Nas - "It Was Written"
Es gibt hoffentlich recht wenige Personen auf diesem Planeten, die "It Was Written" wirklich geiler finden als Nas' bahnbrechendes Debüt, aber ... naja. Geschmäcker, Verirrungen, ihr kennt das. Immerhin muss man dem Kollegen Johannesberg zugute halten, dass er dieses Album mit vollem Recht abfeiert. Es wird halt trotzdem schnell albern, sobald man es über "Illmatic" stellt.
Derlei Vergleiche versuchte Nas ja offenbar aktiv zu umschiffen. Dass er sich mit seinem fantastischen Auftakt ein kolossales Ei gelegt hat, wusste er wohl selbst am besten, er ist ja nicht blöd. Nas musste klar gewesen sein, dass keine seiner künftigen Veröffentlichungen gegenüber seinem Erstling würde bestehen können. Deswegen versuchte er gar nicht erst, was eh mit Ansage in die Hose gegangen wäre. Anstatt "Illmatic" zu wiederholen, unternahm er auf "It Was Written" in jeder Hinsicht das Gegenteil.
Statt den Jungen aus den Projects, der er war und den er auf "Illmatic" vorgestellt hatte, weiter aus seinem Leben erzählen zu lassen, verpasste er sich den (nicht gerade originellen ) Beinamen 'Escobar' und setzte sich als übermächtigen Drogenboss in Szene. An die Stelle authentischer Hoodtales traten Räuberpistolen und Mafiamärchen. Die Videos hatten mittlerweile Budgets, rieseg genug, um solche Fantastereien bildgewaltig umzusetzen. Die hochkarätigen Featuregäste standen Schlange, die Tore in den Mainstream weit, weit offen, und Nas rauschte siegesgewiss und noch größenwahnsinniger als zuvor hindurch.
Dieser Strategie war Erfolg beschieden: "It Was Written" bescherte Nas Platz eins der US-Charts und entsprechend Unmengen neuer Fans, denen er unter anderem vorführte, dass man Songs auch aus der Perspektive einer Wumme schreiben und rappen kann. Wenn man es halt kann.
"It Was Written" ist natürlich nicht geiler als "Illmatic", beide gehören vielmehr untrennbar zusammen. Gemeinsam bilden sie das Fundament, auf dem Nas' ganze Karriere fußt, liefern den Nährboden für die teils gottgleiche Verehrung, die ihm entgegen schlägt, und den Grund dafür, dass Leute noch heute, dreißig Jahre später, selbst seine mittelmäßigen Releases in den Himmel loben und echtes Geld dafür bezahlen, sich von ihm mit Plattitüden abspeisen zu lassen.
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