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Diagnostiziert ist besser


Wenig überraschenderweise gestaltete sich das Interview, das Juju unlängst dem Spiegel gab, sehr viel aufschlussreicher. Sie packte da relativ schonungslos die Gründe dafür aus, warum es mit SXTN einst den Bach runterging, welche Querelen sie mit ihrem Label auszufechten hatte und vor allem, warum sie gar so lange von der Bildfläche verschwunden war.

"Mir war alles zu viel", sagt sie. "Ich hatte gar keine Zeit, irgendwas zu verarbeiten. Ich wusste halt lange, irgendwas stimmt nicht mit mir. Irgendwas ist komisch. Aber ich wusste einfach nicht, was." Bis aus dem vagen Gefühl die Gewissheit einer Diagnose wurde, verging viel Zeit. "Eben auch, weil ich dachte, dass ich immer alles durchziehen muss. Ich dachte immer, ich darf gar nichts absagen, weil ich diese Chance habe und Geld verdienen kann. Wenn du in einem bestimmten Umfeld aufgewachsen bist, wo keiner an sich glaubt und keiner auch an dich glaubt, dann glaubst du halt auch nicht an dich."

Die Zwangspause während der Corona-Pandemie habe ihr zwar eine Atempause verschafft, aber das Problem an sich auch nicht beseitigt. Zu ihren mentalen Baustellen gesellten sich dann noch professionelle in Form eines für sie extrem unvorteilhaften Vertrags, den sie als sehr junge Frau ohne viel Ahnung vom Business unterschrieben hatte.

Juju floh dann vor allem und sich selbst nach Spanien, doch dort schlugen ihre inneren Dämonen erst richtig zu. Auch dann versuchte sie noch, mit den nun wieder auf sie einstürmenden Kindheitserinnerungen alleine klarzukommen: "Ich wusste schon immer, dass ich Therapie machen sollte, aber gleichzeitig dachte ich, ich bin es gewohnt, dass ich alles allein regeln muss. Deshalb dachte ich, ich schaffe das schon."

Die doch irgendwann in Angriff genommene Psychotherapie verschlimmerte ihre Symptome zu Beginn noch, "weil ich nichts mehr verdrängen konnte." Erst die Diagnose, ADHS und Autismus, half ihr dabei, sich selbst besser zu verstehen und Strategien zu entwickeln, ihre Probleme anzupacken.

Unter anderem hat Juju dabei offenbar erkannt, dass zu wirksamen Selbstschutz gehört, sich von Menschen zu trennen, die einer nicht guttun. Was in Konsequenz zur Trennung von SXTN führte:

"Die Wahrheit war, dass ich mich gegen Ende in der Konstellation mit Nura aus vielen verschiedenen Gründen sehr schlecht gefühlt habe. Es wurde immer schlimmer, bis ich irgendwann sogar gesundheitliche Probleme hatte. Ich habe trotzdem noch weiter durchgezogen. Aber irgendwann war ich komplett am Ende und musste mich trennen, obwohl es mir sehr schwergefallen ist. Diese Entscheidung habe ich mit niemandem vorher abgesprochen. Weder mit Nura noch mit meinem Management. Ich habe es einfach eines Tages gepostet. Und kurz danach ging es mir auch schon viel besser."

Über den Stil kann man da sicher streiten, die Entscheidung an sich scheint für Juju aber ganz offensichtlich die richtige gewesen zu sein. Trotz allem sei sie stolz, "darauf, was wir mit SXTN erreicht haben. Zwei komplett nicht privilegierte junge Frauen, die alle Texte selbst schreiben. Und die so gut wie Männer rappen oder sogar besser. Die Frauen und Jugendlichen eine Stimme geben. Und sich selbst auch."

Lest ruhig das komplette Interview, ich fand das sehr erhellend.

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