Silly - "Bataillon D'Amour"
Wenn wir über Silly sprechen wollen, können wir uns bitte zunächst auf eine Sache verständigen? Diese mit jedem Recht der Welt legendäre Formation der DDR hatte nur eine wahre Sängerin, und die hieß Tamara Danz. Wir wollen nichts hören von den kläglichen Versuchen von Anna Loos oder, noch schlimmer, Jule Neigel, ihren Platz einzunehmen. Am ehesten gelang es kurzzeitig noch AnNa R., von dem Krater abzulenken, den der Tod ins Bandgefüge gerissen hatte, aber eigentlich, nein, auch nicht wirklich. "Du kannst keine Musik machen mit Kompromissen", sagte Danz einmal, und sie behielt Recht. Ohne sie war Silly nie wieder mehr als ein unbefriedigender Kompromiss.
1986, als "Battaillon D'Amour" erschien, war Tamara Danz jedoch noch am Leben und ihre Band in ihrer Prime, hatte sie doch die harmlosen Anfangstage längst hinter sich gelassen, in denen man sie zu einer Art Ost-Pendant der im Westen hochschwappenden Neuen Deutschen Welle verkaspern wollte. Unter der Regie von Texter Werner Karma wurden die Texte düsterer - und doppeldeutiger. "Wir können uns nicht wehren, wenn es einfach nur beginnt": Kaum zu glauben, dass irgendjemand solches im zerfallenden Arbeiter- und Bauernstaat lediglich als Symptom einer ungezügelt aufflammenden Teenagerliebe verstanden haben soll. Mit zwei zugestopften Ohren vielleicht. Nach einer Lobotomie.
Um durch die Zensur zu kommen, scheint es wundersamerweise dennoch gereicht zu haben: Das auch abseits seines fantastischen Titeltracks sehr nebelverhangene, durchgehend bedeutungsschwangere Album wurde nicht nur mit der anno 1988 ein einziges Mal vergebenen Goldenen Amiga prämiert. Es ging in seinem Erscheinungsjahr auch als Album des Jahres vom Platz, Silly wurden als Band des Jahres und Tamara Danz als Sängerin des Jahres geehrt. Monokultur? Vielleicht. In diesem Fall landeten die Lorbeeren aber auf dem richtigen Haufen.
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