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Planktonweed, Pt. 2

3) Warum Spongebob?!

Was mich zu einer grundsätzlicheren Frage führt: Man würde jetzt ja meinen, dass ein Gangster-Rapper in einem Spongebob-Kostüm irgendeinen Layer an ... Humor hätte? Dass da irgendetwas mit der intrinsischen Absurdität davon macht, dass der Typ, der behauptet, ein mordender Gangsterboss zu sein, sich als Spongebob Schwammkopf, den Burgerbrater aus der Krossen Krabbe verkleidet.

Aber... nein? Nicht wirklich? Es ist ein überraschend bierernstes Album. Aber auch nicht auf eine Art, dass die Verkleidung nur makaber und out-of-place wirkt. Sun Diego rappt schon so ... einigermaßen in character? Zumindest fallen die Worte Bikini Bottom und Patrick immer mal wieder. Aber auch nichts darüber hinaus. Sun Diego wirkt nicht wie ein Mann, der viel Spongebob geguckt hat. Entsprechend entsteht weder referenziell noch via Kontext irgendetwas Unterhaltsames oder Interessantes aus diesem Kostüm. Es nimmt ein sehr generisches, ernstes Gangster-Rap-Album und macht es halt auf jeder Ebene bescheuerter.

4) Was soll ich hierzu fühlen?

Daraus die Anschlussfrage, die ich auch meinen Freunden gestellt habe: Was soll man hierbei denn fühlen? Ich bleibe dabei, dass "Planktonweed" in Sachen Humor oder Punchlines ein wirklich, wirklich dröges Album ist. Es gibt keine Highlight-Lines, es gibt keine Sachen, die im Kopf bleiben. Aus dem Spongebob-Ding wird im Grunde gar nichts gemacht.

Also ist der Gangster im Schwammkostüm nicht ... lustig. Er ist ... cool und episch? Das ist wohl die Schlussfolgerung, die wir treffen müssen, was dieses Album von uns will. Das wäre ja auch die einzige Legitimation für dieses ganze Technikgewichse. All die Reimketten und Doubletime dienen ja wohl dem Sound. Mir persönlich kommt es absurd vor, Sound-fixierte Musik zu machen, aber dann konstant in dieser Stimmlage zu rappen. Aber es ist der plausibelste Grund?

Wenn ich irgendeinen Lichtblick benennen sollte, würde ich tatsächlich sagen: Die Hooks. Die Hooks klingen stellenweise ganz okay. Vor allem, weil er hier am ehesten einfach in seine normale Sun Diego-Stimme zurückgeht. Auf eine Art ist er ja ein Kollegah, wenn der musikalisch begabter, aber dafür weniger "funny" wäre. Ich sehe also, wenn man dreizehn ist und eh in der Mood für epische Call of Duty-Montagen und deren Affekte: Vielleicht ist "Planktonweed" mit seinen überkandidelten Plastikbeats, den sinnlosen Wortsalat-Reimketten und den epischen Doubletimes etwas, das man zum GTA-Spielen im Hintergrund anmacht und sich cool fühlt. Aber auf der großen Skala der Kinder-Geschmacksverirrung würde ich es schon auf den Farbcode Orange legen.

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1 Kommentar

  • Gerade eben

    Ja, das war auch mein größtes Problem mit dem Gimmick. Es erinnert mich an die eine Folge von Two and a Half Men, wo Charlie Harper ein erfolgreiches Kindermusik-Album veröffentlicht und sich Charlie Waffles nennt. Und als ihn Alan fragt, warum "Waffles", meint Charlie so "Kinder lieben Waffeln!"

    Und ich denke mal, das wird im Endeffekt auch so gelaufen sein.
    Sun Diego: "Ich ziehe mir einen SpongeBob-Lappen über und nenne mich SpongeBOZZ Gunshot!"
    John Webber: "Warum denn SpongeBob?"
    Sun Diego: "Kinder lieben ihn!"
    John Webber: "Aber wir schreiben doch Texte über Geld, Drogen und Nutten?"
    Sun Diego: "Ja und wer hört solche Musik? Kinder und geistig zurückgebliebene!"

    Außerdem hätte man mit dem Gimmick so coole Dinge machen können, gerade wenn man z. B. an andere Alter Egos wie Captain Murphy denkt, aber das wollten sie nicht. Es wurde abgesehen von einem Patrick Bang-Kostüm und -Song nie ästhetisch weiterentwickelt. Am Ende hatte man da reguläre Low-Budget-Gangstarap-Musikvideo, nur dass man da zwei Trottel im Bild hat, die sich wie SpongeBob und Patrick verkleiden.

    Und ich glaube, Sun Diego weiß auch sehr gut, dass seine Musik allein nicht ausreicht um Hype zu generieren, dafür ist er zu unkreativ und zu schambehaftet. Er ist ein Technikrapper aus der Battlerap-Szene und kann eben nicht wie ein OG Keemo Geschichten erzählen oder Emotionen hervorrufen.

    Diegos Prompt war immer

    "Gib mir einen heftigen orchestralen Beat mit Chören und Dubstep, sodass ich richtig hart klinge und Battlerap-Lines rappen kann."

    Und bei SpongeBOZZ war es

    "Gib mir einen heftigen orchestralen Beat mit Chören und Dubstep, sodass ich richtig hart klinge und Battlerap-Lines rappen kann. Und ich rappe mit verstellter Stimme und verkleide mich als SpongeBob."