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The Avalanches in Gletschergeschwindigkeit

Man könnte meinen, The Avalanches würden irgendwann feststellen, dass es vernünftigere Möglichkeiten gibt, ein Album aufzunehmen. Eine Band mietet ein Studio, spielt zehn Songs ein und veröffentlicht sie anschließend. Robbie Chater und Tony Di Blasi dagegen durchsuchen unvorstellbare Mengen fremder Musik, Fernsehsendungen, Werbespots und obskurer Aufnahmen nach kurzen Momenten, die sich aus ihrem ursprünglichen Zusammenhang lösen lassen. Dann setzen sie diese Fundstücke zu einer neuen Welt zusammen, müssen sich anschließend mit Rechteinhabern herumschlagen und wundern sich, warum das Ganze wieder Jahre gedauert hat. Am 16. Oktober erscheint nun "No Bad Memories", das erst vierte Album der Australier.

Schon die Gästeliste ist eine Zumutung für jeden ordnungsliebenden Menschen. Jamie xx, Mike Patton, Ryoji Ikeda, Karen O, Panda Bear, Carly Simon, Rivers Cuomo, John Glacier, Suzanne Ciani, Haruomi Hosono und Barry Can't Swim treffen aufeinander. Dazu kommt die tunesische Footwork-Produzentin Khadija Al Hanafi. Als wäre das noch nicht genug, haben die Avalanches gemeinsam mit dem Schauspieler Haley Joel Osment und dem Künstler Jonathan Zawada einen rund 35-minütigen Film produziert. Osment, einst der kleine Junge aus "The Sixth Sense", gehört nach Angaben der Band zu ihren begeisterten Fans.

Ein besonders schönes Detail der Collagenkunst betrifft Suzanne Ciani. Die Pionierin elektronischer Musik entwickelte einst zahlreiche kommerzielle Klangidentitäten, darunter den berühmten Sound einer geöffneten Coca-Cola-Dose. Auf "Our Love Is Alive" verwenden die Avalanches Material einer amerikanischen Kindersendung von 1980, in der Ciani ihren Buchla-Synthesizer demonstrierte. Eine historische Aufnahme über elektronische Klangerzeugung wird damit Jahrzehnte später selbst zum Material neuer elektronischer Musik. Man kann nur hoffen, dass das Duo die Pastiche-Gesetzgebung des BGH auswendig gelernt hat.

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