Spandau Ballet - "Through The Barricades"
In etwa so wie die Münchener Freiheit aus München stammen Spandau Ballet aus Spandau. Nämlich: garnicht, die britischen New Romantic-Popper fanden dereinst in London zusammen.
Dass "Through The Barricades" für die Band mehr als nur irgendein Song ist, hört man diesem Lied in jedem Moment an. Der Nordirland-Konflikt hatte auch in das Leben der Musiker einen Krater gerissen: Thomas 'Kidso' Reilly, ein echtes Belfast-Child, hatte auf Spandau Ballets "True"-Tour als Roadie und am Merchandise-Stand gearbeitet. Kurz nach seiner Rückkehr in seine Heimatstadt geriet er dort an eine Armee-Patrouille, wurde kontrolliert, und danach, warum auch immer, von einem jungen Soldaten auf offener Straße erschossen.
Zwei Jahre später besucht Spandau Ballet-Gitarrist Gary Kemp Belfast und steht zusammen mit dessen Bruder an Kidsos Grab. Der Anblick der Barrikaden, die die Stadt wie klaffende Wunden durchziehen, ließ ihn danach nicht mehr los. "Der Song hat sich in einer Nacht wie von selbst geschrieben", erinnert Kemp sich später. "Er handelt zwar nicht explizit von Thomas Reilly, sondern erzählt eine Romeo-und-Julia-Geschichte. Aber er spielt in einer Welt, in der Politik verhindert, dass Menschen ihre Beziehungen leben können."
Dass der Track Kemp offensichtlich mehr als jeder andere am Herzen lag, setzte Sänger Tony Hadley enorm unter Druck. Nach mehreren Sessions, in denen Kemp ihm wieder und wieder seine Vision erklärte, rastete Hadley aus, verkündete, so könne er nicht arbeiten, und verschwand ins Hotel. Er werde die Nummer für sich üben und den Kollegen wissen lassen, wenn er soweit sei, sie zu singen. Anschließend beschied er noch: "Und dann will ich alleine im Studio sein." So geschah es, nur Toningenieur Gary Langan war Zeuge. Kemp befand später, Hadley habe hier die Leistung seines Lebens abgeliefert.
Bassist Martin Kemp, Garys Bruder, blickt Jahre später zurück: "Zu meinen schönsten Erinnerungen bei Spandau Ballet gehört, als wir das erste Mal 'Through The Barricades' in Belfast gespielt haben. Urplötzlich hatte ich verstanden, dass dieser Song den Menschen in Nordirland gehört."
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