14. Januar 2026

"Die Begeisterung ist noch da, auch ohne Drogen"

Interview geführt von

Rund 15 Jahre, nachdem die Öffentlichkeit erstmals von ihnen Notiz nahm, erscheint das achte Studioalbum der Sleaford Mods. Wir treffen einen äußerst aufgeräumten und gut gelaunten Jason Williamson.

"The Demise Of Planet X" heißt das neue Sleaford Mods-Album, das am Freitag auf Rough Trade erscheint. Mit dabei sind wieder einige Überraschungsgäste, darunter die britische Schauspielerin Gwendoline Christie und Aldous Harding. Robbie Williams zwar nicht, dennoch bringe ich den 51-jährigen Sänger immer wieder in die Unterhaltung mit ein.

Hallo Jason, schön dich wieder mal live zu treffen. Das letzte Mal haben wir uns vor vier Jahren online gesehen.

Jason: Persönlich ist es noch länger her. 2019?

Stimmt. Das war hier nebenan, als "Eton Alive" rauskam. Das neue Album "The Demise Of Planet X" passt mal wieder hervorragend in diese verrückten Zeiten. Nicht nur was die Politik in Großbritannien angeht. Putins Angriffskrieg auf die Ukraine, Trumps erneute Präsidentschaft, der Nahostkonflikt - wo ist James Bond, wenn man ihn braucht? Magst du eigentlich die Bond-Filme?

Mein Lieblings-Bond ist Daniel Craig. Er ist eigentlich ein nerviger Schauspieler, aber als Bond war er gut.

Ich kann mich gerade gar nicht an den letzten Film erinnern.

Ich glaube, das ist noch nicht so lange her. Vor drei Jahren vielleicht. Der war gut. (Der letzte Bond-Film mit Daniel Craig hieß "No Time To Die (Keine Zeit zu sterben)" und erschien 2021, Anm. d. Red.)

Und ein neuer 007-Darsteller steht noch nicht fest.

Es wird spekuliert, wer es sein könnte.

Du bist ja auch immer mal wieder schauspielerisch aktiv, aktuell im Thriller "Game", der in den 1990ern spielt. Du hattest sogar eine Gastrolle in "Peaky Blinders". Wäre 007 nicht etwas für dich?

Ja, wer weiß, stell dir das mal vor, ich als Bond mit all diesen Tattoos (zeigt auf seine Arme).

In eurem aktuellen Song "The Good Life" ist die britische Schauspielerin Gwendoline Christie zu Gast. Man kennt sie aus "Game Of Thrones" und "Wednesday". Wie kam es denn zu dieser Begegnung?

Sie folgte uns bei Instagram, dann sind wir ihr auch gefolgt und so ergab sich das. Ich erzählte ihr von dem Video und schrieb einen Text für sie. Auf "The Good Life" haben Andrew und ich sehr viel Zeit verwendet, bestimmt zwei Jahre. Die Strophen haben einfach nie richtig gepasst und es ging sehr langsam voran. Für den Chorus brauchten wir dann Big Special, weil ich das nicht so singen kann. Ich hatte seine Stimme dafür schon im Kopf. Dennoch fehlte dem Song immer noch was, bis dann Gwendoline kam. Ohne sie wäre der Song gar nicht erschienen.

Sie ist fantastisch, genau wie Big Special. Auch ein Duo aus England, das ich vorher nicht auf dem Schirm hatte. Aber man muss auch Andrew mal wieder für seine Beats und Melodien loben. Es gibt ja Leute da draußen, die behaupten, eure Musik höre sich immer gleich an.

(Jason verzieht das Gesicht und macht eine abweisende Handbewegung.)

Deine Texte beziehen sich heute nicht mehr nur auf die allgemeinen Probleme in der Gesellschaft. Kann man sagen, dass "The Demise Of Planet X" ein persönlicheres Album ist?

Es ist sicher introspektiver ausgefallen. Ich bin mit der Politik und der Kritik an Bands verheiratet und habe das mit mir selbst in Verbindung gebracht. Es war schon immer Selbstkritik auf unseren Alben dabei, diesmal geht es vielleicht mehr um die Analyse. Das kritische Auseinandersetzen mit sich selbst, warum man bestimmte Dinge tut. Man erinnert sich an Ereignisse aus der Kindheit, wie im Song "Gina Was". In der Schule haben mich damals ein paar Mädchen auf den Boden gedrückt und mir die Hose runtergezogen, um mal zu schauen, wie groß mein Penis ist.

Wie haben sie dich noch mal genannt?

The Maggot Man (Der Madenmann, Anm. d. Red.). Das habe ich auch in anderen Songs schon thematisiert und den Ausdruck als Tattoo.

Das ist schon heftig. Auch Mädchen können böse sein.

Ja, aber es hat mich nicht traumatisiert. In "Mork N Mindy" ging es auch schon um die Reflexion von Kindheitserinnerungen aus den 1980ern. Das beweist den fortlaufenden Prozess und die Inspiration für Songtexte.

Der Song "Don Draper" ist auch mit einer Kindheitserinnerung verbunden. Du bist offenbar ein Fan der Serie "Mad Men", deren Protagonist diesen Namen trägt.

"Mad Men" erinnert mich an meine Kindheit. Es wird die ganze Zeit geraucht und getrunken. Wie damals bei meinen Großvätern oder bei meinem Vater.

"Diese Leute sollen sich verpissen"

Musik machen und Songs schreiben ist demnach immer auch eine Art Therapie?

Es ist immer eine Selbsttherapie, aber diesmal noch mehr. Ich habe mich jetzt zwei Jahre sehr auf meine Therapie konzentriert. Davor war ich schon mal in Behandlung und dachte irgendwann, das würde reichen. Aber ich habe mich nochmal überwunden und es ist eine Offenbarung.

Es ist wichtig darüber zu sprechen. Hast du einen der aktuellen Biopics im Kino gesehen, über Bob Dylan, Bruce Springsteen oder Robbie Williams? Ich bevorzuge natürlich die Robbie-Biografie.

Ist die gut?

Ja, wobei ich aus der Fan-Perspektive spreche. Der Film geht ewig und man findet es zunächst etwas seltsam, warum Robbie als Affe dargestellt wird.

Ja, genau. Das war auch mein Eindruck.

Worauf ich hinaus will: In diesen Biopics geht es oft um negative Kindheitserinnerungen, etwa Mobbing auf dem Schulhof. Immer öfter sprechen Pop- und Rockstars über ihre mentale Gesundheit, ihren Erfolg, aber auch den Absturz durch Drogen- und Alkoholkonsum. Bei dir und Andrew scheint das umgekehrt zu sein. Ihr werdet immer fitter und seid mental auch auf einem guten Weg. Und ihr spielt mittlerweile auch in großen Hallen und bekommt mehr Aufmerksamkeit.

Leute wie Robbie Williams sind in jungen Jahren erfolgreich geworden und in dieser Periode kamen die Probleme auf. Er war lange in Behandlung und ist mittlerweile länger trocken als ich. Bestimmt schon 15 oder 20 Jahre. Ich habe Mitleid mit ihm. Was mich betrifft: Das ist jetzt mein Job und ich war schon immer mit Leidenschaft dabei, aber auch ohne Drogen ist diese Begeisterung noch da. Mit Drogen und Alkohol könnte es auch noch interessant sein, aber dann wäre ich gestorben und das wollte ich nicht. Dann hätte ich meine Familie verloren. Deshalb musste ich damit aufhören. Ich bin dankbar dafür, dass Sleaford Mods für mich als Band immer noch interessant ist.

In eurer Doku "Bunch Of Kunst" gibt es diese Szene, wo ihr backstage seid, kurz vor eurem ersten Auftritt beim Glastonbury Festival. Wie lange ist das jetzt her?

2015, zehn Jahre schon.

Man konnte sehen, wie aufgeregt ihr wart. Heute spielt ihr vor viel mehr Leuten als damals. Was macht ihr vor einem Konzert?

Ein Ritual gibt es nicht. Ich meditiere am Morgen. Du musst dich einfach fit halten und dich nicht von der Angst beirren lassen, wenn du auf die Bühne gehst. Ich gehe ins Fitnessstudio und versuche mein Hirn so fit wie möglich zu halten, damit ich den Text nicht vergesse. Noch brauche ich keine Zettel oder Karten, wo ich draufschauen muss.

Wie kann man diese langen Songtexte auswendig behalten? Viele Künstler in deinem Alter, auch deutsche Bands, nutzen einen Teleprompter. Muss man da wie Schauspieler eine Technik anwenden?

Ich bereite mich schon Monate vor einer Tournee vor. Eine halbe Stunde lerne ich täglich die Texte. Fünf Tage pro Woche. Ich gehe dabei immer bis zu vier Songs pro Tag durch. Und wiederhole sie bis zu dreimal. Immer wieder. Und am nächsten Tag, die nächsten Songs. Nach einem Monat beginnt der Text sich in dein Hirn zu fressen. Bang, Bang. Du guckst immer weniger in dein Telefon oder auf das Stück Papier. So lange du das so weiter machst, bleibt dein Gedächtnis frisch. Du kannst es nie verhindern, live mal einige Wörter zu vergessen. Es passiert auch immer noch. Die Leute lieben das im Gegensatz zu mir, aber Fuck off, es passiert eben.

In Deutschland dürfte es keinem auffallen, wenn du ein paar Wörter vergisst. Hier kannst du immer improvisieren.

Haha, das stimmt. Es ist wie beim Theater oder Film. Ein Schauspieler bekommt das Drehbuch und muss regelmäßig proben. Am Tag vor dem Konzert gehe ich noch mal das halbe Set durch. Am nächsten Tag die andere Hälfte und dann geht es auch schon auf die Bühne. Das Wichtigste bei all dem ist, weniger Angst zu haben. Wenn du denkst, du vermasselst es, dann wirst du das auch tun.

Ich schreibe mir meine Fragen vor Interviews alle auf, schaue dann aber oft gar nicht auf den Zettel. Andrew muss sich auf der Bühne ja nicht so viel merken. Er drückt nach wie vor einen Knopf, tanzt allerdings in letzter Zeit sehr viel und wirkt auch fit.

Andrew isst maximal 1000 Kalorien am Tag. Für ihn ist es aber auch hart und er wird nervös, wenn ich einen Fehler mache, dann muss er sofort reagieren. Er hört sehr genau zu. Und ja, er hat sehr viel getanzt, aber das hat er jetzt auch wieder eingeschränkt.

Ich möchte jetzt auf die politische Situation zurückkommen. Die ganze Welt dreht ja durch und immer mehr betrifft es auch die Kultur- und Musikszene, Stichwort Nahostkonflikt. Künstler werden unter Druck gesetzt, sich zu äußern. Thom Yorke von Radiohead wurde während eines Konzerts von einem Fan aufgefordert, den Krieg in Gaza zu verurteilen. Der BDS boykottiert die Konzerte seiner Band in Europa. Ihr habt etwas ähnliches vor zwei Jahren in Madrid erlebt, als ein Fan mit Palästinenser-Schal vor der Bühne von euch verlangte, Stellung zum Konflikt zu nehmen. Letztendlich wird nur eine Meinung erlaubt und der Hass in den Sozialen Medien, aber auch auf der Straße wird immer größer. Wo soll das hinführen? Wird das irgendwann ein Ende haben?

Da gibt es kein Ende. Das wird so weitergehen. Die Sichtweisen ändern sich, Argumentationen werden ersetzt. Die Meinungen der Menschen ändern sich. Sie wenden sich etwas anderem zu. Momentan herrscht eine sehr klaustrophobische, intensive Atmosphäre, auch zwischen den Bands.

Dieser Druck sich zur politischen Lage zu äußern, findet nicht nur auf Social Media statt, sondern immer mehr auch im öffentlichen Raum. Um noch mal auf Thom Yorke zurückzukommen: Er wurde nach seinem Statement auf Instagram sogar auf der Straße damit konfrontiert.

Unmöglich. Diese Leute sollen sich verpissen. Radiohead sind nicht das Problem, you know. Sie sind keine gemeinen Menschen und eindeutig keine Anhänger von Netanjahu. Das sind sie einfach nicht.

Viele sprechen von einem Trend. Es ist chic, "Free Palestine" zu rufen. Es ist cool, wenn Greta Thunberg mit einem Fontaines D.C.-T-Shirt auf einem Schiff Richtung Gaza fährt. Manchmal entsteht der Eindruck, es geht gar nicht primär um den Krieg und dass viele unschuldige Menschen auf beiden Seiten sterben.

Wenn die Leute daran interessiert sind, dann bekommen sie schon mit, was wir seit dem 7. Oktober 2023 tun. Da müssen sie nur mal bei Social Media schauen, wo wir versuchen, Geld für Kriegsopfer zu sammeln, vor allem für Kinder, die in Kriegsgebieten leben, überall auf der Welt.

Die Einnahmen für eure Single "Megaton" gehen auch an die Initiative "War Child", richtig?

Ja, genau. Wir glauben, das ist der richtige Weg.

Werdet ihr immer noch in den sozialen Netzwerken damit konfrontiert?

Die ganze Zeit. Im Moment nicht mehr so viel, es lässt etwas nach, weil es nicht mehr im Fokus der Nachrichten steht. Aber wenn es nicht der Krieg in Gaza ist, dann war es Corona und die Impfungen. Es ist weniger ein kulturelles Thema, Gaza, Sudan, es ist Krieg, das ist ein ernsthaftes Problem.

Ich weiß nicht, wie es in England ist, aber hier werden jüdische Studenten daran gehindert, an die Uni zu gehen und es gibt immer mehr Anschläge auf Synagogen und jüdische Einrichtungen. Die Gewalt und der Antisemitismus breiten sich zunehmend aus. Die aggressive Stimmung ist gerade auch hier in Berlin zu spüren.

Ich denke, dass die extreme Linke genauso schlimm wird wie die extreme Rechte. Irgendwann ist es wie bei einem Anfall: Die Leute denken nicht mehr nach, sondern reagieren nur noch. Das haben wir alle schon gemacht. Ich finde beide Seiten gleichermaßen problematisch. Ich kann mir nicht vorstellen, wie es jemals Fortschritte geben soll, wenn die Leute sich nur gegenseitig anschreien und sich hassen. Versteh mich nicht falsch, aber je älter ich werde, desto mehr finde ich es widersinnig, immer wieder denselben Mist zu erzählen.

Hattest du nach Boris Johnson die Hoffnung, dass es besser wird?

Die konservative Partei hat die wirtschaftliche Lage in England in einem katastrophalen Zustand zurückgelassen. Jede Regierung, die in solch einer Lage übernehmen muss wie vor zwei Jahren hat daran schwer zu tragen. Das sieht man jetzt an Labour. Natürlich bevorzuge ich eine Labour-Regierung, ich habe Labour gewählt und ich werde wahrscheinlich wieder Labour wählen, aber es verursacht eine Menge Probleme in Großbritannien.

Das Problem haben wir in Deutschland auch. Der rechte Rand wächst, den Leuten geht es schlechter und sie vertrauen der aktuellen Regierung nicht mehr. Alles wird teurer und dann ist da auch noch der Klimawandel. Das sind Themen, die uns alle betreffen, aber vor allem auch die nächste Generation. Du hast Kinder und willst, dass sie ein gutes Leben haben.

Ich habe Kinder und frage mich wie ihre Zukunft aussieht. Hätten wir unter den gegenwärtigen Umständen Kinder bekommen sollen? Ich denke ja, denn es muss irgendwohin führen. Ich möchte nicht, dass sie Erfahrungen machen, die sie traumatisieren. Aber das Leben ist nun mal so. Meine Tochter ist jetzt 14 Jahre alt und mein Sohn 10. Ich kann nur hoffen, dass wir sie als Eltern sicher und geborgen großziehen. Dass sie glücklich werden. Sie haben nicht so viele Traumata wie viele andere. Deshalb müssen wir uns keine Sorgen machen.

"Es überrascht mich, wie weit wir gekommen sind"

Zurück zur Musik: Vor zwei Jahren habt ihr im Londoner Wembley Stadion Blur supportet. Wie kam es dazu?

Eigentlich war Slowthai als Support eingeplant, aber er ist abgesprungen. Unsere Managerin hat das mitbekommen und dann bei Blur nachgefragt. Dann hatten wir den Gig.

Deine Frau Claire hat 2019 euer Management von Steve Underwood übernommen, der euch zuvor jahrelang begleitet hat.

Es ging so nicht mehr weiter für uns. Es fühlte sich nicht mehr richtig an.

Claire macht einen guten Job.

Ja, sie hat alles komplett ungewandelt. Sie ist sich oft gar nicht darüber bewusst, was sie schon alles geleistet hat, und sie ist in allen Bereichen unterwegs. Sie hat den Überblick, wie sich die Dinge in der Musik weiterentwickeln und wie die Branche wächst. Sie ist eine gute Managerin.

Auf jeden Fall ist eure Fangemeinde weiter gewachsen. Mit Damon Albarn, Robbie Williams und Robert Downey Jr. haben sich auch prominente Fans geoutet. Hat das mal zu Irritationen bei euren Fans geführt, die euch schon seit Jahren begleiten? Ist das ein Problem für euer Image?

Darüber haben wir nie nachgedacht. Ich hatte sowieso nie die Vorstellung, dass uns überhaupt jemand mögen würde. Es überrascht mich, wie weit wir gekommen sind. Wenn uns dann diese Leute mögen, ist das ein Kompliment. Das sind alles Leute, die tolle Sachen machen. Ganz unabhängig davon, was sie sagen, sind das talentierte Menschen. Insofern freut mich das natürlich.

Als Gäste wählt ihr öfter Acts aus, die erst später große Aufmerksamkeit erhalten, zuletzt etwa Amyl And The Sniffers. Auf der neuen Platte mag ich besonders "No Touch" mit Sue Tompkins. Ich liebe ihre Stimme, sie erinnert ein bisschen an Björk. Während der Aufnahmen war sie offenbar erkältet, aber es klingt sehr gut.

Ja, sie hatte einen heftigen Husten, aber es hat funktioniert.

Und die Aufnahme hat nicht so lange gedauert?

Nicht länger als zwei Stunden. Auch Gwen hat ihren Part in "The Good Life" in einem Take aufgenommen. Andrew hatte den Beat schon fertig und ich legte eine grobe Gesangsaufnahme drauf, aber es klang immer noch nicht richtig. Ich konnte den Chorus mal wieder nicht singen und dann haben wir Sue dafür eingeladen.

"No Touch" habe ich heute Morgen noch mal gehört und hatte es die ganze Zeit im Ohr. Kanntest du Sue denn vorher?

Nein, ich hatte auch noch nie von ihr gehört. Sie wurde uns von Rough Trade vorgeschlagen.

Sehr guter Tipp. Mit "UK Grim" seid ihr 2023 auf Platz 3 in den britischen Charts gelandet. Schafft ihr es auch mal auf die eins?

Niemals. Es wird immer schwieriger, in die Top Ten zu kommen.

Dafür braucht man neben guten Plattenverkäufen auch gute Download- und Streamingzahlen. Man hört jetzt immer öfter, dass Künstler Spotify aus Protest verlassen. Wie stehst du dazu?

Aber wohin gehen sie dann? Ich verlasse Spotify, wenn alle gehen.

Es ist das gleiche wie mit Facebook und Instagram: Es gibt keine gute Alternative.

Genau, man kann da nicht so einfach weg. Die Sozialen Medien können eben gut Interesse wecken. So schrecklich es auch ist: Du musst versuchen, damit umzugehen und es bestmöglich zu nutzen. Auch wenn es manchmal unmöglich erscheint, sich dort aufzuhalten.

Manche steigen auch wieder auf Newsletter als Infoservice um.

E-Mails sind nicht effektiv. Du siehst die Bands nicht. Du kannst nicht nur über deinen Verteiler kommunizieren.

Bei X bist du nicht mehr, oder?

Nein. Der Account ist noch da, aber das ist absolut schrecklich. Ich habe versucht dort zu posten, aber es ist richtig schlimm. Wie die Leute miteinander sprechen. Bluesky oder Threads ist einfach nur langweilig.

Das sollten ja mal die Alternativen sein, aber da sind auch nur Idioten unterwegs. Reagierst du noch auf negative Kommentare?

Nicht mehr so wie früher. Da habe ich immer reagiert. Jetzt finde ich es besser, die Dinge einfach stehen zu lassen.

Würdest du dich als Perfektionisten bezeichnen?

In gewisser Weise schon. Ich putze mein Auto gerne, aber wenn ich es putze, ist es mir egal, wenn es noch ein bisschen schmutzig ist. Ich mag es, wenn der Innenraum sauber ist. Wenn er nicht sauber ist, macht mich das wahnsinnig. Aber außen ist das okay. Ähnlich wie bei meinen Songs. Die Texte müssen einen guten Sound haben. Ich versuche die politischen Songs so klischeefrei zu schreiben, wie es nur geht. Das haben wir immer schon versucht. Ich bin eher ein chaotischer Perfektionist.

Was machen Sleaford Mods 2030?

Konzerte spielen, Songs schreiben. Weitermachen, hoffentlich. Fit bleiben.

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