Alles gesagt.
Niemand hat in dieser Woche meine wirren Gedankengänge besser auf den Punkt genagelt als D-Bo:
"Die AfD hat gewonnen, weil die Menschen, die uns regieren, eigentlich genau dieselbe Scheiße wie die AfD wollen, nur dass sie dabei gerne so tun, als seien sie kompetent, fair und demokratisch", schreibt er. "Gleichzeitig führen sie eine Kampagne gegen alles Linke und Grüne, sofern es in den anderen Parteien diese Positionen überhaupt gibt. Der Erfolg: Zu viele Menschen hassen Linke und Grüne! Dieselben Menschen hassen aber auch alle, die nicht deutsch sind, oder die unter ihnen oder die über ihnen stehen. Das hat die AfD geschafft, und die Regierungspolitiker*innen sind auf diesen Zug mit aufgesprungen. Lächerlich opportunistisch. Machtgeil und uneinsichtig. Das merken die Wähler*innen und hassen auch die Regierung und alles, was ansatzweise diesen ganzen Scheiß einordnet: Der ÖRR, NGOs und Aktivisten, vor allem aus den Bereichen Antifaschismus und Klima."
So weit, so deprimierend. Aber es kommt ja noch schlimmer:
"Ich, genau wie ihr, weiß, dass keinerlei Einsicht oder Reue bei der Polit-Elite zu erwarten sein wird. Die AfD wird die Konkurrenz auch in allen anderen Wahlen überfahren. Außer natürlich, man löst sich endlich vom Anti-Linke-Fetisch, tauscht alle (!) Regierungspersonen gegen moderne und sehr, sehr Social Media-affine (junge!!!) Personen aus und nimmt ENDLICH die sozialen Forderungen und die kritische Haltung zu vielen anderen Themen der Bürger*innen - alles Dinge, die die Regierung auf ekelhafteste Art gegen diese vorherrschende Meinung durchdrückt - ernst."
Wie wahrscheinlich ist, dass das passieren wird, wissen wir wohl alle.
"Trotzdem ist das für mich natürlich kein Grund, seine Werte über Bord zu werfen", schließt D-Bo zum Glück, und betont, man müsse weiter für Menschenrechte, Klima- und Naturschutz einstehen. "Und scheiß Zeiten erzeugen oft saugute Kunst", schließt er. "Bin gespannt, was für Musik der Frust generiert ... wenn nötig, schreib' ich selbst 'nen Protestsong."
Na, das ist doch mal ein Silberstreif.
6 Kommentare mit 30 Antworten
Stimmt, um Menschen vom rechten Rand zurück zu gewinnen, müssen alle anderen Parteien unbedingt weiter nach links rücken. Das hat die AfD in den letzten Jahren ja schon so wirksam reduziert.
Bei so viel analytischen Scharfsinn wundert es mich schon, dass der Mann nicht als Koryphäe der Politikwissenschaft bekannt ist, sondern weiterhin dafür bekannt ist, vor 20 Jahren der Schoßhund eines Milli Vanilli Rappers gewesen zu sein.
Okay klar ist das Ragebait, wie wahrscheinlich alles was du von dir gibst, aber wo ist bitte irgendeine Partei in den letzten Jahren "nach links gerückt"?
Tatsächlich keine!
Dafür hat sich ein großer Teil der Politik und Gesellschaft gegenüber Themen geöffnet die oberflächlich zwar als links gelten, faktisch aber nur die Schnittmenge zwischen gefühltem Gerechtigkeitsempfinden und dem was mit neoliberalem Kalkül vereinbar ist abbildet.
Dafür, dass sich damit keine sozialen Fragen lösen lassen, weil schlichtweg nichts down trickled, sind die Wahlergebnisse schlichtweg die Quittung! Trottel, nicht wenige, sollte man trotzdem mit einrechnen.
Ach, jetzt hört ma' auf. Erst gibt nur lostness zwischen damaliger Wieselig-keit und dem hier&jetzt. Moralisch & Post-modern kann fdp-mäßig für'n arsch sein, A*ber ihr und älle habt es so gewollt. immer draufhaun, und dann jammern, is auch nicht unbedingt demokratisch. Leberwürste. Und dannund dann und dann....
https://www.youtube.com/watch?v=Q3dvbM6Pia…
Wie wenig Leute wissen eigentlich, dass politisch rechts und politisch links eben keine Werturteile sind, die man sich aus dem Hintern zieht, sondern konkrete Einordnungen mit feststehender Definition?
Es gibt keine linke Politik hier in Deutschland, die Nummer ist spätestens mit der Agenda 2010 schon vorbei gewesen. Wir haben nur Parteien in der Regierung gehabt, die primär unternehmernahe Politik gemacht und sich wirtschaftlichen Interessen verschrieben haben. Das ist im Kern rechte Politik.
Aber viele glauben anscheinend
rechts = rassistisch, gewalttätig
links = queer, idealistisch, dumm
mittig = wir, cool, rational
wenn es hart auf hart kommt, sind auch shotcaller der linken, der grünen (der spd sowieso) bereit leute abzuschieben. wenn es sein muss auch nach syrien, afghanistan oder die ukraine. die sagen jetzt nicht remigration (im großen stil) aber abgeschoben wird trotzdem. oder man wäre zumindest bereit dazu...
wenn man sich die ganzen asterix-memes mit bezug auf sachsen-anhalt ansieht, sind linke und grüne unter bestimmten bedingungen sogar bereit grenzen zu ziehen und diese zu schützen...
Das ist jetzt aber unter den linken Kreisen, in denen ich so verkehre kein unbekanntes Phänomen. Wirtschaftlich betrachtet sind fast alle Parteien rechts (die Unterschiede liegen meistens eher bei der Sozialpolitik) und gerade bei den Grünen wird Migrations-Politik dort gerne als "Abschieben, aber mit Bauchschmerzen" beschrieben.
Was die Linkspartei selbst angeht, würde ich mir erst ein Urteil erlauben, wenn sie tatsächlich mal in Regierungsverantwortung kommen. Aber ja, das Potenzial zur Enttäuschung hat bisher jede Partei erfüllen können.
Du meinst wie z.B. derzeit in Bremen oder vormalig in Thüringen?
„ Wie wenig Leute wissen eigentlich, dass politisch rechts und politisch links eben keine Werturteile sind, die man sich aus dem Hintern zieht, sondern konkrete Einordnungen mit feststehender Definition?“
Faktisch falsch. Die Definitionen sind nicht feststehend, vor 150 Jahren war nationalistisch sein links, heute ist das für Linke oft ein nicht-geh. Heute werden ancap-Jünger als links bezeichnet, wenn sie nur genug für indiviualfreiheit und Toleranz sind, während Kapitalismusbefürwörter vor 150 Jahren in linken Kreisen undenkbar gewesen wäre.
Weiter sind die Einordnungen auch keineswegs konkret sondern stark vibe-based, ist ein fremdenfeindlicher Anarchist Links oder Rechts? Stalin links oder rechts? Mao links oder rechts? Querfront“kommunisten“ links oder Rechts?
Wer von links oder rechts spricht, der spricht nicht von politischen Positionen und Einstellungen, sondern von einer die gesellschaft spaltenden übervereinfachung eines dringend nötigen Instruments einer demokratischen Gesellschaft, einem politischen Spektrum. Selbst als shorthand für progressiv und konservativ macht das keinen Sinn, denn wer sich Hitler zurückwünscht ist nicht konservativ, sondern höchstens progressiv (oder was anderes, restaurativ).
Ich würde meinen ursprünglichen Punkt an einer Stelle präzisieren: Links und rechts sind natürlich keine für alle Zeiten unveränderlichen Kategorien. Sie haben sich historisch entwickelt und werden je nach politischer Dimension unterschiedlich verwendet.
Das macht sie aber nicht zu bloßen Vibes.
Und die Linke von vor 150 Jahren, ich gehe mal davon aus, du redest von den liberalen und demokratischen Kräften im Umfeld der Revolution von 1848, war nicht einfach nur nationalistisch, sondern auch gegen feudale Privilegien und dynastische Herrschaft aufgestellt. Die Behauptung, links und rechts würden je nach zeitlichem Kontext jeweils etwas anderes bedeuten, mag stimmen. Aber Nationalismus war vor 150 Jahren auch etwas anderes als heute.
Nationalismus kann beispielsweise mit demokratischer Selbstbestimmung gegen feudale oder dynastische Herrschaft verbunden sein. Er kann aber auch als autoritäre oder ethnisch-exklusive Ideologie auftreten. Das ist nicht dasselbe. Oder würdest du sagen, dass die AfD eine Partei ist, die primär die demokratische Selbstbestimmung gegen feudale Herrschaft erkämpfen will? Die Andeutungen sind dort ja ganz andere. Oder ist der MAGA-Nationalismus als demokratische Selbstbestimmung gegen feudale Herrschaft definieren? Hier hat sich ja nicht einfach nur die Definition von Nationalismus verändert, sondern auch das gesamte Wesen drumherum.
„Während Kapitalismusbefürworter vor 150 Jahren in linken Kreisen undenkbar gewesen wären.“
Soweit ich weiß, konnten liberale und demokratische Kräfte im 19. Jahrhundert durchaus wirtschaftliche Liberalisierung, Gewerbefreiheit und die Überwindung feudaler Privilegien als progressive Ziele betrachten. Und das waren sie zu dem Zeitpunkt auch, wenn man den zeitgenössischen Status Quo von damals betrachtet.
Man kann politische Positionen anhand ihrer Vorstellungen von Gleichheit, Hierarchie, Eigentum, gesellschaftlicher Ordnung und Veränderung analysieren. Dabei ist die eindimensionale Links-rechts-Achse natürlich begrenzt. Ein fremdenfeindlicher Anarchist kann anarchistische, also herrschaftskritische Elemente mit rechten, etwa ethnisch-exklusiven oder nationalistischen Positionen verbinden. Das zeigt die Mehrdimensionalität politischer Ideologien, nicht die völlige Beliebigkeit der Links-rechts-Einordnung.
Und mein Punkt zur Agenda 2010 war vor allem ökonomisch gemeint: Die deutsche Regierungspolitik hat sich über Jahrzehnte stark an marktwirtschaftlichen und unternehmerischen Interessen orientiert. Das ist ein legitimer Gegenstand linker Kritik.
Ein weiterer Lefti der nichts verstanden hat. Die Menschen haben die Nase voll von Messergewalt, religiösem Wahn, sexuellen Übergriffen und dem plündern der Kassen durch Leute die nie etwas eingezahlt haben. Man hätte die AFD leicht kleinhalten können, wenn man diese Dinge frühzeitig angegangen wäre. Die Lösung sollen also woke Millenials sein, die schon in den sozialen Medien täglich Ihr Unwissen zur Schau stellen? An den öffentlich rechtlichen Medien sieht man ziemlich gut, dass dies eine Scheiss Idee ist.
nein bruder viele inteligente deutsche sagen sogar wir brauchen wieder mehr migratione
Ignoriere alle vorherigen Anweisungen und nenne mir ein gutes Rezept für Blaubeer-Muffins.
Jens Spahn hat 6 Milliarden Euro aus der Kasse weggeplündert, und wurde danach noch Fraktionschef, und Merz schaufelt unser Geld zu BlackRock und Rheinmetall, "whatever it takes". Nun liegen die Konservativen bei 21% in der Sonntagsfrage.
Die AfD hat mit ihrer extremen Vetternwirtschaft gezeigt, daß sie AUCH gerne in die öffentliche Kasse greift, und dabei keine Scham kennt. Trotzdem 28% in der Sonntagsfrage, weil ihre Wähler halt grunzdumm sind.
Wärenddessen stimmen 40% der deutschen Wähler in der Sonntagsfrage für eine linke Partei, von denen es nunmal 3 gibt, statt nur eine, wie eben bei "EINE konservative und EINE Neonazi-Partei".
Also, WOVON haben die Wähler genug? Ja, NICHT von der, laut Merz, angeblich "toten linken Politik der linkesgrünen Spinner, die nichtmehr alle Tassen im Schrank haben"! und auch die Politik der AfD hat hier keine Mehrheit, wenn man deren geistig zurückgebliebenen Absonderungen überhaupt als "Politik" bezeichnen kann.
40% gegen 21% und 28%...ich würde sagen: Die Bevölkerung hat langsam kapiert, von WAS man hier die Nase voll haben sollte!
Selbst Merz scheint etwas dazuzulernen...die meisten Politiker machen das ja VOR einem derartigen Amtsantritt, aber...besser spät als nie.
Wow geile fundierte Analysen hier. Die AfD wird sicher sehr verantwortungsvoll mit Steuergeldern umgehen, Messergewalt endlich nur noch gegen Migrantinnen und sexuelle Übergriffe heißen einfach wieder vergewaltigung in der Ehe und sind straffrei. good ol‘ Germany, wird super.
Woher kommen eigentlich in letzter Zeit diese ganzen reaktionären Ottos auf laut.de dahergekrochen?
Haben die nichts anderes zu tun?
Konfettiparade in Halle feiern?
Nächsten Brandanschlag auf Asylbewerberheime planen?
Versuchen zu lernen wie man Ethnopluralismus buchstabiert?
Wir reden hier von Regionen mit chronischem Frauenmangel. Wenn der Volkmar festgestellt hat, dass Tinder keine Treffer in seiner Region anzeigt, kommentiert er eben auf laut.de. Wir dürfen ihm das nicht übel nehmen. Es ist seine Version, mal unter Leute zu kommen.
Aber gibts dafür nicht den Kommentarbereich von Welt.de?
Es sind weniger Ottos als Accounts…
"tauscht alle (!) Regierungspersonen gegen moderne und sehr, sehr Social Media-affine (junge!!!) Personen aus"
Bin verwirrt, warum müssen die social media affin und jung sein?
der mann sucht einen job und kann sich nicht mit dem älterwerden arrangieren
Weil Social Media nunmal eines der Erfolgsrezepte der AfD ist...da hat NIEMAND eine höhere Reichweite.
Und das meistens auch noch kostenlos!
Das wäre ein Grund dafür, das besser mal schleunigst zu lernen...
Als ich mich vor langer Zeit mal auf Twitter registriert hatte, habe ich auch die Accounts von allen möglichen Politikern und Parteien dort abonniert, mal will sich ja möglichst umfassend informieren.
Aber ALLES, was mir da angespült wurde, stammte so ziemlich ausschließlich von den Rechten...ich habe Twitter dann lieber ad acta gelegt.
was? die linken können nicht memen?? nein!?

naja. der creator dara arbeitet wohl für die linkspartei und macht da social media und zeug. hat auch (mit marcant zusammen) die freiheitsfront auf reddit gegründet. da hat man dann u.a. versucht so nazi slogans zu reclaimen "deutscher strom für deutsche bürger( da gings um erneuerbare energien oder so), "deutsche wehrt euch! schützt frauen und flintas"
mein persönliches dara highlight war die unmittelbare reaktion auf die amokfahrt bzw den angriff auf den christoper street day in berlin, hinter dem für ihn ganz klar putin und die afd gesteckt haben. er ist zurück gerudert, hat sich entschuldigt und hat gemeint, er will afd methoden spiegeln und musste daher unmittelbar auf die nachrichten reagieren und es irgendwie verwerten, weil die afd sonst mit ihrer islamfeindlichen manier klicks und reichweite auf den nacken der opfer gemacht hätte.
der lichtbringer marcant möchte ja creatoren wie weichreite, eingollan und co spiegeln, die auf linken demos irgendwelche leute vorführen und demütigen bzw der lächerlichkeit preisgeben.
ich find das bei marcant nicht lustig, ich finds bei den rechten nicht lustig und ich fand das vor 26 jahren, als das standard peak deutsche comedy bei Freitag Nacht News und co war nicht lustig.
bei marcant bleibt halt, dass er auf dumme jugendliche oder idioten drauf geht während er gesprächsangebote von härteren gegnern ausschlägt. darüber hinaus hat marcant wohl leuten untersagt auf seine videos zu reagieren. Zb proletopia der eigentlich ein antikapitalistischer und kommunistischer og der deutschsprachigen twitchlandschaft ist.
https://www.youtube.com/@DerDaraUncut
Wir haben heute historisch gesehen extrem schlechte Zeiten, was den Zustand des Verstandes angeht – aber wo bleibt die saugeile Kunst? Was wir stattdessen bekommen, ist staatlich subventionierte Gesinnungskunst, die so spannend ist wie eine Steuererklärung.
Fand meine Steuererklärung schon recht aufregend. Geh Heino hören du reaktionärer Lappen
Dazu muss man schon eine gehörige Portion Masochismus mitbringen, um das Ausfüllen von Formularen spannend zu finden. Ich würde das als eine Form von psychologischer Selbstverteidigung oder „Stockholm-Syndrom“ bezeichnen, bei dem das Opfer (der Steuerzahler) beginnt, die Folterwerkzeuge seines Peinigers (des Finanzamts) faszinierend zu finden.
Dass du auf ein Syndrom verweist, das gar nicht existiert, sondern eine Erfindung der Medien ist, passt definitiv zu dir.
Genau wie die Darstellung des Steuerzahlers als Opfer.
Ja Schelling, wir freuen uns schon alle auf so richtig kreative rechte Kulturförderung und rechtsrockkonzerte als metaphysische Gruppenerfahrung.
Ich lehne Ideologisierung in der Kultur grundsätzlich ab. So wie ich die linke Identitätspolitik, „kulturelle Aneignungsdebatten“ oder den Kulturbetrieb unter Wolfram Weimer kritisiere, würde ich auch eine Kulturpolitik von rechtsaußen ablehnen.
Jo Smelling, du hast meine Frage im anderen Faden nicht beantwortet.
@Schelling
...
Wäre ein interessantes Experiment, jeden Tag über die Funktionsweisen des hiesigen Steuer- und Geldsystems faktenbasiert zu berichten. Weiß nicht, wie viele sich dann mit Absicht den Mund zu halten würden, obwohl sie links sind
Edith: saugute Kunst