R.I.P. Kemp
Aber gut, wo wir jetzt geklärt haben, dass der Deutschrap-Mainstream wieder seltsame Blüten treibt: Im Untergrund läuft es nur bedingt besser.
Stellt euch vor, ihr seid letzte Woche in euer Auto gestiegen. Ihr habt, von langer Hand geplant, Urlaub genommen, denn ihr seid vierzigjährige Trueschooler, die jedes Jahr zum Hip Hop Kemp fahren. Die Guru-Alben liegen im CD-Player, ihr fahrt vielleicht einen ganzen Tag lang nach Tschechien, freut euch schon auf den Geruch von Weed und auf eine Sprayer-Session. Und dann steht ihr da wie Kylie Jenner vor dem Fyre-Festival:
Was für eine Geschichte. Nachdem am Morgen des Festivals noch Werbung für Tickets gemacht wurde, ist den Veranstaltern ein paar Minuten vor Beginn aufgefallen, dass sie viel zu wenige Tickets verkauft haben - und dass irgendwie niemand die Bühnen aufgebaut hat. Upps!
Na gut, dann hat man halt den Job, ein Festival zu organisieren, und hat einfach mal gar nichts organisiert. Ich geh' auch manchmal so vier, fünf Monate nicht zur Arbeit. Sollen die Indie-Artists eben auf ihren geblockten Wochenenden, Reisekosten und nicht gezahlten Gagen sitzen bleiben. Ist besonders schön, wenn man einen Haufen Indie-Rapperinnen und -Rapper bucht, die die jetzige Welt eh schon an den Rande des Prekariats drängt. Mit denen kann man es ja machen!
Oder mit den Fans, die teilweise schon angereist waren. Heftige Nummer. Dann noch die Dreistigkeit haben, im sehr mageren Statement mit einem schlecht gecroppten JPG als Bild von einem Neustart im nächsten Jahr zu schwadronieren? Das ist wild. Wenn ich ein Restaurant hätte, in dem ich euch nach der Bestellung eines Steaks eine tote Ratte serviere, euch dann beim Auftragen noch ins Gesicht kotze, sollte ich euch auch nicht mit 'Bis zum nächsten Mal!' verabschieden.
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