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Mit Haftbefehl gegen Söder

Unterdessen wird Haftbefehl nahezu ohne eigenes Zutun zur Waffe gegen Markus Söder umfunktioniert: Luis Bobga, seit Oktober Vorsitzender der Grünen Jugend, landete dieser Tage in den Schlagzeilen, weil er in einem Instagram-Post zu des Offenbachers und Shirin Davids Track "Conan X Xenia" lip-synchte.

Im Originaltext heißt es: "Dass du ein Hurensohn bist, hatten wir schon mal. Wie ich dein Album finde? Naja, so lala. Um ehrlich zu sein, hab' ich nicht reingehört, verschon mich mal. Bei deiner Mucke wird mir schlecht, katastrophal." Ihr dürft jetzt raten, bei welchem Wort Bobga ein Bild des bayerischen Ministerpräsidenten einblendete.

In den Reihen der sogenannten Christdemokrat*innen verfielen sie darob instant in Schnappatmung: Alexander Hoffmann, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, sprach von zum Beispiel von "Hassrede", hält Bobga für "nicht länger tragbar", unterstellte dem politischen Konkurrenten, er sei "kein echter Demokrat", und verlangte eine Intervention der Grünen Parteispitze. Hach, wären sie bei ihren eigenen Werten und Äußerungen nur ähnlich ehrpusselig und auf gute Umgangsformen erpicht. Wir hätten ein viel freundlicheres Klima im Parlament.


Luis Bobga entschuldigte sich inzwischen für sein Posting. In einem Interview gegenüber dem Stern äußerte er sich wie folgt über die strittige Vokabel: "Es ist ein sexistischer Begriff, der aus gutem Grund nicht verwendet werden sollte." Er betonte aber auch, er habe seinen politischen Gegner nicht direkt adressiert. "Es wäre schließlich etwas ganz anderes, wenn ich das in einem Interview über Herrn Söder gesagt hätte. Das würde ich niemals tun."

Mit der Verwendung des Haftbefehl-Songs habe er die Grenzen "glattgebügelter Politiker-Statements" aufbrechen und zu einer jüngeren Zielgruppe durchdringen wollen, erklärte Bobga. "Zu diesem Ansatz stehe ich weiterhin, ich richte meine Arbeit nicht an 'Bild'-Schlagzeilen oder CSU-Rücktrittsforderungen aus." Trotzdem wolle er in Zukunft darauf achten, sexistische, grenzüberschreitende Wortwahl zu vermeiden. Am meisten wurme ihn nämlich, dass nun mehr und lauter über seine angebliche Entgleisung debattiert werde als über die "menschenfeindliche Politik der Regierung und dabei auch insbesondere die von Markus Söder, etwa durch Abschiebungen in Krisengebiete und durch Verschärfungen des Bürgergelds."

Stimmt wohl: relativ ungeschickt, dem politischen Kontrahenten die Munition frei Haus zu liefern. Warum sollte sich jemand drüber Gedanken machen, wie man die eigene Politik noch mit dem C und dem S im Parteinamen in Einklang bringen könnte, wenn man statt dessen in gespielte Empörung über einen "Hurensohn" verfallen kann?

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