Deutschrap schafft sich ab
Nur abwarten können wir auch die Entwicklungen, die künstliche Intelligenz uns noch bescheren wird. Bei dem Thema weiß wirklich niemand, wohin uns die Reise führen wird, fest steht nur, dass sie mit wahnwitziger Geschwindigkeit vonstatten geht.
Dass Maschinen den Menschen ersetzen könnte, erscheint in vielen Bereichen verlockend, wenn auch reichlich gruselig. Man könnte endlos drüber sinnieren, inwiefern es noch einen Unterschied macht, ob überhaupt, wenn sich gar nicht mehr erkennen lässt, ob etwas handgemacht oder computergeneriert ist. Bei Kunst wünschen sich wahrscheinlich aber trotzdem die meisten, dass da ein echter Mensch dahintersteckt, ein denkendes, fühlendes Wesen, das die Emotionen, die Kunst ja ansprechen soll, nicht nur immitieren kann, sondern tatsächlich kennt. Kein Plan, wie euch das geht: Auf mich jedenfalls wirken KI-generierte Artists zutiefst befremdlich.
Von Nimi, dem ersten computergenerierten Deutschrapper, hatten wir es schon einmal. Was mir damals allerdings entgangen ist, mich hat erst die Kolumne meiner wunderbaren Kollegin Aida Baghernejad aus dem Musikexpress darauf gestoßen: Dieses ... Ding hat einen gemeinsamen Song mit Manuellsen?!
Das wiederum finde ich jetzt vollkommen abstrus. Nicht nur, weil da einer ja noch fleißig dabei mithilft, seinen eigenen Job abzuschaffen, sondern vor allem: Hat sich Manuellsen nicht immer als der Hüter der Realness aufgespielt, und ist ein AI-Artist nicht per Definition die Antithese zu jeder Realness?
Manuellsen scheint das jedenfalls nicht zu stören, er redet über dieses Feature, als sei es eine ganz normale Kollabo:
Zugegeben: Dass hinten und vorne nicht zusammenpasst, was Manuellsen so alles sagt, ist keine ganz neue Erkenntnis. Bizarr find' ich es trotzdem.
Vor allem stimmt ja auch, was Aida schreibt: Mit so KI-Slop und der Unterstützung desselben arbeitet (Deutsch-)Rap nicht nur eifrig an der eigenen Abschaffung mit. Dass obendrein ausgerechnet Manuellsen, der (haha!) weiße Ritter im Kampf gegen alles, das ansatzweise rassistisch sein könnte, ein durch und durch aus rassistischen Klischees zusammengeklebtes Zerrbild eines Schwarzen Mannes hofiert: megabizarr.
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