Glücksgefühle?! Jetzt schon!
Immerhin ein Fünkchen Hoffnung hat mir in den letzten Tagen das Glücksgefühle-Festival beschert. Respektive die erquickend massive Protestwelle, die den Versuch der Veranstalter überrollt hat, Künstler*innen den Mund zu verbieten. Bisschen witzig finde ich, dass ja keineswegs irgendwelche dezidiert oder gar radikal linken Acts wie PTK oder Vizzion oder Dahabflex waren, die da einen Maulkorb verpasst bekommen haben, sondern fuckin' Alphaville.
Ihr habt es vermutlich mitbekommen: Die Synthiepop-Veteranen wurden erst ausgeladen, weil ihre Bekenntnisse zu Demokratie und Grundgesetz angeblich die Glücksgefühle des Publikums stören könnten. Nachdem diese Entscheidung zu Protesten geführt hatte, wurden sie wieder eingeladen. Die Band verzichtete dann jedoch auf ihren Auftritt und spendete ihre Gage an eine gemeinnützige Organisation. So weit, so stabil.
Am vergnüglichsten an der ganzen Sache fand ich, wie dieser angebliche Versuch einer "Entpolitisierung" (der in Wahrheit natürlich den durchaus politischen Hintergrund hatte, als "links" oder gar "linksradikal" zu framen, was eigentlich Konsenz des Zusammenlenbens in diesem Land sein sollte: das Bekenntnis zu Demokratie und dem Grundgesetz, nämlich) ins absolute Gegenteil umschlug. Ein dummes Mainstream-Festival mit einem dummen Mainstream-Line-Up mutierte plötzlich zu einer Bastion des Widerstands und "Forever Young" zur Hymne dieser Bewegung ... sehr schön.
Ich glaube zum Beispiel nicht, dass Nura diesen Evergreen sonst im Programm gehabt hätte:
Auch angemessen, wie sie noch einmal explizit darauf hinweist, dass ein Andreas Gabalier mit seinem Hakenkreuz-Cover für die Veranstalter offenbar kein Problem darstellt. Alphaville aber schon? Bizarre Zeiten, fürwahr.
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