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Die ARD möchte wissen, wie es damals im Club war

Es musste irgendwann so kommen. Nachdem die ARD bereits zahlreiche Dokumentationen über die Geschichte der elektronischen Musik produziert, Clubs besucht und die Loveparade kulturhistorisch eingeordnet hat, folgt nun der nächste logische Schritt: Der öffentlich-rechtliche Rundfunk möchte wissen, wie es damals eigentlich war. Unter dem ausgesprochen schwungvollen Titel "Mehr Als Feiern – Deine Liebeserklärung an den Club" werden Bürger aufgerufen, ihre schönsten Erinnerungen an deutsche Clubs einzureichen. Die Aktion startete im September, Beiträge werden bis Ende Dezember angenommen. Als Botschafter fungiert der Dresdner DJ ESKEi83. Ausgewählte Geschichten sollen anschließend bei ARD Kultur veröffentlicht werden. Und nein, ich verlinke das hier nicht.

Das ist selbstverständlich eine ausgezeichnete Idee. Wer könnte die flüchtige, chaotische und häufig nur fragmentarisch erinnerte Geschichte der deutschen Clubkultur schließlich besser dokumentieren als eine öffentlich-rechtliche Einrichtung mit Onlineformular und Teilnahmebedingungen? Gesucht werden besondere Begegnungen, musikalische Erweckungserlebnisse und Orte, die sich wie ein Zuhause angefühlt haben. Für die Teilnahme müssen unter anderem Clubname, Ort und eine schriftliche Liebeserklärung angegeben werden. Man sollte also möglichst noch wissen, wo man damals war. Damit dürfte bereits ein beträchtlicher Teil der interessantesten Geschichten ausscheiden.

Vielleicht folgt anschließend eine sechsteilige Dokumentation über das kulturelle Erbe der Berliner Toilettenwarteschlange. Mit Experteninterviews, historischen Aufnahmen und einem Zeitzeugen, der 1998 im Tresor angeblich Sven Väth getroffen hat, aber sicherheitshalber nicht ausschließen möchte, dass es sein Steuerberater war. Besonders bewegend wäre auch die Geschichte jenes Mannes, der im Berghain aufs Klo wollte und "leider" im Lab.oratory landete. Jetzt fehlt nur noch Bildungsurlaub für den Clubbesuch. Was freue ich mich schon darauf, wenn VR-Brillen sich durchsetzen, dann wird der ÖRR zügig nachziehen mit "Split 2005" und ähnlichen Formaten.

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