4. November 2026

"Ich will mich nicht in eine Schublade stecken lassen"

Interview geführt von

Frust, Wut und ein winziges Studio: Auf "How Long Will It Take?", ihrem ersten Album nach mehreren EPs, zeigt Nieve Ella eine Seite von sich, die sie bisher nicht gezeigt hatte. Sie erzählt, warum sie sich nicht in Schubladen stecken lassen will, was die Chorharmonien für sie bedeuten und welchen Song sie auf dem eigenen Album überspringen muss.

Nieve Ella ist schon auf Tour, als ihr Debütalbum "How Long Will It Take?" am 16. Oktober erscheint. Konzerte, Hotelzimmer und Reisetage bestimmen ihren Alltag. Ein paar Tage nach dem Release erreiche ich sie genau dort: Sie sitzt im Hotel, wir sprechen per Videocall, und die Internetverbindung macht uns leider den Einstieg nicht leicht. Zu Beginn braucht Nieve mehrere Anläufe, bis Bild und Ton einigermaßen stabil laufen. Dann klappt es, und wir können loslegen.

Hi, zuerst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem Debütalbum. Es ist erst seit ein paar Tagen draußen. Ist es schon bei dir angekommen, dass es endlich in der Welt ist?

Ich glaube schon… so richtig sicher bin ich mir nicht. Jeder Tag ist ein bisschen anders, weil wir gerade auf Tour sind. Mit jedem Konzert höre ich mehr Leute, die die Songs mitsingen, weil sie sie inzwischen wirklich kennen. Es sickert also langsam nach und nach durch, weißt du?

Ja, das kenne ich. Manchmal passiert etwas, das sich neu anfühlt, und gleichzeitig fragt man sich, ob es wirklich wahr ist.

Genau. Gib mir einen Moment. (lacht)

Es ist richtig cool, dass du die Songs schon auf Tour spielen kannst

Ja, wir haben sie fast ein ganzes Jahr lang angeteasert, deshalb kennen manche schon einige Songs, was cool ist. Es ist toll zu sehen, wie die Leute die Songs im Laufe der Tour lernen.

Welchen spielst du momentan am liebsten?

Ehrlich gesagt macht mir "Bite Back", die zweite Single des Albums, gerade am meisten Spaß. Wir spielen von allen Songs eine akustische Version, aber eben als Band. Ich liebe "Bite Back" und ich spiele auch "Romance Is a Desert" unglaublich gerne, weil viele Leute dazu tanzen und mitsingen. Das ist wirklich schön.

Es sind aber auch richtig gute Songs.

Aww, danke. Sie sind echt ziemlich cool (verlegen).

Du kannst da echt stolz auf dich sein.

Um ehrlich zu sein, bin ich es auch. Schon als wir das Album abgegeben haben, dachte ich: Ich bin sehr stolz auf das, was wir geschaffen haben. Das sage ich oft: Ich weiß, dass es großartige Songs sind und damit fühle ich mich sehr wohl. Wir haben unsere ganze Arbeit hineingesteckt. Warum sollten sie also nicht großartig sein? Weißt du was ich meine?

Ja, so sollte es auch sein. Man sollte stolz auf seine Arbeit sein und sich freuen, sie veröffentlichen zu können.

Absolut.

Du hast schon einige EPs veröffentlicht, aber das ist dein erstes Album in voller Länge. Hat sich die Arbeit daran anders angefühlt als bei einer EP, und gab es mehr Druck?

Beides. Es ist sehr anders, und es gibt viel mehr Druck. Genau deshalb ist es anders. Ich brauchte diesen Druck, um die Tracks zu schaffen, die wir am Ende hatten, denn ich bin der Typ, der einen Song schreibt und denkt: "Brilliant, der beste Song der Welt!" Bei jedem Song, den ich schreibe, denke ich das. Ich muss herausgefordert werden, und an manchen Stellen war es wirklich schwer. Ich habe sehr damit gekämpft, zu wissen, welcher Song an welche Stelle des Albums gehört.

Die EPs davor waren meist Sammlungen von Songs, die sich über die Zeit angesammelt hatten. Beim Album dagegen saßen wir etwa ein Jahr lang im selben Studio, mit demselben Produzenten und denselben Songwritern, und haben einfach weitergemacht. Das wird zu einer Art Familie, wie ein Zuhause, so lange, wie es eben dauert. Es ist also wirklich etwas ganz anderes.

Eher wie Fragmente, die sich zu einem Ganzen fügen.

Genau. Eine EP fühlt sich einfach ganz anders an.

Als du dich entschieden hast, das Debütalbum zu machen, hattest du da schon ein Thema oder einen Sound im Kopf? Mir ist aufgefallen, dass das Album deutlich härter und grungiger klingt, vor allem in der ersten Hälfte. Außerdem habe ich gelesen, dass es zuerst einen anderen Titel haben sollte, "Teeth and Tender". Hattest du diesen Sound von Anfang an im Kopf, oder hat er sich natürlich entwickelt?

Genau das, der Sound hat sich ganz natürlich entwickelt. Wir haben vor Jahren angefangen, dieses Album zu schreiben. Ohne dass uns jemand gesagt hatte, wir sollen ein Album machen. Damals klang es ganz anders: sehr nach Live-Band, mit einem Hauch von 70er-Rock 'n' Roll.

Dann haben wir im letzten Juni "Drive" geschrieben. Das war anders als alles, was wir bis dahin gemacht hatten, und wir haben uns alle in diesen Sound verliebt. Auch der Schreibprozess war anders, und wir haben den Song in einem winzigen Studio gemacht. Wir dachten: Das ist richtig cool, lasst uns noch einen schreiben, und dann entstand "Bite Back". Von da an sagten mir viele aus meinem Team: "Nieve, das ist ein weiterer Teil von dir, den du bisher nicht gezeigt hast. Wenn es dir Spaß macht, solltest du das weiter erkunden." Und es hat mir wirklich Spaß gemacht.

Ich hatte das Gefühl, dass es mich von dem abhebt, was die Leute von mir erwarten, und von dem, wie viele in der Branche gerade klingen, besonders in Großbritannien. Ich habe nicht an Themen oder Sounds gedacht; ich wollte mich einfach abheben. Man landet nämlich sehr leicht in einer Schublade, vor allem in Großbritannien, und ich will mich nicht in eine Schublade stecken lassen. Also haben wir einfach losgelegt und mehr von dem gemacht, was "Drive" und "Bite Back" waren.

Ab da habe ich verstanden, was ich sagen wollte. Ich hatte viel aufgestaute Frustration und Wut, über die ich vorher nie geschrieben hatte, und alles ist einfach aus mir herausgeflossen. Das war wunderschön, und ich bin froh, dass es so passiert ist.

Du hast gesagt, man wird vor allem in Großbritannien in Schubladen gesteckt. Ich kenne die britische Szene nicht so gut. Welche Schubladen meinst du genau?

Ich spreche vor allem von London und der Musikindustrie allgemein. So riesig sie ist, ist sie eigentlich ziemlich klein. Aus Großbritannien kommen unglaublich viele großartige Künstler:innen, aber in einer kleinen Branche neigt man schnell dazu, dem zu folgen, was gerade gut läuft, und aktuell läuft ein sehr ähnlicher Sound gut. Das ist cool, und ich habe nichts dagegen, aber es inspiriert mich nicht, andere zu kopieren. Mich inspiriert es, ich selbst zu sein.

Manchmal bin ich in Schubladen gerutscht, weil ich Dinge getan habe, um Leute aus der Industrie oder ein Label zu beeindrucken. Ich habe einen bestimmten Sound gemacht, weil ich wusste, dass er einem Label gefallen würde, oder weil mir gesagt wurde, ich solle mich von etwas Bestimmtem inspirieren lassen, und das hat sich nie authentisch angefühlt. Etwas zu machen, das ganz mir gehört, zusammen mit Jamie und Finn, mit denen ich das Album geschrieben und produziert habe, etwas, das ganz allein von uns ist, war unglaublich befreiend.

"Viele dieser Songs entstanden aus Erkenntnissen darüber, wie ich mich wirklich fühle, und ich konnte sie aufschreiben, rauslassen und loslassen."

Ich finde, das ist der Sinn von Musik: Das, was man macht und hört, sollte zeigen, wer man ist. Es ist richtig cool, dass du etwas Neues ausprobiert und dich dadurch gefunden hast.

Genau, und es war das Schönste überhaupt. Wenn man es laut sagt, "probier etwas Neues aus, dann findest du dich selbst", klingt es wie ein Klischee. Aber wenn man so in seinem Kopf feststeckt, jeden Tag dasselbe macht und so viele Leute zuschauen und etwas von einem erwarten, ist es wirklich schwer, sich selbst zu finden. Ich habe sehr viel von mir gefunden, von dem ich nicht wusste, dass es noch da war.

Es ist schwer und beängstigend. Wenn man nicht weiß, dass es in einem steckt, hat man keine Ahnung, wie man es finden soll.

Genau.

Ich mag diesen Sound sehr. Bei "Drive" spürt man förmlich die Freiheit, als würde man im Auto sitzen, die Fenster unten, die Haare fliegen im Wind…

Ja, genau! Darum geht es buchstäblich: Freiheit.

Ich finde das sehr cool, weil es der erste Song war, den du aufgenommen hast, und damit schließt sich irgendwie ein Kreis: Es begann mit der Freiheit, und mit dem Album hast du dich selbst gefunden. Das ist wirklich bewundernswert.

Das überwältigt mich richtig, weil du so recht hast. Es war der erste Song, der diese Freiheit ausgelöst hat, und danach durfte ich anderthalb Jahre lang frei sein. Wir hatten über 50 Songs, alle über mich, darüber, frei zu sein und über Dinge sprechen zu können, über die ich sonst nie sprechen würde.

Das ist so cool. Mir sind außerdem die vielen geschichteten Vocals und fast chorartigen Harmonien auf dem Album aufgefallen. Für mich vermitteln sie das Gefühl, mit seinen Problemen nicht allein zu sein. War das eine bewusste Entscheidung, oder steckte etwas anderes dahinter?

Zuerst einmal war es eine kreative Entscheidung. Wir haben mit "Drive" damit angefangen, auch wenn man sie dort im Mix nicht so stark hört. In meinem Kopf war das Bild vom Fahren wie bei einem Foto von fahrenden Autos, auf dem alles zu Lichtstreifen wird. So fühlte sich "Drive" für mich an: wie Lichtblitze. Das ist für mich irgendwie spirituell und engelsgleich, und solche Vocals gehören in diese Welt der ständigen Bewegung.

Ich rede ständig über das Universum und spirituelle Dinge, besonders im Studio. Dann sage ich: "Oh mein Gott, Leute, ich hatte diesen Traum, und dann ist es wirklich passiert. Ich glaube, ich bin verdammt noch mal hellsichtig oder so." Die Vocals hatten es einfach verdient, in dieser Welt zu leben.

Im Lauf des Albums wurden sie dann zu einem Rückhalt für uns. Und du hast so recht, weil der Text und die Bedeutung des Songs von Verletzlichkeit und Einsamkeit handeln. Die Vocals haben nicht nur mich, sondern auch Jamie, Finn und das, was wir darin zum Ausdruck gebracht haben, unterstützt. Sie fühlten sich an wie Schutzengel und für mich gehören sie in Kirchen. Aber auch allgemein gehören Engel für mich in diese Welt. Sie sind der Rückhalt für das, was ich sage. Außerdem klingt alles dadurch epischer und dramatischer, und ein bisschen Dramatik passt zu diesen Songs. Es war also von allem etwas. Sie fühlten sich einfach richtig an.

Jetzt ist es für mich selbstverständlich, das bei jedem künftigen Song zu machen. Ich habe so viel Liebe darin gefunden, diese Vocals aufzunehmen. Jamie, Finn und ich saßen um ein Mikro, Hunderte Male pro Song. Wir haben wahrscheinlich 120 Vocal-Takes aufgenommen, immer und immer wieder. Ich liebe das einfach. Es ist so ein guter Sound.

Ja, das ist er und ich freue mich auf weitere Songs von dir mit Harmonien. Du hast das Engelsgleiche erwähnt: Dieses Gefühl hatte ich beim ersten Hören von "Love:Hate". Das ist einer meiner Favoriten auf dem Album.

Vielen, vielen Dank.

Der Song hat mich sogar ein bisschen zum Weinen gebracht.

Ich kann ihn selbst gar nicht hören. Jedes Mal, wenn ich das Album höre, muss ich den Song überspringen. Er ist ziemlich traurig.

Ist er, aber als ich ihn im Auto gehört und mitgesungen habe, fühlte es sich auch an, als würde man sich etwas von der Seele singen. Deine Stimme ist in dem Song fantastisch, und er ist so intim, besonders im Vergleich zu manchen der lauteren Tracks. Wie ist der Song entstanden?

Danke! Das ist wahrscheinlich der direkteste Song. Er handelt nicht von mir; er ist an jemanden anderen gerichtet, der mir im Leben sehr viel bedeutet. Ich war einfach komplett ehrlich darüber, wie ich diese Beziehung empfinde. Ich habe den Song wahrscheinlich in etwa einer Stunde geschrieben, und es ist die Wahrheit: "Is it hard to love me? Is it hard to let me go? And I hate that I need you more than you’ll ever know." Das ist so verdammt wahr. Ich fühle mich genauso.

Manchmal hat man auch Schuldgefühle, weil man jemanden will, der einen vermutlich weniger braucht, als man ihn braucht. Es gibt viel Druck, unabhängig zu sein und sich selbst zu lieben, nach dem Motto: Du brauchst niemanden außer dir selbst. Aber manchmal will man, wenn man verliebt ist, einfach diese Person lieben. Natürlich liebe ich mich selbst, aber ich liebe auch sehr intensiv, und ich kann deswegen Schuldgefühle haben, weil ich die Person so sehr liebe und so gern in ihrer Nähe wäre. Jemanden zu lieben, der einen eigentlich nicht braucht, ist verdammt scheiße. Menschen lieben einfach unterschiedlich.

Es ist manchmal beängstigend zuzugeben, dass man jemanden braucht, weil es so viel Druck gibt, sich einfach nur selbst zu lieben und niemanden zu brauchen, keinen Mann, niemanden. Aber manchmal brauche ich die Person, die ich liebe, einfach. Ich bin ein bisschen ein Lovebug und liebe es, sehr intensiv zu lieben.

Das verstehe ich. Auch wenn man sich selbst liebt, kann man einen anderen Menschen intensiv lieben und ihn brauchen. Ich kann das nachvollziehen: Wenn ich verliebt bin, tue ich alles für die Person. Ich gebe ihr meine ganze Welt.

Genau das. Und die andere Hälfte des Songs ist: Ja, ich gebe dir meine ganze verdammte Welt, aber ich habe nicht das Gefühl, dass du das überhaupt willst. Ich würde alles für dich tun, und es fühlt sich an, als wären wir so weit voneinander entfernt und würden in dem Punkt nicht zusammenpassen. Das ist der beschissenste Teil des Songs.

Man spürt den Schmerz, und die Vocals sind stellenweise richtig roh. Man fühlt die Emotionen.

Ich bin ziemlich sicher, dass der Song größtenteils aus einem Take besteht, einem der ersten, die ich gemacht habe. Ich saß einfach auf einem Sofa und habe gesungen und alles hineingelegt, was ich hatte. Ich liebe ihn.

War es eher eine Befreiung, so nach dem Motto "jetzt ist alles von meinen Schultern", oder war es danach eher schmerzhaft?

Ich glaube ehrlich, dass viele dieser Songs Befreiungen sind. Wie gesagt, fast alles, worüber ich auf diesem Album spreche, würde ich sonst nie ansprechen, und es sind alles Befreiungen von Erkenntnissen darüber, wie ich mich fühle. Ich glaube, das liegt daran, dass ich währenddessen in Therapie war. Jede Woche habe ich eine Stunde Therapie am Morgen gehabt, und danach habe ich einen Song geschrieben.

Viele dieser Songs entstanden aus Erkenntnissen darüber, wie ich mich wirklich fühle, und ich konnte sie aufschreiben, rauslassen und loslassen. Das fühle ich jetzt wirklich. Es gibt so vieles, worüber ich auf diesem Album gesprochen habe, und dabei denke: Das sollte ich jetzt loslassen. Und ich kann das tatsächlich zugeben. Es geht mir dadurch viel besser. Es ist buchstäblich Therapie durchs Schreiben.

Für mich sind Songtexte auch eine Art Poesie. Und in Gedichten wird ja auch viel verarbeitet.

Genau, so sehe ich das auch.

"Als wir das Album geschrieben haben, habe ich mich wie meine Teenager-Version gefühlt."

Hat die Arbeit an diesem Album verändert, wie du mit Unsicherheit in deinem Leben umgehst?

Ich glaube, es hat sich verändert, wie ich mit dem Gefühl umgehe. Ich weiß, dass Schreiben und Musikmachen mein Safe Space sind und mir helfen, Dinge viel besser zu verstehen. Und ich sollte mich nicht davor scheuen, einen Song schreiben zu wollen. Das Leben kann so hektisch sein, besonders wenn man etwas promotet und ständig unterwegs ist. Deshalb hatte ich zuletzt wenig Zeit zum Schreiben. Aber ich weiß, dass das mein sicherer Hafen ist und ich dorthin zurückkehren kann, wenn ich dazu in der Lage bin.

Früher habe ich in meinem Zimmer gesessen, gegrübelt und alles für mich behalten, vielleicht einer oder zwei Freundinnen davon erzählt, aber kaum. Jetzt weiß ich, dass ich einen sicheren Raum habe mit Leuten wie Finn und Jamie, mit denen ich das Album gemacht habe. Sie werden immer verstehen, was ich durchmache, und mit mir zusammen darüber nachdenken, damit ich es besser verstehe. Das ist etwas ganz Besonderes. Nicht viele Menschen haben das, deshalb fühle ich mich sehr glücklich.

Das ist sehr besonders und schön. Wenn du in der Zeit zurückreisen und deiner jugendlichen Version dein Debütalbum vorspielen könntest, welcher Song würde sie am meisten begeistern?

Oh … ehrlich gesagt "Romance Is a Desert". Als wir ihn geschrieben haben, fühlte er sich an wie ein Song, den ich mit 16 gehört hätte. Er ist nicht gitarrenlastig, und als Teenager mochte ich Gitarrenmusik nicht besonders. Ich stand auf Rap, R&B, Soul und Pop, und "Romance Is a Desert" lebt in dieser Welt aus tanzbarem Pop und R&B. Ich liebe eingängige Songs, und ich finde, er ist ziemlich eingängig. Also ja: "Romance Is a Desert".

Das ist cool, du hast wirklich etwas gemacht, von dem deine jugendliche Version begeistert wäre.

Ja. Beim Schreiben hat er mich an einen Künstler namens Miguel erinnert. Kennst du ihn? Den musst du dir anhören. Er hat Songs wie "Pineapple Skies", und beim Schreiben dachte ich: "Oh mein Gott, ich bin gerade so in Miguel drin". Es ist ein bisschen eine Drake-Welt. Er hatte ja früher mal einen Song mit Drake. In diese Welt gehört der Song für mich.

Du hast dich also mit dem Album gefunden, aber ein Teil davon ist auch etwas, das deine jugendliche Version lieben würde. Du hast alles in einem.

Ja, als wir das Album geschrieben haben, habe ich mich wie meine Teenager-Version gefühlt. Ich habe sogar meine Haare geändert. In meinen vier, fünf Jahren als Künstlerin hatte ich blonde Haare, und alle kannten mich als das Mädchen mit den blonden Haaren. Jetzt habe ich sie in genau die Farbe gefärbt, die ich mit 16 hatte, mit denselben Wimpernverlängerungen und denselben Extensions, sogar von derselben Firma. Diese Songs fühlen sich an wie ich mit 15, 16 in der Schule und im College, als ich mich durch die Musik und das, was ich liebe, gefunden habe. Das spüre ich sehr stark.

Ja, ich versteh das sehr. Damals hat man versucht, sich selbst zu finden, man hat einen Teil von sich gefunden und unterwegs hat man sich vielleicht wieder ein Stück verloren. Jetzt kehrt man aber dorthin zurück, entdeckt aber auch Neues.

Genau so ist es, so wahr. Mit etwa 16 fängt man an, sich selbst zu finden: Man weiß genau, wie man sich anziehen will, man ist von der Schule runter, man weiß, was man will. Dann verliert man sich mit etwa 20 wieder und denkt: "Oh mein Gott, das fühlt sich nicht richtig an. Was zum Teufel mache ich hier?" Und dann findet man sich wieder. Lustig, ein seltsamer Kreislauf.

Ich habe eine letzte Frage. Dein Album heißt "How Long Will It Take?", deshalb möchte ich mit einer etwas anderen Frage enden: Was in deinem Leben soll deiner Hoffnung nach wirklich sehr lange dauern?

Die Frage gefällt mir, sie ist richtig toll. Das ist wahrscheinlich keine tolle Antwort, aber ich hoffe, dass meine Karriere sehr lange braucht, um dort anzukommen, wo sie hin soll, weil ich fürchte, dass alles zu schnell passiert und auch zu schnell wieder vorbei ist. Ich wünsche mir eine stetige, langsam wachsende Karriere. Ich fürchte nichts mehr, als dass alles auf einmal passiert. Ich glaube nicht, dass mein Nervensystem das aushalten würde, und ich denke wirklich, ich würde in der Psychiatrie landen. Ich könnte das einfach nicht. Ich nehme die Dinge lieber Tag für Tag, weil es mich überfordert, wenn alles zu schnell geht. Ich hoffe also wirklich auf einen langsamen Aufbau und darauf, dass ich auch in meinen Dreißigern noch rocke, weißt du?

Es gäbe eine riesige Veränderung, wenn es schnell passieren würde. Stell dir vor, wie sich das Leben von One Direction verändert hat.

Genau, ich habe buchstäblich an One Direction gedacht. Dieses Overnight-Success-Ding macht mir Angst. Wenn es passiert, dann passiert es, aber es macht mir Angst. Ich will einen schönen, langsamen Aufbau und ich glaube, das habe ich auch. Ich mache das jetzt seit viereinhalb Jahren, und es entwickelt sich langsam und stetig, und das fühlt sich so gut an. Es fühlt sich an, als hätte ich alles unter Kontrolle. Das ist es, was ich will.

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