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Tödliche Rap-Lyrics

James Garfield Broadnax ist zwar noch am Leben, auf dem Papier jedoch eigentlich schon ein toter Mann. Er sitzt seit Jahren im Todestrakt eines texanischen Gefängnisses. Verurteilt wurde er, weil er bei einem Raubüberfall im Jahr 2009 zwei Männer erschossen haben soll. Für April ist nun seine Hinrichtung anberaumt worden.

Der Fall hat in mehrfacher Hinsicht mit Rap zu tun: Broadnax wurde seinerzeit von einer ausschließlich mit Weißen besetzten Jury zum Tode verurteilt. Als Grundlage für ihren Schuldspruch zogen die Geschworenen damals unter anderem vom Angeklagten verfasste Rap-Lyrics heran, die angeblich seine Gefährlichkeit beweisen sollten. Geschrieben hatte Broadnax die Zeilen als 19-Jähriger.

Eine ganze Reihe Künstler*innen, darunter Travis Scott, T.I., Young Thug und Killer Mike, stellt sich seither hinter den Verurteilten, zieht vor den Supreme Court und wehrt sich gegen die Verwendung von Rap-Texten als Beweismittel. Ein solches Vorgehen kriminalisiere ein ganzes Genre und beschneide die Freiheit der Kunst, zitiert die New York Times Killer Mike.

In Travis Scotts Unterstützerschreiben für Broadnax heißt es: "Die Staatsanwaltschaft argumentierte, Herr Broadnax stelle in Zukunft vermutlich eine Gefahr dar, nur weil er Gangster-Rap mache. Eine solche Begründung läuft faktisch auf eine kategorische, eindeutig verfassungswidrige, inhaltsbezogene Bestrafung von Rapmusik als Ausdrucksform hinaus."

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