Calvin Harris: Pobre, rico Brasil!
Brasilien besitzt eine der reichsten Musikkulturen der Welt. Samba, Bossa Nova, Tropicalismo, Forró, MPB, Baile Funk – Generationen von Musikern haben aus einer ungeheuren Vielfalt regionaler Traditionen immer wieder neue musikalische Ausdrucksformen entwickelt. Doch offenbar fehlte dem Land noch etwas Entscheidendes: ein schottischer EDM-Produzent, der vor 1,6 Millionen Menschen "We Found Love" spielt. Calvin Harris hat genau das am 8. Februar beim Karneval in São Paulo erledigt. Am 20. September wurde sein Auftritt offiziell als Guinness-Weltrekord für das größte DJ-Set eines einzelnen Künstlers anerkannt.
Harris stand dafür auf einem Karnevalswagen, trug ein brasilianisches Fußballtrikot mit dem Namen "Calvinho" und beschallte die Rua da Consolação unter anderem mit "This Is What You Came For", "One Kiss" und "I Need Your Love". Die Menge war nach offiziellen Schätzungen derart groß, dass die Straße zeitweise gesperrt werden musste. Besucher erlitten in der Hitze Kreislaufprobleme; Berichten zufolge kam es außerdem zu gefährlichem Gedränge.
Dabei ist die Vorstellung eines Guinness-Rekords für DJ-Sets ohnehin einigermaßen absurd. Was genau beweist die Anwesenheit von 1,6 Millionen Menschen? Dass Calvin Harris besonders gut auflegt? Dass die brasilianische Bevölkerung sehr groß ist? Dass ein kostenloser Karnevalsumzug mehr Besucher anzieht als ein schlecht beworbenes Clubfestival in Mecklenburg-Vorpommern? Vermutlich vor allem Letzteres. Harris spielte schließlich nicht in einer normalen Konzerthalle mit 1,6 Millionen verkauften Eintrittskarten, sondern war Teil eines öffentlichen Karnevalsereignisses.
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