Ich bin eine Schmi-Schma-Schmetterlingin
Arten sind toll und es ist doof, wenn sie aussterben. Aus emotionalen, ästhetischen und biosystemischen Gründen sollte Flora und Fauna so bunt bleiben wie möglich – Wespen sind trotzdem Wichser, die den Tod verdienen.
Dominik Eulberg ist nicht nur Bestseller-Autor, sondern auch Ökologe und DJ, der gemeinsam mit dem 'Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft' eine Schmetterling-Malaktion gestartet hat, um auf die Gefahr des Artensterbens aufmerksam zu machen. Den besonders Gebildeten könnte er als Kolumnist der "Spektrum der Wissenschaft" bekannt sein – das ist diese blaue Zeitschrift, die der eine Onkel mit Promotion so gerne las (der aber nicht mit euch sprechen mochte).
Die Mitmal-Aktion heißt "Lepidoptera", aber bevor ihr eure Kinder herbeibrüllt: Ihr könnt auch selbst mitmalen und eure schönen Fliegeviecher einschicken, die Aktion steht explizit allen offen. Bis Mitte August habt ihr Zeit, ihr könnt also das Malzeug schon vorbereiten für die ersten Badeseebesuche. Wie ihr die Kunstwerke einschickt, das lest ihr auf der Website. Zu gewinnen gibt es Karma. Was könnte es Schöneres geben? Malt, ihr Schweine!
Natürlich hören wir uns noch an, was Eulberg selbst dazu sagt. Lobenswerterweise hat er noch ein ganzes Schmetterling-Album gemacht, das mir vor einigen Monaten durch meine schwitzigen Hände rutschte. Zu Unrecht, wie ihr unten hören könnt. Ohne das Cover käme ich wohl instinktiv nicht auf den Schmetterlingstrip, aber die im House zu verortende Scheibe ist sehr angenehm lebendig und fröhlich, ohne anbiedernd zu sein. Für die Wiese oder das Wohnzimmer, eher mit Kopfhörern, ohne Melancholie. Mein Favorit ist das exzellente "Schwalbenschwanz".
Das beteiligte Bündnis, Ummz Ummz steht stets für holistische Betrachtungsweisen, krankt natürlich an einem nationalen Nabelschau-Fridays-For-Future-Effekt. Zwar sind Pestizide in der Landwirtschaft offenkundig belastend, das Bündnis richtet sich mit der deutschen Landwirtschaft aber tendenziell an den falschen Adressaten: In Afrika und Lateinamerika wäre das Thema ungleich wichtiger – da ist es aber natürlich anstrengender zu lobbyieren. Zumal die beteiligten Bio-Unternehmen natürlich ein Interesse daran haben, ihre Marktposition gegenüber konventionellen Betrieben zu stärken und so nicht nur für die Sache, sondern auch für den eigenen Umsatz lobbyieren. Zumal der relativ niedrige Preis von Lebensmitteln in Deutschland eine große sozialpolitische Errungenschaft ist. Also wie immer ein komplexes Bild, das zu kennen sich lohnt, aber nichts daran ändert, dass ihr dem Dominik eure Schmetterlinge schicken solltet.
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