Matthew Herbert: Musik aus der Speisekammer
Matthew Herbert hat in seiner Karriere schon auf erstaunlich vielen Dingen Musik gemacht, die vernünftige Menschen normalerweise nicht als Instrument betrachten würden. Er sammelte Alltagsgeräusche, verwendete Lebensmittel, beschäftigte sich mit den Geräuschen eines Schweins und verwandelte politische Konflikte in akustisches Material. Nun greift der britische Produzent erneut in die Speisekammer. Allerdings nicht in seine eigene. Am 16. Oktober erscheint ein neues Album mit dem ausgesprochen sperrigen Titel "theukhasmorefoodbanksthanbranchesofmcdonalds". Der Name ist Programm und gleichzeitig Internetadresse: Herbert beschäftigt sich mit der wachsenden Zahl britischer Tafeln und der Armut, die ihre Existenz erforderlich macht (wobei das sozialpolitisch ein ganzes Rattennest an Diskussion ist und die Studienlage zu Tafeln durchaus unklar).
Die Musik besteht ausschließlich aus Samples typischer Gegenstände, die in Lebensmittelausgabestellen verteilt werden: Nudeln, Cornflakes, Obstkonserven, Windeln, Toilettenpapier und andere alltägliche Dinge. Aus deren Geräuschen entstehen elektronische Kompositionen. Schon der vorab veröffentlichte Titel "Pasta (Is Not A Luxury)" zeigt die Richtung auf. Auch die Veröffentlichung folgt einem ungewöhnlichen Prinzip. Wer das Album kostenlos herunterladen möchte, soll zuvor eine Lebensmittelspende leisten oder seinem Abgeordneten schreiben. Kontrolliert wird das nicht durch eine aufwendige Überwachungsinfrastruktur, sondern über ein einfaches System der Selbstauskunft. Der Song ist jedenfalls gut und auf Herbert war noch immer Verlass.
Noch keine Kommentare