Fela Kuti - "Zombie"
Wollen wir hier ernsthaft versuchen, eine kontroverse Figur wie Fela Kuti in zwei oder drei Absätzen abzuhandeln? Das wird nicht klappen, also vergesset das besser direkt. Visionär, Revolutionär, Perfektionist und musikalisches Genie auf der einen, islam- und wissenschaftsfeindliches Chauvinistenarschloch auf der anderen Seite, würde der Mann auch einen weiter gesteckten Rahmen mühelos sprengen. Wer aber einen Einstieg sein Schaffen oder generell in den Afrobeat sucht, ist mit "Zombie" gut beraten.
Das Album zeigt alle Charakteristika des Sounds, den der Nigerianer aus Highlife und Yoruba-Musik destillierte. Unter Zugabe von Jazz, ausgedehnten Improvisationen und reichlich Zorn verwandelte Fela Kuti fluffig plätschernde, karibisch aromatisierte westafrikanische Popmusik in überlange, kraftvolle, treibende Songs. Die wiederum stopfte er mit politischem Sprengstoff. Den herrschenden Verhältnissen, eine korrupten Regierung und ihren Handlangern, einem gehirngewaschen und willenlos Befehle ausführenden Militär, sagte Fela Kuti dermaßen eindeutig den Kampf an, dass "Zombie" in seiner Heimat verboten wurde.
Den immer wieder gegen ihn in Marsch gesetzten Truppen schmetterte er den Song natürlich trotzdem entgegen. Mit dramatischen Folgen: Bei einer dieser Razzien marodierten Hunderte Soldaten enthemmt und entsprechend brutal durch Kutis Kommune. Sie zerstörten, legten Feuer und prügelten, besonders heftig traf es natürlich den Kopf des aufrührerischen Unterfangens. Noch härter allerdings musste Fela Kutis Mutter einstecken: Militärangehörige warfen Funmilayo Ransome-Kuti aus einem Fenster im zweiten Stock. Von den Folgen des Sturzes erholte sich die 77-jährige Frauenrechtlerin nicht mehr. Sie starb im Jahr nach dem Überfall nach mehreren Wochen im Koma.
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