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Roy Orbison - "The Orbison Way"

Der mit Country aufgewachsene Roy Orbison, ein Jahr jünger als Elvis, kam genau richtig. Als das Plattenlabel Sun in Memphis aufmachte, war er 16, mit 13 hatte er seine erste Band gegründet, bald startete er raketenartig durch und wurde einer der bestverkaufenden Künstler Amerikas. Auf seine beiden Scheiben aus dem Jahre 1966 trifft das nur eingeschränkt zu. Während sie in England fleißig über die Kassenbänder flutschten, galt in seiner US-Heimat der British Beat nun als viel schicker. Zuletzt hatte Roy gerade mit "Oh, Pretty Woman" abgeräumt, das bescherte ihm auch den Kontakt zu seiner neuen Backing-Band, The Candymen, die auf "The Orbison Way" wunderbar bassgesättigt aufspielt.

Beide LPs von aus diesem Jahr sind relativ kurz, je zwischen 27 und 28 Minuten, und beide stammen aus denselben Sessions. Zwischen ihrer Veröffentlichung im Januar und Juli ereignete sich eine der größten denkbaren Tragödien: Seine Frau Claudette, die von Roy auf Motorräder heiß gemacht wurde und mit ihm dieses Hobby teilte, starb schwerverletzt nach einem Motorradunfall. Das hatte Folgen: Liebeslieder brachte der Künstler danach eine ganze Zeitlang keine mehr über seine Lippen. Auf "The Orbison Way" gibt es sie noch. "Breaking Up Is Breaking My Heart" ist recht engagiert und extrem lebhaft, teils verzweifelt und verschwommen gesungen, über die Gefühle für jemanden während einer Trennung. Die Emotionen in dieser Aufnahme hat Orbison wahrscheinlich so erlebt. Während der Song entstand, heiratete er seine Claudette erneut, nachdem sie ihm mit dem Bauunternehmer des gemeinsamen Hauses fremdgegangen war. Die beiden hatten sich scheiden lassen, aber weiter miteinander geschlafen und ein Kind gezeugt. Die Break-Up-Pirouette ist auch der amtliche Hit der LP, gleichwohl selten auf seinen Greatest-Hits-Sets vertreten.

Weitere Anspieltipps von dem Mann mit dem Irgendwo-hinten-im-Gaumen-Gesangsstil: "It Wasn't Very Long Ago" hinsichtlich der magischen Melodie, "Never" fürs Tenorsaxophon-Gebratzel, "The Loner" als typischer Orbison mit seiner Vorliebe für arg hohe, grummelig tiefe und gerne lang gezogene Töne. "Time Changed Everything" zeigt in der Kategorie Mega-Schnulze Premium-Platin-Qualität. Für alle, die jetzt sagen, nein, wir hätten die "Time" gechanget und das sei doch alles 1965, weil das vielerorts im Netz steht: Dann wäre es ein seltenes Album ohne Vorab-Single, ferner halten wir uns hier an die Daten der Plattenfirma, an die AllMusic-Datenbank und an die Experten für Ausgrabungen aus der Rock'n'Roll-Ära, die niedersächische Bear Family. Um gleich noch ein Missverständnis auszuräumen: Die Sonnenbrille auf dem Cover trug Orbison nicht für die Coolness, sondern wegen eines angeborenen Sehfehlers.

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