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Xavier, oh Gott

Ich bringe das auf, weil ich am Wochenende tatsächlich zwischen Leuten gestanden habe, die - soweit ich das nach kurzem Kennenlernen eingeschätzt habe - eigentlich ganz nett und auch überhaupt nicht dumm sind, die aber auf einmal damit angefangen haben, dass man sich bei Xavier entschuldigen sollte. Weil: Der hatte ja eigentlich Recht. Oder nicht?

Ich werde die loco Channels jetzt nicht verlinken, die voll auf das #SorryXavier-Ding anspringen, denn: Ich habe ihn sehr genau beobachtet. Ich habe einen ziemlich guten Überblick über die Sachen, die er gesagt hat, und glaubt mir: Der war kein beherzter Kämpfer für die Wahrheit. Das war ein verkiffter, verwirrter alter Mann, damals wie heute.

Hat er also auch Recht damit, dass Deutschland ein besetztes Land ist? Dass linke Eliten aus toten Kindern Adrenochrom gewinnen? Dass die Pandemie eine Lüge war, um global den Satanismus einzuführen? Allein in diesem Posse-Cut: Da wurde der Name Epstein nicht erwähnt, dafür aber ungefähr dreihundert Mal Satan.

Das Ding ist: Die Enthüllungen um Epstein sind ja auch nicht erst dieses Jahr entstanden. Das "Epstein didn't kill himself"-Meme ist Jahre alt, und seitdem sind investigative Journalist*innen dran, genauer nachzuforschen. Viele von denen haben ihren Job gemacht, ohne Verschwörungsverdacht zu schüren. Weil ihre Arbeit fakten- und evidenzbasiert war (und uns lowkey überhaupt erst an diesen Punkt geführt hat).

Natürlich sind alle Verschwörungsatzen sofort auf die Idee von Epstein gesprungen und tun jetzt so, als hätten sie irgendetwas enthüllt. Aber sie haben im Grunde auch nur ihre völlig cocoloco Adrenochrom-Pizzagate-Geschichten die letzten Jahre über Schritt für Schritt an die Enthüllungen zu Epstein angepasst und tun jetzt so, als seien sie die ersten damit gewesen. Was für ein Bullshit, ey.

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