Seite 2 von 11

Was machen wir daraus?

Nun stellt sich natürlich die Frage: War das eine bewusste Entscheidung?

Ich würde grundsätzlich sagen: Jein, das ist schwer zu sagen. Es gibt zwei mögliche Szenarien. Erstens könnten wir mutmaßen, dass hinter Converse tatsächlich Hardcore-Neonazis stecken, die die Bildsprache von rassistischen Morden normalisieren wollen. Das ... halte ich für weniger plausibel. Selbst wenn die reichen Leute hinter einer großen Marke Faschisten wären (was nicht allzu schwer zu glauben wäre), gäbe es in der heutigen Zeit doch viel einfachere und effektivere Wege, dem Faschismus zu frönen. Mach es doch wie die anderen Milliardäre und investiere Geld in die Alt-Right und die Republikaner. So genau checkt das eh keiner, und die Ergebnisse sind spürbar. Trau-keinem-Promi-Ass versteckte Botschaften haben die, glaube ich, gerade leider wirklich nicht nötig.

Die andere Möglichkeit: Was, wenn das alles bewusstes Outrage-Marketing war? Wenn also bewusst an die Grenzen des guten Geschmacks gegangen wurde und die verletzenden Implikationen in Kauf genommen wurden, um über die Kampagne zu reden? Das klingt für mich viel plausibler. Vor allem auch, weil sie kalkulieren können, dass dank des beteiligten K-Pop-Stars genug Leute herbeispringen würden, um das Bild zu verteidigen. Ergo: Viele Leute würden passioniert darüber reden und die ganze Welt hätte deine Schuhwerbung gesehen. Das ist das Level an Zynismus und Ruchlosigkeit, das ich großen Marken viel eher zutrauen würde.

Option 3: Es war wirklich nur ein blöder Zufall und die Marketing-Menschen haben nicht erkannt, wie das Bild auch interpretiert werden könnte. Das soll es ja auch geben. In jedem Fall wäre das die beste Interpretation. Sie lässt unser Menschenbild intakt und schenkt der Firma keine Aufmerksamkeit. Muss man dieses Thema überhaupt so dringend diskutieren? Selbst mit Option eins hätte eine Schuhwerbung nicht die Macht, die rassistischen Mordraten anzuheben. Was auch immer es war, die richtige Antwort wäre wohl, es einfach zu ignorieren.

Karina selbst würde ich aber in Schutz nehmen. Wenn man sich das Originalbild anguckt, sieht man, dass sie und ihr Team wohl schwer auf die Idee kommen konnten, dass sie gerade für eine Neonazi-Kaballa abgelichtet wurde.

Seite 2 von 11

Weiterlesen

Noch keine Kommentare