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Platz 2: Aff Un Zo (2001)

"Alles klingt etwas frischer", schreibt mein Vorgänger Klaus Teichmann in seiner 2001er-Review zu "Aff Un Zo". Und das ist noch untertrieben. "Aff Un Zo" hat die kompositorische Schlagkraft, die überbordende Kreativität und vor allem den Hunger eines zweiten Debütalbums – nur dass sich die veröffentlichende Rockband nun eben aus Profimusikern zusammensetzt.

Gitarrist Helmut Krumminga und Keyboarder Michael Nass haben die "Tonfilm"-Feuertaufe überstanden, Drummer Zöller, Percussionistin Hackett, Bassist Kopal und Allzweckinstrumentalist Streifling haben bereits die späte Major-Ära mitgemacht. Was auch immer die neuen BAP zu diesem abwechslungsreichen Werk angespornt hat, die legendäre Boulevard-Schlagzeile "Aus für BAP!" von 1999 dürfte für nicht mehr als einen müden Lacher gesorgt haben.

Was also hat "Aff Un Zo" anderen Alben voraus? Da wäre schon mal die relativ homogene Aufteilung der Songkomponisten (mit Krumminga als hauptsächlichem, aber eben nicht alleinigem Autor) und natürlich die Leichtigkeit der naturbelassenen Brandung Mallorcas, aus der dieses Album rein und wieder herausfließt. Vor allem ist "Aff Un Zo" ein 75 Minuten langes Stück Musik, das vielleicht nicht jeder und jedem zu jeder Zeit gefallen muss, aber das nie in die Filler-Banalitäten früherer (und späterer) Alben verfällt.

Dem Titeltrack gelingt der Spagat aus Reggae, Radiotauglichkeit und Authentizität (wie geht denn das?), auf "Shoeshine" mündet das initiale, Stones-würdige Blues-Lick in einem fantastischen Saloon-Piano-Solo, fernab von anachronistischen Synthesizer-Spielereien.

Mit "Istanbul", "Chippendale Desch" und "Suwiesu" taucht Niedecken nach persönlichen Tiefen, wie lange nicht mehr. Der abschließende Klagegesang von Sheryl Hackett auf "Dir Allein", die hier noch ihre verstorbene Mutter betrauert, zerreißt einem im Rückblick gleich doppelt das Herz: Die Musikerin erliegt nur vier Jahre später selbst einem Krebsleiden.

"Aff Un Zo" ist weder ein reines Mucker-Album mit kölschen Texten, noch ein nachträglich instrumentierter Dylan-Wandergitarren-Flickenteppich. Es gibt E-Gitarren, Akustikgitarre, Bass, Schlagzeug, Klavier, Orgel, Field-Recordings, Chöre, Saxofon, Klarinette und ziemlich viel Percussion.

Und obwohl all das nicht selten gleichzeitig zu vernehmen ist, klingt "Aff Un Zo" so dermaßen unangestrengt, organisch und sich Raum lassend, dass nur allzu klar wird: Hier haben sich sieben talentierte Menschen in einem Raum versammelt, um miteinander zu musizieren – mit dem größten Respekt voreinander. Zu diesem Personalfundus kann man dem damals 50-Jährigen Niedecken nur gratulieren.

Wolfgang Niedecken (scannt die Tracklist):

"'Kilometerweit entfernt', ich weiß gar nicht mehr, wie das ging. Aber richtige Scheißstücke sind schon mal keine drauf. Nein, im Ernst, das ist für mich das beste Album dieser BAP-Ära mit Helmut. 'Istanbul', wunderschöne Nummer, haben wir nur selten gespielt."

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3 Kommentare

  • Vor einem Monat

    In den Neunzigern und frühen Nullerjahren konnte ich mit BAP überhaupt noch nichts anfangen. Typisch für die 90er sind aus meiner Sicht die gut gemeinten, aber musikalisch langweiligen Songs gegen Rechts „Arsch huh, Zäng ussenander“ und „Widderlich“. Das Album „Amerika“ ist komplett an mir vorbeigegangen, habe ich erst später über meinen Bruder entdeckt. Bei „Aff un zo“ waren BAP für mich immer noch die bräsigen Kölschrocker aus der Generation meiner Eltern. Der Titeltrack, der seltsamerweise ein kleiner Chart-Hit war, hat mich mit seinem Schunkelreggae suwiesu affjestoße… Die zweite Single, der Santana-Abklatsch „Shoeshine“ war noch okay. Erst sehr viel später festgestellt, dass das Album doch einige schöne Perlen („Kilometerweit entfernt“, „Noh Zahle mohle“) bereit hält.

  • Vor einem Monat

    Wow, Überraschung auf Platz 2! Ich habe mir das Album damals nicht angehört, weil mir der Titeltrack als Single gar nicht gefiel. Zum Glück habe ich viel später doch noch reingehört, sonst wären mir mit "Istanbul" und "Dir allein" zwei der besten BAP-Songs überhaupt entgangen.

  • Vor 7 Tagen

    Das erste richtige Album mit ausschließlich neuen Songs nach dem Ausstieg vom Klaus Major Heuser.  Eine schwierige Situation, schließlich war der Major der Hauptkomponist und ist ein toller Gitarrist. Das erste Album ohne ihn, die Mischung aus Altes-neu-interpretiert und Einspielung von liegen-gebliebenem namens Tonfilm ist für mich leider ein Schuss in den Ofen.

    Die erste Single, das titelgebende Aff und zo, fand ich damals furchtbar. Singt hier der Typ, der im Gegensatz zum Major  keine Pop-Rock-Musik nach internationalem Standard machen wollte, sondern weiter authentisch Kölschrock darbieten wollte? BAP hatten schon tolle Reggaesongs gebracht, Ahnunfürsich mit der fantastischen Leadgitarre, Time is cash..., auch Maat et joot von Niedeckens wunderbaren ersten Soloplatte Schlagzeiten. Aber Aff und zo , so eine glatte Schunkel-lalala- Nummer, perfekt fürs Formatradio (wenn die Band nicht so uncool wär)? Mittlerweile finde ich die Nummer im Kontext des Albums nicht mehr ganz so schlecht, dennoch ein schwächerer Song und als Einzelnummer, na ja...

    Der Rest des Albums ist gottseidank besser. Mit dem Album gelingt den "neuen" BAP der Neustart. Wobei für mich die Summe des Ganzen besser als die Einzelteile ist. Das Album überzeugt in einem Rutsch durchgehört als Ganzes. Bei anderen Platten wie z. B. "Pik Sibbe"oder "vun drinnen noh drusse" gibt es Lieder, die für mich auch alleine stehen können. So ne Nummer finde ich hier eher nicht. Shoeshine ist für mich zu lang, trotz des schönen Klaviers. Chippendale Desch ist eigentlich auch zu lang, braucht aber den Platz fürs Storytelling und das ist dann auch okay. Noh Zahle mohle finde ich von der Melodie  her eher schwach, kommt aber im Kontext auch ganz gut. Auch die musikalischen Soloparts sind gut.

    Manche Songs erinnern mich etwas an die "Amerika", die Scheibe hier ist aber besser und frischer produziert. Irjenden Rock 'n' Roll-Band klingt tatsächlich nach dem Major und hätte auch super auf die "Da Capo" gepasst. Ich setze "aff und zo" nicht auf Platz 2, mag die Platte aber.