Gehts noch?
Richtig wütend hat mich tatsächlich auch wieder der Stern-Artikel gemacht, in dem Badmómzjay von ihrer Abtreibung erzählt. Halt, nein. Nicht der Artikel an sich erbost mich bis auf die Knochen. Sondern der Umgang damit.
Als sei nicht herzzerreißend genug, wie da eine junge Frau mit sich, ihrem Gewissen, gesellschaftlichen Erwartungen, der Bürokratie, ihrem manipulativen und offenbar obendrein gewalttätigen "Partner", den körperlichen Herausforderungen und den physischen wie psychischen Folgen des Eingriffs ringt.
Als sei nicht noch herzzerreißender, dass sie mit all dem alleine fertigwerden muss.
Als sei dann nicht brutal genug, dass nicht etwa der Erzeuger des Fötus, dessen Verhalten ja offenbar den maßgeblichen Grund für den Schwangerschaftsabbruch geliefert hatte, sich für die Entscheidung öffentlich beschimpfen, verurteilen und bedrohen lassen muss, sondern die ohnehin schon leidtragende Frau.
Nö, diesem ARMEN MANN muss man dann hinterher noch medial eine Bühne geben, die ihm ermöglicht, seine Ex-Partnerin an den Pranger zu stellen. Nicht, dass ich von den Kolleg*innen von Raptastisch plötzlich journalistische Qualität oder besonders viel Empathie erwartet hätte. Aber deren Beitrag zum Thema erreicht schon ein neues Level an Ekelhaftigkeit.
Ich muss wirklich nur deswegen nicht in noch dickerem Strahl kotzen, weil denen das in der Kommentarspalte doch recht angemessen um die Ohren fliegt. Das tröstet, wenn auch nur ein wenig. Ich zitiere stellvertretend für viele stabile Antworten die von 6euroneunzig:
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"1. gottloser Beitrag
2. Sichere Abtreibung sollte auf der ganzen Welt ein Menschenrecht sein. @badmomzjay hat unseren Rücken.
3. Es ist absurd, dass Männer in den Kommentaren erwarten, eine Frau soll ein Kind 9 Monate tragen und wenn sie nicht bereit ist Mutter zu sein danach zur Adoption freigeben. Habt ihr nur im Ansatz eine Vorstellung davon was Schwangerschaft bedeutet? Was Geburt bedeutet und mit welchen Risiken beides verbunden ist? Du baust einen Menschen aus deinen körpereigenen Ressourcen. Hormone verändern dein Gehirn für immer. Es gehen gewaltige Umstrukturierungen vonstatten. Schwangerschaft ist mit einem 9 monatigen Marathon vergleichbar (checke Studien der Duke University).
Und nach dem Kraftakt einer Geburt, soll die Mutter ihr Kind easy peasy abgeben? Man merkt einfach, dass ihr euch nicht mit Erfahrungen von Frauen auseinander setzt.
Hot Take: Die gleichen Männer werden Väter und kommen dann nicht drauf klar, dass sie nicht mehr an erster Stelle stehen. Sind genervt davon dass es 8 Wochen nach der Geburt ihres Kindes noch kein GV gibt und fühlen sich als arbeitende Versorger nicht wertgeschätzt.
Ihr wollt Realitäten von Frauen unsichtbar machen und merkt es nicht einmal."
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Her body.
Her choice.
Verdammte Scheiße.
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