Überall sonst ist es besser?
Aber hören wir doch (zumindest im Kolumnen-Kontext) ausnahmsweise auf Finch. Wohin also? Der Iran soll ja voll schön sein, Bombenstimmung dort, und gerade Künstler haben es dort bestimmt sehr viel leichter als im schröcklichen Deutschland ... stimmts, Behrad Ali Konari?
"Es waren meine besten Freunde, die ermordet wurden", erzählt der im Iran mehrfach seiner Kunst wegen inhaftierte Rapper im Interview mit der taz über zwei seiner Kollegen, die während seiner Haftzeit hingerichtet wurden. "Man zwang mich immer wieder, ihre Leichen anzusehen. Sie sollten ein falsches Geständnis unterschreiben, haben sich aber bis zuletzt standhaft geweigert. Ihre Furchtlosigkeit bewundere ich. Auch ich war in der Haft Psychoterror ausgesetzt. 'Du bist als nächstes dran', bekam ich zu hören. Vom Geheimdienst wurde ich während 35 Tagen gefoltert. Bei den Verhören, zu denen man mich zerrte, war es Standard, dass man mich und die anderen Häftlinge auf den Boden zwang, Hände auf dem Rücken gefesselt. Die Füße waren in Ketten gelegt und dann zogen sie uns die Decke hoch, wie Schlachtvieh. Nur unser Gesicht hatte noch Kontakt zum Boden. Das war eine besonders brutale Methode. Folter bedeutet für die Opfer jeden Tag Überlebensmodus. Es ist ein Kampf. Du musst schauen, dass du bis zum nächsten Morgen überlebst."
Ja, klingt echt verlockend, Finch, haste Recht. Und weil es hier so schlimm ist, lebt Konari jetzt in Deutschland im Exil.
Bei "iranischer Rapper" fällt mir als erster natürlich immer Toomaj ein. Die iranisch-französische Künstlerin Bahareh Akrami hat die Geschichte des vom Regime inhafierten, gefolterten und zum Tode verurteilten MCs in eine Graphic Novel verwandelt. Das Buch heißt "Une voix pour la Liberté", in der arte-Mediathek gibts einen kurzen Beitrag darüber, hier entlang.
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