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Datum: 15. Juli 2008
Location: Freilichtbühne Killesberg
Stuttgart
Alle Termine ohne Gewähr

Review

laut.de-Kritik

Live-Comback der kosmischen Rock'n'Roller.

Review von Eberhard Dobler

Die Nostalgiegefahr war hoch. Fast 16 Jahre nach dem letzten offiziellen Deutschland-Trip schlugen die B-52's in Stuttgart auf. Anders formuliert: Unsere blutjunge - und nicht minder furchtlose - Redaktionshospitantin Theresa blickte fast ausschließlich in die Gesichter älterer Fansemester.

Und selbst wenn das ein oder andere Bandmitglied, namentlich Chanteuse Kate Pierson, die 60 Jahre erreicht hat - ein altersmäßig gemischteres Publikum hätte die Truppe aus Athens, Georgia verdient gehabt. Denn gepimpt mit energetischem Drummer, lässiger Bassistin und einem im Hintergrund wirkenden Keyboarder bzw. zweiten Gitarristen sorgten sie schon selbst dafür, dass statt einer reinen Nostalgieparty ein richtig frischer und lauter Gig zwischen Dance, Vintage-R'n'R und aufgedrehtem Popappeal auf dem Programm stand.

Daran waren besagte Semester wiederum maßgeblich beteiligt: Die knapp 2.000 Fans traten von Beginn an aufs Partygas - eine Gunst, die sie dem Supportact zuvor verweigerten. Die jungen Berliner Dancerocker The Man No. 9 hatten es schwer, obwohl das Quintett den perfekten Opener abgab: so bemüht lässig und sophisticated ihre englischen Ansagen, so clubpartytauglich und voll der Sound.

Parallel zur Euphorie des Publikums schüttelten die vier B-52s dann routiniert die Fesseln einer anfänglichen leichten Verkrampftheit ab (das Tageslicht dürfte die Motivation nicht befördert haben) und steigerten sich in die eigenen Hits hinein.

"Quintessential and contemporary", finden sie ihre aktuelle Scheibe "Funplex", und die Aussage passte auch zur Live-Setlist. Deren Dramaturgie kann man nur als zwingend bezeichnen. Vom temporeichen Opener "Pump" oder aufputschenden Rockern ("Private Idaho", "Ultraviolet") spannte sich der Bogen hin zu Popperlen wie "Juliet Of The Spirits" und "Roam", die einen verschnaufen ließen, bevor die Anheizer-Single "Funplex" und funky Dancetracks ("Love In The Year 3000", "Channel Z") wieder voll in die Hüften fuhren.

Die Songs waren dafür zuweilen auf Livetauglichkeit hin abgestimmt bzw. geringfügig verändert. Oder man transportierte Klassiker wie "Mesopotamia" gleich in einer geremixten Live-Version. Mit zunehmender Dämmerung schaukelte sich die Stimmung hoch. Das lag nicht zuletzt am bei beiden Combos gut austarierten Soundmix, der Live- und Sequenzersounds gleichermaßen zur Geltung kommen ließ.

Zuweilen glaubte man zwar, an der Mimik und den eingeübten Gesten von Fred Schneider, Cindy Wilson und Kate Pierson ablesen zu können, dass sie viele ihrer Tracks schon tausend Mal performt haben. Und manchmal schien der Beat für die drei Frontleute schon fast zu hart getreten. Doch dank der Begeisterung des Publikums und Jahrzehnten im Geschäft läuft bei den B-52's eben kaum etwas schief.

Der Abend endete mit dem umjubelten "Planet Claire" und einem unglaublich rockenden "Rock Lobster", von dem sich gar der ansonsten stets cool zurück haltende Gitarrero Keith Strickland mitreißen ließ und quer über die Bühne sprang, als sei kein Jahr vergangen. Die folgenden Pfiffe in Richtung Stadthonoratioren, die nach 22 Uhr und open-air keinen lauten Akkord mehr erlauben, waren angesichts der mehr als raren Gastspiele der B-52's nur nachvollziehbar.

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"And keep it fresh forever", singt Fred Schneider Ende der Achtziger im Track "Channel Z". Für unsere Zwecke übersetzt, bedeutet das: Am schönsten sind diejenigen Abschiedstouren, die offiziell nie zu Ende gehen. Weitere Präzisierung: Wir sprechen von Bands, deren Backkatalog Hit um Hit bereithält.

Die 1976 gegründeten The B-52's gehören definitiv in diese Kategorie: Man denke nur an "Love Shack", "Rock Lobster" oder "Private Idaho". Aber auch neuere Knaller wie "Pump" und "Ultraviolet" sollen hier stellvertretend genannt werden.

Die Band aus Athens, Georgia serviert einen unwiderstehlich unverwechselbaren, spacig anmutenden Mix aus New Wave/Postpunk, Pop, Rock und Dance. Zum hohen Wiedererkennungswert trägt nicht nur der Sound bei: The B-52's treten von Haus aus mit drei prägnanten Stimmen an, die auch vor schrillen Texten nicht zurückschrecken – zwei Sängerinnen und ein Sänger.

Das exzentrische Outfit der Protagonist:innen tut noch sein Übriges. Der selbstgewählte Titel einer 'weltbesten Partyband' bleibt jedenfalls keine leere Versprechung.

Im Laufe der Jahrzehnte musste die in der Alternativeszene legendäre Truppe gleichwohl herbe Verluste verkraften: Schon 1985 starb das fünfte Bandmitglied, Ricky Wilson. Bandkopf, Gitarrist und Producer Keith Strickland ist leider schon seit einigen Jahren auf der Bühne nicht mehr dabei.

Und so stemmen die drei Frontleute und Aushängeschilder Kate Piersson, Cindy Wilson und Fred Schneider die Party on stage alleine, begleitet von einigen Gastmusiker:innen. Ikonisch bleibt die Angelegenheit aber wie am ersten Tag: Die seit 2022 laufende Abschiedstour der The B-52's – möge sie noch ewig währen!

Artistinfo

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Kaum zu glauben, aber schon seit Mitte der 70er treiben die B-52's ihr Unwesen. Grundessenzen des bunten Soundkosmos der Formation aus Athens, Georgia …