6. Oktober 2026

"Das Hotel muss eine gute Sauna haben!"

Interview geführt von

Am 30. Oktober erscheint das neunte Queens Of The Stone Age-Album "Perfecth". Ein Album gewordener Zungenbrecher, der inhaltlich um Brüche, Fehler und (Im-)Perfektionen kreist.

Das morbide Catacombs-Projekt hat Spuren bei QOTSA hinterlassen. Ein fast fertiges Album noch einmal grundsätzlich infrage zu stellen, ist definitiv mutig.

Am Morgen ihres schockierend großen Gigs im Berliner Olympiastadion als Support von System Of A Down stehen uns Troy Van Leeuwen (Gitarre und Keyboards, seit 2002) und Michael Shuman (Bass, seit 2007) Rede und Antwort - und entpuppen sich nicht nur als Fans von Nick Cave und Iggy Pop, sondern auch von deutscher Saunakultur.

Moin! Na, schon viele Interviews gehabt heute?

Mikey: Hi! Nein, du bist tatsächlich der Erste.

Ach mega, dann kann ich ja direkt all die blöden Klischeefragen stellen.

Mikey: Bitte nicht, hahaha!

Nein, aber ich habe mich tatsächlich gefragt: Welche Frage wird euch ständig gestellt, die ihr nicht mehr hören könnt? Und welche würdet ihr eigentlich gerne mal gestellt bekommen?

Mikey: Genau die hier, DAS ist eine gute Frage.

Troy: Eine Frage, die einem ständig gestellt wird, ist: "Was können wir heute Abend erwarten?" Die fällt mir immer schwer, weil ich denke: "Keine Ahnung."

Mikey: Erwarte das Unerwartete.

Und welche Frage wird euch nie gestellt, die ihr aber gerne mal beantworten würdet?

Troy: Was mein Sternzeichen ist. Hey Mann, ich werde es dir nicht verraten.

Okay, dann versuche ich es mal mit der hier: Was ist eine Sache an Queens Of The Stone Age, die die Leute komplett falsch verstehen?

Mikey: Ich glaube, viele Leute verstehen nicht, welche Art von Musik wir eigentlich machen. Die meisten halten uns für eine Hard Rock- oder sogar Metal-Band. Zu diesem Urteil kommt man vielleicht, wenn man "Songs For The Deaf" hört. Aber wenn man sich den ganzen Katalog anhört und versucht zu verstehen, wer oder was wir sind, sieht das anders aus. Ich denke dabei immer an das erste Album. Der letzte Song darauf ist "I Was A Teenage Hand Model". Das ist ein ruhiger ...

Troy: ... von Klavier getragener ...

Mikey: ... Popsong, genau. Und auch auf allen Alben danach gibt es solche schönen ruhigen Songs oder ganz reduzierte Stücke. Ich glaube, das ist das große Missverständnis bei uns. Die Leute versuchen, uns in diese eine Schublade zu stecken, dabei waren wir eigentlich schon immer sehr eklektisch und bereit, alles Mögliche zu machen.

Okay, dann sprechen wir jetzt über das brandneue QOTSA-Hard-Rock-Heavy-Metal-Album: "Perfecth" beschäftigt sich ja mit Perfektion und Unvollkommenheit. Fangen wir also damit an: Was ist auf der Bühne zuletzt schiefgegangen? Oder was ist zuletzt auf Tour kaputtgegangen?

Troy: Oh, ich mache ständig Sachen kaputt. Ich habe schon ein paar Gitarren zerlegt. Wir haben neulich geprobt, und ich wollte mir die Maracas schnappen. Da ist ein Mikrofon dran befestigt, damit man sie richtig gut hört. Also habe ich sie genommen und ... das ist jetzt keine besonders aufregende Geschichte, aber die Gitarre stand direkt dahinter, fiel vom Ständer und die Kopfplatte brach ab.

Mikey: Echt?

Troy: Komplett ab. Diese blaue Gitarre, die ich benutzt habe.

Mikey: Oh, fuck, Alter.

Troy: Und das war bei der wirklich allerletzten Probe. Wir haben versucht, das Timing des Sets richtig hinzubekommen. Ich war so sauer.

Mikey: Ah, ich erinnere mich. Ja, das habe ich gesehen.

Troy: Und ich stehe da und schüttele die Maracas.

Was bei der Probe passiert, passiert bestenfalls nicht auf der Bühne.

Troy: Haha, ja. Aber ich habe tatsächlich schon ein paar Gitarren auf der Bühne kaputtgemacht. Nicht absichtlich, aber es passiert einfach.

Es scheint, du hast einfach Talent dafür.

Troy: Yes! Ich kann das. Ich kann das ziemlich gut.

Im Promotext wird das Konzept Kintsugi erwähnt. Die Idee dahinter ist ja, dass reparierte Bruchstellen bewusst sichtbar und damit Teil der Schönheit werden. Gab es bei der Arbeit an diesem Album einen Moment, in dem euch etwas zuerst kaputt oder falsch vorkam, sich dann aber als glücklicher Zufall herausstellte und schließlich auf dem Album geblieben ist?

Troy: Fast alles.

Mikey: Ich glaube, es gab einen Punkt, an dem wir gerade ein paar Streicherarrangements für unsere "Catacombs"-Tour gemacht haben. Wir hatten vielleicht die Hälfte oder sogar den Großteil des Albums fertig und dachten irgendwie: "Okay, wir haben es. Eigentlich sind wir fertig."

Dann sagte Josh: "Ist das richtig so? Ist das wirklich das Album, das wir machen wollten?" Und ich erinnere mich, dass ich dachte: Ja. Wir sind doch fast fertig. Warum sollte das nicht das richtige Album sein?"

Trotzdem hat mich diese Frage aus der Bahn geworfen. Damit war dann die Büchse der Pandora geöffnet. Vielleicht sollten wir doch noch einmal zurück ins Studio, mehr aufnehmen und schauen, ob wir das Ganze noch verändern müssen. Also haben wir noch einmal ein paar Wochen extra gebucht und noch ein paar Songs aufgenommen. Am Ende ist zwar nur noch ein einziger neuer Song entstanden, "Phantom Limb", aber ich glaube, der war das Teil, das alles wieder zusammengefügt hat. Plötzlich hatten wir das Gefühl: Das ist das richtige Album. Dieser Song hat alles irgendwie zusammengeklebt. Wenn man auf den Kintsugi-Gedanken zurückkommt: Das Album ist tatsächlich zerbrochen und wurde dann mithilfe dieses einen Songs wieder zusammengesetzt.

Gibt es etwas, bei dem ihr aufgehört habt, es perfekt machen zu wollen – nicht nur in der Musik, sondern im Leben?

Troy: Wenn es um Kunst geht, ist das ja gewissermaßen genau das, worüber wir sprechen. Perfektion ist etwas, nach dem man streben möchte. Aber meistens übernehmen am Ende die glücklichen Zufälle, zumindest bei mir. Im normalen Leben dagegen gibt es für Fehler manchmal sehr, sehr wenig Spielraum. Gerade wenn man Familie hat. Man will ein Haus und solche Dinge. Da kann man nicht einfach alles verkacken. Das muss richtig gemacht werden.

Ich glaube, es geht um die Balance. Man muss wissen, wann man sich gehen lassen und sich erlauben kann, Fehler zu machen. Misserfolge sind letztlich das, wodurch man lernt und irgendwann an einen Punkt kommt, an dem man die Dinge, na ja, "richtig" macht. Aber man hört nie auf zu lernen.

"Es ist brutal für den Körper"

Beim Hören von "Perfecth" wird schnell klar, dass die ruhigeren, zurückhaltenderen Momente eine größere Rolle zu spielen scheinen als früher. Wir haben gerade schon das Catacombs-Projekt erwähnt. Inwiefern hat es eure Herangehensweise an das neue Album verändert?

Troy: Für mich war die Zeit in den Katakomben eine verdammt düstere Erfahrung. Josh hatte gesundheitliche Probleme. Wir kamen gerade von einer Tour, bei der wir aufgrund seiner Erkrankung einige Shows absagen mussten. Und dann saßen wir in diesem dunklen Loch.

Und wir sagten uns: Wenn wir das hier jetzt filmen, müssen wir daraus irgendwie die bestmögliche Erfahrung machen. Eine seltsame Balance zwischen enormem Druck und Loslassen. Am Ende dieser Erfahrung hatte ich tatsächlich das Gefühl, dass die Katakomben selbst gewissermaßen das sechste Bandmitglied waren, das die ganze Zeit über bei uns war.

Und das war dann auch wieder bei "Perfecth" mit im Studio?

Troy: Die Erfahrung bleibt auf jeden Fall. Deshalb gibt es auf diesem Album sehr viel Raum. Es geht darum, den Raum selbst hineinzulassen, also im Grunde den Geist des Songs zu einem eigenen Bandmitglied werden zu lassen.

Habt ihr auch schon Jahre später noch mal über einen Song nachgedacht und plötzlich verstanden, was ihm die ganze Zeit gefehlt hat?

Mikey: Ja, bei einigen.

Troy: Das beste Beispiel ist für mich "Run Away From The Mob". Der Song wurde schon während der Sessions für "Like Clockwork" mit Dave Grohl aufgenommen. Es lag viele Jahre unfertig herum, die Instrumente hatten wir damals schon aufgenommen, es gab auch eine Art provisorischen Gesang. Und irgendwann ist der Song einfach wieder aufgetaucht. Wir waren dabei, als Josh ihn eingesungen hat und irgendwie fiel plötzlich alles vom Himmel.

Mikey: Auf diesem Album gab es viele Momente, in denen die Dinge einfach an ihren Platz gefallen sind, besonders bei den Texten. Ich erinnere mich zum Beispiel daran, wie wir "From The Cliff" zusammengesetzt haben. Die Musik stand ziemlich schnell, dann fahre ich nach Hause, und Josh ruft an: "Ich habe den Text." What? Die Strecke zu mir dauert vielleicht 40 Minuten, ich habe ihn noch nie so schnell einen Text schreiben sehen.

Dieses Mal haben sich viele Dinge sehr leicht zusammengefügt. Wahrscheinlich kam das von den Katakomben und davon, dass wir uns einfach geöffnet haben. Dass wir die Angst verloren und akzeptiert haben, was gerade mit unserer Band passiert. Alles fällt an seinen Platz und entwickelt sich in die richtige Richtung, während zuvor vieles wirklich verdammt beängstigend und brutal war.

Troy: Ja. Die Unsicherheit war immer ein Teil davon.

Wenn wir schon über ältere, bereits aufgenommene Musik sprechen: Welches Queens-Album hat sich für euch persönlich über die Jahre am stärksten verändert? Hat sich vielleicht sogar euer Lieblingsalbum im Laufe der Zeit geändert?

Troy: Ich nehme da immer diese beiden direkt hintereinander: "Era Vulgaris" und dann "Like Clockwork". Dieser Übergang ist für mich entscheidend, weil "Era Vulgaris" ein sehr kunstvolles, verrücktes und unkonventionelles Album ist. Alles daran. "Like Clockwork" war dann völlig anders. "Era Vulgaris" hat ein Kapitel abgeschlossen.

Aber das wusstet ihr damals noch nicht.

Troy: Nein, als wir "Like Clockwork" aufgenommen hatten, hatten wir keine Ahnung, was die Leute davon halten würden.

Mikey: Voll.

Troy: Zum ersten Mal haben wir tatsächlich zwei Balladen auf ein Album gepackt. Das war eine Art Anfang und eine Abkehr von den stark verzerrten Gitarren. Wir haben sozusagen die Maske heruntergezogen.

Wenn ich Queens Of The Stone Age heimlich einen kompletten Tourtag lang begleiten würde, vom Aufstehen bis zu dem Moment, an dem ihr auf die Bühne geht, was würde mich am meisten überraschen?

Mikey: Jetzt heute?

Zum Beispiel.

Mikey: Ich glaube, wir haben uns alle ziemlich verändert. Alle haben Familien, deshalb sieht der normale Tagesablauf heute ein bisschen anders aus als früher. Nicht, dass wir jetzt ein völlig langweiliges Leben führen würden, aber vielleicht würde es dich überraschen, dass einige von uns inzwischen aufs Spa-Leben stehen. Früher ging es eher darum, sich von ...

Troy: ... der vergangenen Nacht zu erholen.

Mikey: Genau, haha. Heute ist es eher eine Routine.

Troy: Ja, komplett. Das Hotel muss eine gute Sauna haben!

Mikey: Wir kommen langsam in diesem europäischen Lebensstil an, weißt du? Ihr wusstet eben schon immer, wie das geht. Wobei ich mit diesem ganzen Handtuch- und Keine-Badehose-Ding bei euch noch fremdle. Aber ich weiß eure Routine inzwischen zu schätzen.

Troy: Ja. Ihr habt es raus.

Ich weiß noch, als ich das erste Mal in Irland in einer Sauna war und fast nackt reingegangen bin. Den Blicken der anderen nach zu urteilen wäre das keine besonders gute Idee gewesen. Das ist wohl doch eine ziemlich deutsche Sache.

Mikey: Very german, ha!

Aber alle, mit denen ich dort darüber gesprochen habe, sagen: "Am Anfang ist es verrückt, aber wenn man einmal drin ist, denkt man: Ja, eigentlich ist es nackt genau richtig."

Mikey: Stimmt, absolut.

Was ist eine Sache, von der ihr immer dachtet, dass sie nach 20 Jahren Touren irgendwann einfacher werden würde, die es aber nie geworden ist?

Beide: Das Reisen.

Troy: Auf die Gefahr hin, jetzt ein bisschen verwöhnt zu klingen ...

Mikey (lacht): Oh-oh.

Troy: Gestern zum Beispiel war ein ziemlich langer Reisetag, obwohl wir nur aus Mailand kamen. Der Flug hat ewig gedauert. Dann mussten sie erst noch einen Piloten finden. Dann hieß es plötzlich: "Ihr könnt all diese Taschen nicht mitnehmen." Und ich dachte nur: Moment mal, hier läuft doch alles in die falsche Richtung. Die Fluggesellschaft sollte es uns eigentlich leichter machen. Es frustriert mich einfach unglaublich, wenn Leute ihren Job nicht machen. Ich mache meinen Job schließlich auch.

Mikey: Es zermürbt einen. Du legst so gewaltige Strecken zurück, sitzt in so vielen Flugzeugen, Zügen und Autos, nur um irgendwo anzukommen und ein einstündiges Set zu spielen. Das ist brutal für den Körper. Und daran ändert sich nichts.

"Es ist für mich völlig bizarr, wie groß diese Tour ist"

Gehen wir noch einmal zurück zum Album. "Sunday" hatte ja schon eine ziemlich lange Geschichte, bevor der Song Teil von "Perfecth" wurde. Wie einschüchternd war es, sich eines Songs aus der "Post Pop Depression"-Ära anzunehmen? Troy, du warst 2016 ja Teil der Live-Besetzung des Projekts. Wie habt ihr dafür gesorgt, dass daraus wirklich ein Queens-Song wird und nicht bloß eine neue Version des Originals?

Mikey: Wir haben viel darüber gesprochen. Es war schon beängstigend zu sagen: Okay, wir packen eine "Coverversion" auf unser Album. Da fragt man sich natürlich: Ist das wirklich die richtige Entscheidung?

Troy: Andererseits haben wir früher ständig solche Sachen gemacht. "Make It Wit Chu" war ursprünglich ein Desert Sessions-Song. "In My Head" ebenfalls. Normalerweise kamen diese Sachen aus den Desert-Sessions, und auf jedem Album landete eine solche Version.

Bei "Like Clockwork" haben wir damit aufgehört.

Mikey: Stimmt.

Troy: Und für dieses Album wollten wir es wieder aufgreifen. Es gibt auch einen Desert-Sessions-Song, den wir aufgenommen haben, über den ich aber noch nicht sprechen möchte. Aber dann haben wir eben "Sunday" gemacht. Die Frage war also: Wie packen wir den an? Wir sind dem ursprünglichen Song letztlich sehr, sehr treu geblieben.

Mikey: Es ist einer meiner absoluten Lieblingssongs auf diesem Album. Ich war ja selbst Fan. Zum Thema Einschüchterung: Diese Basslinie ist einfach verdammt gut. Ich weiß, dass Josh angefangen hat, den Song zu schreiben, und Dean hat den Bass auf dem Album gespielt und dieses Ding einfach komplett zerstört, im besten Sinne. Und verdammt, ich musste dem gerecht werden und das richtig spielen.

Gleichzeitig fragt man sich: Muss daran überhaupt etwas verändert werden? Eigentlich nicht, weil es schon so gut ist. Für mich bestand die Herausforderung in der Frage: Wie stellt man diesen Sound wieder her, ohne ihn einfach nur nachzubauen? Wie macht man ihn zu seinem eigenen? Ich glaube, das Einzige, worüber wir am Ende wirklich intensiv nachgedacht und was wir verändert haben, war Joshs Gesang. Er hatte den Song einmal eingesungen und meinte dann: "Iggy kann ich nicht schlagen. Also wie mache ich es zu meinem eigenen Ding?" Er musste die Figur und die Stimme finden, damit daraus ein Queens-Song wird.

Apropos: Was ist das Iggy-mäßigste, das Iggy jemals zu euch gesagt hat?

(beide lachen)

Troy: Da gibt es wahrscheinlich einiges. Wenn man mit ihm zusammen ist, ist eigentlich alles, was er sagt, Iggy. Was das Iggy-mäßigste war ... puh, gute Frage, da muss ich wirklich nachdenken.

Mikey: Ich glaube, ich habe nicht genug Zeit mit ihm persönlich verbracht, um so einen Moment zu haben.

Troy: Gott, ich weiß es wirklich nicht. Als ich ihn zum ersten Mal getroffen habe, haben wir uns hingesetzt und uns ein bisschen kennengelernt. Er fragte mich nach meinem Nachnamen und sagte: "Oh, der ist niederländisch." Und ich meinte: "Ja, genau." Dann sagte er: "Wie ist es, als niederländisches Kind in Südkalifornien aufzuwachsen?" Und ich sagte: "Na ja, niemand weiß, wie man deinen Namen ausspricht." Und dann sagte er: "Van Leeuwen". Und ich dachte: Genau so spricht man ihn aus.

Mikey: Wow, er wusste es.

Troy: Ich meinte dann, dass unsere Familie schon seit ein paar Generationen in Südkalifornien lebt. Meine Eltern waren selbst nie wieder in den Niederlanden. Trotzdem haben sie immer vom niederländischen Lebensstil geschwärmt. Und ich dachte mir immer: "Ihr wisst doch eigentlich gar nicht, was das ist." Es gab bei uns zuhause aber immer diesen Spruch: "If you ain't Dutch, you ain't much."

Und dann bekam Iggy irgendwann irgendeine Auszeichnung in den Niederlanden. Ich weiß nicht mehr genau, wofür. Er hat dazu eine Videobotschaft aufgenommen und gesagt: "Vielen Dank, dass ihr mir diese Auszeichnung verleiht." Und dann (in Iggy-Stimme): "Wie mein Freund Troy Van Leeuwen sagt: 'If you ain't Dutch, you ain't much.'"

Mikey: Hahahaha, hey, da haben wir's.

Dann hätte ich ja besser Iggy gefragt, was das Troy-mäßigste ist, das er je gesagt hat, haha.

Troy: Es war einfach die Art, wie er diesen Satz gesagt hat. Mit dieser Entschlossenheit. Ich dachte nur: "Das ist Iggy Pop, der das gerade sagt."

Was vermisst ihr daran, in einer vergleichsweise unbekannten Band zu sein?

Troy: Das hat natürlich Vor- und Nachteile. Aber ich mag, wo wir heute stehen. Es ist schon seltsam, weil wir gerade mit System Of A Down in diesen riesigen Venues spielen. Und es ist für mich völlig bizarr, wie groß das alles ist. Wir gehen jeden Abend raus und da stehen 70.000 Menschen. Das ist verrückt.

Ich weiß nicht, ob mein Kopf da überhaupt schon ganz angekommen ist. Ich mag es eine Stufe kleiner, die Arenen. Ich mag es dunkel. Ich mag unsere Lichtshow. Ich mag die Kontrolle, die wir dort haben. Und ich mag auch dieses Gefühl, dass vielleicht nicht jeder ein Ticket bekommen hat. Dieses Gefühl von: Es ist ausverkauft und draußen gibt es noch weitere Leute, die gerne reinwollen.

Also ja, ich mag, wo wir stehen. Was ich an einer neuen Band vielleicht vermisse, sind die fehlenden Erwartungen. Wenn du eine neue Band bist, hat niemand eine Vorstellung davon, was du tun solltest.

Wir sprechen oft darüber, wie wichtig das erste Album einer Band ist. Denn das erste Album definiert dich tatsächlich. Und danach haben die Leute Erwartungen daran, wie du klingen solltest, was du machen und wie du aussehen solltest. Deshalb gibt es eine enorme Freiheit darin, eine neue Band zu sein. Man darf erst einmal herausfinden, wer man ist, eine eigene Identität entwickeln, auf welche Weise auch immer. Darauf bin ich ein bisschen neidisch.

Und man wird nicht vom ersten Tag an als Hard-Rock-Heavy-Metal-Band abgestempelt.

Mikey: Ja, exakt.

Letzte Frage: Bei welcher Musikerin oder welchem Musiker fühlt ihr euch selbst heute noch wie Fans?

Mikey: Iggy.

Troy (lacht): Iggy auf jeden Fall.

Okay, der zählt jetzt nicht.

Troy: Ich schätze Nick Cave And The Bad Seeds immer noch sehr. Vor allem live. Ich habe ihn über die Jahrzehnte mehrfach gesehen, und er macht immer noch dieses eine Ding. Eigentlich ist es heute sogar noch stärker: Seine Shows fühlen sich für mich wie ein Revival an, bei dem er der Prediger ist. Er predigt sein ganz eigenes Evangelium. Und es ist unglaublich inspirierend zu sehen, wie er immer noch weiter wächst und sein Publikum immer größer wird. Die ganze Band ist so produktiv.

Mikey: Für mich ist es Depeche Mode.

Troy: Klar.

Mikey: Ich kaufe mir immer Tickets für ihre Konzerte. Auf der letzten Tour war ich bei mehreren Shows und stand da immer noch völlig fasziniert, habe verdammt noch mal getanzt und mitgesungen. Und ich dachte die ganze Zeit: Mann, diese Typen sind in ihren Sechzigern, vielleicht Siebzigern. Ich weiß es nicht einmal genau. Aber ich denke immer noch: "Holy shit, die sind so cool."

Troy: Die haben es immer noch drauf.

Mikey: Ja. Sie sind immer noch so cool. Und sie sehen immer noch so cool aus. Ich wünschte, ich könnte so sein wie sie, wenn ich älter bin.

Troy: Auf jeden Fall.

Ich drücke euch die Daumen. Vielen Dank euch beiden.

Mikey: It's been a pleasure!

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