Blackpink und das N-Wort
Und thematisch bleiben wir bei dieser Sorte Gewurschtel. Die meisten Fans des Genres kennen inzwischen den folgenden Clip:
Jup. Das sind Bewerbungs-Tapes, in denen Teenage-Versionen der Blackpink-Member das N-Wort in ihren Songcovern mitrappen. Ich halte euch jetzt nicht die selbe Rede nochmal, dass Leute ihren antirassistischen Aktivismus nur für Celebrity-Fanwar am anderen Ende der Welt sichtbar werden lassen. Auf jeden Fall war es eine große Sache, die Mitglieder haben sich aber nie dazu geäußert. Bis jetzt.
Entschuldigt hier bitte das ramschige YouTube-Video. Die Äußerung kommt wohl von Lisa aus dem Dokufilm "Always Lalisa", ich hatte bisher keinen Gelegenheit, den zu gucken. Wir müssen also davon ausgehen, dass darin die erwartbaren Dinge gesagt werden. Sie war keine Sechzehn, als sie aus Thailand nach Korea kam. Ihr wurden Songs vorgesetzt, die sie covern sollte – und Baby-Lisa echauffierte sich nicht, um den Labelleuten vorzuwerfen, dass sie sich wegen der soziogeschichtlichen Implikationen dieses Wortes weigern wird, es mitzurappen.
Die Reaktionen sind natürlich wieder gespalten. Ich persönlich tue mich schwer damit, ihr daraus allzu sehr einen Strick zu drehen. Wenn Leute nicht glauben können, dass Menschen die Geschichte des N-Wortes nicht kennen, dann scheint mir das ziemlich amerikanzentristisch. Wir in Deutschland bekommen zumindest ein bisschen amerikanische Geschichte mit, und trotzdem wurde auf unserem Pausenhof das N-Wort um sich geworfen, als wäre es der letzte Tag auf Erden. Ich sage nicht, dass das gut ist, ich sage nur, dass es so war. Ich würde aber doch sagen, dass man einem Haufen idiotisch-ignoranter Teenies zugestehen sollte, aus rassistischem Verhalten lernen zu können.
Wie schon gesagt, das ist Deutschland. Ich kenne mich mit dem thailändischen Bildungssystem und dem Stellenwert von Hip-Hop in dieser Kultur nicht besonders aus. Es wäre für mich aber nicht schockierend, wenn du die sehr spezifischen Regeln um diesen Begriff, der in der Rapmusik ja doch sehr locker und allgegenwärtig verwendet wird, nicht kennst, vor allem, wenn du kaum Englisch gelernt hast.
Grundsätzlich scheint mir der Punkt hier eher ein systemischer zu sein. YG ist ein Label, das gerne Hip-Hop-credible wäre, sich aber scheinbar frei fühlt, dieses Genre und seine Kultur nach Gutdünken zu benutzen, ohne sich in der Pflicht zu fühlen, den eigenen Idolen ein bisschen Sensibilität darüber beizubringen. Meiner Meinung nach wäre hier definitiv das Label in der Pflicht gewesen, nicht ein Teenager aus Thailand, der kaum Englisch spricht. Aber vielleicht war das Label auch zu sehr damit beschäftigt, von schwarzer Kultur zu profitieren, um sich darüber Gedanken zu machen.
Noch keine Kommentare