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Kollegah - "Hardcore"

Einer der Gründe, warum ich mich dafür entschied, nur einen Song pro Rapper einzubeziehen: Ich hätte die Liste sonst höchstwahrscheinlich nur mit Kollegah gefüllt. Dieser Kerl ist schuld, dass ich vor rund zehn Jahren überhaupt so richtig anfing, mich mit Deutschrap auseinanderzusetzen. Schlimm, ich weiß. Ich bin nicht stolz darauf. Es folgten Jahre, die ich in einer Bubble verschwendete, die "guten Rap" rein an Metriken wie Technik, Wortspiele und Punchlines festmachte, während ich so viel wirklich geile Musik verpasste. Vielleicht ist es auch mein Unvermögen, dennoch: Danke für gar nichts, Kolle!

Der Scham zum Trotz, die ich für diese Ära verspüre, gibt es seltene Momente, bei denen ich mich ... leicht nostalgieschwelgend (?) ... in diesen musikalischen Abgrund begebe. Für diese Liste entscheide ich mich für einen Track, an den sich selbst der ein oder andere Noch-Kollegah-Fan ungerne zurückerinnert. Ich glaube, "Hardcore" wird in Fankreisen meist aus drei Gründen gehatet. Erstens: das Video, und ja: es ist edgy, mit Blick auf Felix' aktuellste Flirts mit rechter Ideologie: ALARMIEREND edgy. Aber es geht mir heute rein um den Track.

Zweitens: Der Song erschien auf dem Album "Imperator", das unter den Fans damals als schlechtestes Kolle-Projekt galt, zumindest bis seine Psychose mit "Free Spirit" voll ausprägte und mit "C.B.A." und dem von mir reviewten "Kanzler (Frührentnertape Vol. 1)" sogar noch höhere Sphären erreichte.

Drittens: der Flow. Bei Kollegah hat man sich immer darum gestritten, ob er nun gut flowt oder nicht. Ich erinnere mich daran, dass man gerade bei ihm minutiös jeden noch so kleinen Flowfehler herauspickte. Ich persönlich muss aber sagen, dass der Flow auf diesem Track der Grund ist, warum ich den Song mag. Ich finde ihn nicht schlecht, eher unkonventionell, und deswegen so prägnant. Mir kommt es sogar vor, als ob Kolle hier mit dem Flow einem ganz klaren Motiv folgt: Dieser aufzählerische Style in einer Zeile,gefolgt von einer schnellen, smoothen Flowpassage in der Folgezeile, und dann immer so weiter. Zumindest auf dieser Ebene erachte ich den Track als gut konzeptioniert.

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