heiter-melancholischer Song übers Saufen und Lieben" steht.

Wer noch nie morgens um fünf einem sturzbesoffenen Düsseldorfer dabei zugesehen hat, wie er versucht, "Alles Aus Liebe" beim Karaoke zu performen, kann diese Band eigentlich nicht voll und ganz verstehen. "Und alles nur / weil ich dich liebe / und nicht weiß wie ich's beweisen kann": Schreibt's auf den Grabstein. Campino ist textlich immer besser, wenn er einfach ehrlich ist, als wenn er versucht, sich einen Reim auf die Lage der Nation zu machen. Hierzu fallen sich Hunde und Katzen in die Arme.

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