laut.de-Kritik
Alaaf! Et kölschrockt ens widder.
Review von Kai ButterweckPünktlich zur großen Live-Geburtstagssause in der Kölner Lanxess-Arena veröffentlichen die Kölschrocker von Kasalla ihr neues Studiowerk "Trone & Konfetti". Die thematische Ausrichtung gibt die Band bereits im Titel vor. Das kölsche Trone steht für die hochdeutsche Träne, die zusammen mit ganz viel Konfetti ein großes Ganzes bildet - irgendwo zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Mal schunkelt und feiert die Gemeinschaft. Und mal nimmt man sich mit glasigen Augen in die Arme. Die Band beschäftigt sich mit Abschieden, dem Älterwerden, verpassten Chancen und der Verarbeitung von traurigen Momenten.
Kasalla machen gleich zu Beginn ihres neuen Longplayers klar: Nach 15 Jahren auf Tour ist musikalisch alles möglich und auch nahezu alles erlaubt. Nach unspektakulärem Radiorock ("Trone Un Konfetti"), drängt die Quetschkommode ins Rampenlicht ("Adios Amigos!"). Es geht um das letzte Glas, den letzten Tanz, den letzten Kuss und den Moment, bevor die Lichter ausgehen. Dann springt man noch einmal auf die Tische und bläst ganz kräftig in die Karnevalströten.
Dem Offbeat für die Trinkfreudigen folgt das Mantra für gängige Stehaufmännchen. "Janz ejal wat kütt, emmer wiggermache!", singt Frontmann Bastian Campmann, während im Hintergrund Werbejingle-Pop nicht enden wollende Runden dreht. Kurz darauf drehen die Kölner musikalisch mal eben alles auf links und heften sich an die Versen der Toten Hosen ("Tattoo"). Plötzlich drücken verzerrte Gitarren durch die Boxen und die Karnevalssitzung verwandelt sich in eine wilde Pogo-Party.
Schnippende Finger und breite Bläser erinnern an die Sportfreunde Stiller ("Mir Es Et Ejal"). Später bringt der Jazz-Besen, das Klavier und die akustische Gitarre wieder Ruhe rein ("Ding Meistbenutztes Emoji"). Zur fünften Jahreszeit lässt man im Jecken-Epizentrum den Gefühlen freien Lauf. "Zu einem echten Fest gehören eben beide Seiten. Das Konfetti und die Tränen. Ohne Schatten gibt es kein Licht. Wir haben in den letzten Jahren beides erlebt, und beides gehört auf diese Platte", erklärt Schlagzeuger Nils Plum.
Auch in der zweiten Albumhälfte bleiben sich Kasalla treu und bedienen sämtliche Karnevals- und Kölschrock-Klischees mit voller Überzeugung und einem breiten Grinsen im Gesicht. Bei der musikalischen Bandbreite und dem permanenten Wechsel von Stimmungen bleibt nicht viel Zeit, um sich über gerade Gehörtes allzu lange aufzuregen.
Köln ist weder "New York City, net Wien oder Paris". Köln ist ein eigenes Fleckchen Erde und steht für Offenheit, gute Laune und kontrolliertes Chaos. Das alles findet man auch auf "Trone & Konfetti" – irgendwie. Mann muss sich beim Hören nur Mühe geben und die Flinte nicht gleich nach dem ersten Durchlauf ins Korn werfen.


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