Lucky Lily
Wir bleiben untergrundig und wenden das Spotlight auf Lucky Lily. Die kennt man bisher vornehmlich aus dem Battlerap: Bei Future of Battlerap und DLTLLY hat sie ein paar denkwürdige Matches und Tag-Teams hinter sich gebracht. Jetzt hat Lucky Lily ihre erste Single rausgebracht, und die klingt so:
Es ist wie so oft: Die wirkt an sich richtig cool. Ich mag ihre Stimme echt gern, sie erscheint so generell swaggy, sie kann rappen, sie hat ihr Herz am rechten Fleck, und dann ist das wieder so ein völliges Slogan-Massaker.
Okay, Schritt zurück: Ich habe wirklich kein Problem mit Männerbashing. Aber auch das ist eine Form von Storytelling, und Lucky Lily stellt hier überhaupt nichts plastisch oder greifbar dar. Es geht um dieselben Alphamänner, die ins Gym gehen und Frauen auf die Titten starren, an denen sich seit zehn Jahren die "heute Show" abarbeitet. Diese Lines fühlen sich nicht an wie konkrete, realweltliche Erfahrungen mit Männern, sondern wie das abstrakte Klischee des toxischen Typs.
Das kann natürlich total reichen, am Ende ist auch dieses Klischee aus strukturellen Pattern entstanden. Aber in dem Song steckt trotzdem so wenig Persönlichkeit, spezifisch für Lucky Lily. Da ist keine besondere Beobachtung, keine Subversion von Erwartung. Man liest den Titel und weiß zu 110 Prozent bis ins letzte Detail genau, was auf diesem Song passieren wird. Das geht sicher hart, wenn man auf der lokalen Demo spielt. Aber ich glaube schon, dass man sich auch bei diesem Thema kreativ ein bisschen mehr austoben kann.
1 Kommentar
Das ist genau der Grund, warum ich 90% des "politischen" Raps nicht feiern kann. Alles ist richtig, was sie sagt, aber ich fühle NICHTS. Das ist alles so allgemein, ich fühl mich noch nicht mal gefrontet, nichts tut weh.
Ich mein, es ist super für junge Frauen, dass es heute solche Tracks gibt, das kann man gar nicht haten, aber aus ästhetischer Perspektive lässt mich das komplett kalt.
Die letzte Ebow Platte war da für mich echt eine absolute Ausnahmeerscheinung. Die schafft das halt, dass ich einen explizit politischen Track wie Free eigentlich nicht hören kann, ohne zu heulen. Der tut halt weh.