laut.de-Kritik
Höchst vergnüglicher Notruf aus dem Odenwald.
Review von Dani FrommWenn aus recht abgelegenen Gegenden S.O.S. gefunkt wird, drohen die Absender meist, wenn nicht auf hoher See, so doch in einem Meer der Langeweile zu ertrinken. Im Odenwald, denkt der unbedarfte Beobachter, liegt ein solches Szenario durchaus im Bereich des Möglichen. Mit ihrem Notruf verweisen die K-Rings Brothers derlei Spekulationen allerdings ins Reich der Fehleinschätzungen.
Der "Sound Of The Forest" entpuppt sich als wie geschaffen für "open minded people", die sich an Wilderei in verschiedensten musikalischen Revieren nicht stören. Beherzt bis hemmungslos vergreifen sich die Herren Krings am Alltime-Klassiker "Chase The Devil", zitieren Simon & Garfunkel und nippen an einst von UB 40 kredenztem Fusel.
Hip Hop, Reggae und eine gute Portion Ska hüpfen mit scheppernden Drums, Sir Max' Trompete, klimpernden Keyboards und auch mal einem Schifferklavier in farbenfrohen, quirligen Beats um die Wette. Meist bester Dinge, kreieren die K-Rings Brothers, so es die Thematik erfordert, jedoch auch ein beklemmende, leicht klaustrophobische Kulissen.
"Wenn du nicht aufpasst, wirst du nie mehr frei", warnen sie an der Seite Xavier Naidoos. In "Warum" illustriert der die Stimmen schier erdrückende, vollgepackte Sound die innere Getriebenheit, die im unmissverständlichen Aufruf zum Ausbruch aus dem Trott resultiert. Die weithin hallende Trompete untermalt die Beziehungsanalysen von "Mayday", klicker-klackernde Percussion setzt die in "Rollin' Stone" betriebene Selbstzerfleischung um. Jetzt ist sie weg - ja, scheiße.
Im Trübsinn verharren ist die Sache der K-Rings Brothers jedoch nicht. In der Regel geht es hochgradig vergnüglich zur Sache. "Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist im Eimer", warum sich dann nicht Max Romeos "Iron Shirt" überstreifen und sich auf exorzistische Mission begeben?
Warum nicht den Bierernst gegen die lallende Weinseligkeit von "Zu Voll" eintauschen und schließlich zu lächerlich idyllischen Orgelklängen Caprifischer-mäßig und "Zu Jung" in den Sonnenuntergang schippern? Die auf ganzer Länge höllisch groovend vorgegebene Marschrichtung: "Let's Get Higher!"
Mit leierndem, näselndem Gesang, mal deutsch, mal englisch, und in einer Weise lässig vorgetragenen Raps, dass Technik zur Nebensache verkommt, spielen sich die Brüder gegenseitig die Bälle zu und legen darüber hinaus ein gutes Gespür für Melodien und Hooklines an den Tag.
Die Speerspitze der Vokalistenzunft ist hier nicht am Werk. Auch bereitet es zuweilen etwas Mühe, den oft verwaschen vorgetragenen Zeilen zu folgen. Dennoch: "Ich spüre diese Energie, die durch meine Adern fließt / spüre diesen Vibe, der mir neue Hoffnung gibt." Mit "Save Our Souls" senden die K-Rings Brothers keineswegs einen Hilfeschrei. Wenn diese Sippschaft in irgendetwas ersäuft, dann höchstens im Herzblut.
4 Kommentare
Die Rezension trifft den Kern des Albums, ist aber viel zu Kritikfrei? Wie kann man den nur "red, red, wine" covern und schreckliche Klischeetexte unkommentiert alssen, die es auf dem Album zweifelsfrei gibt.
Hier ist eine gute Rezi:
http://www.musik-base.de/cds/K/K--Rings-Br…
Als ich sah, dass bei dir der Odenwald im Schwabenland liegt, verflog auch schon die Lust am Weiterlesen.
Nun ja... Hauptsache Süddeutschland In dubio pro Geo...
Vielleicht mal reinhören, K-Rings Zone höre ich immer noch gerne, gute-Laune-Lied.
Wobei ich Peripherique bevorzuge, geht mehr in Richtung Rap als KRB.