Montenegro: Tamara Živković - "Nova Zora"
Wen haben wir denn hier?
Den nächsten Ex-Kinderstar: Tamara Živković absolvierte ihre ersten Solo-Shows mit zarten 14 Jahren. Mit 16 folgte die (für ESC-Kandidat*innen in diesem Jahr offenbar fast obligatorische) Castingshow-Teilnahme. Die Ehre, ihr Heimatland beim Songcontest zu vertreten, wurde der engagierten Sängerin erst im zweiten Anlauf zuteil. 2024 hatte sie schon einmal an einem Vorentscheid teilgenommen, kam damals nur im Nachrück-Verfahren in die nächste Runde und schied als Neuntplatzierte aus. Ihr nächster Versuch lief besser. Wie man sieht.
Was singt die da?
Mit "Nove Zora" besingt Živković auf Montenegrinisch einen "neuen Morgen". "Damit meine ich aber nicht den perfekten Neuanfang oder Augenblick, sondern den Moment, wenn man zu sich selbst sagt: es reicht, man muss es nicht jedem recht machen, sich anpassen oder so tun, als wäre alles einfach. Ich möchte, dass sich Frauen darin wiedererkennen, dass sie, wie ich selbst erkannt habe, merken, dass sie nicht allein sind, und dass es eine gute Sache ist, auf sich selbst zu hören."
Wie finden wir das?
Wie so oft: Botschaft top, die Umsetzung ... hmm. Warum guckt sie so böse? Ich hab' ein bisschen Angst. Dabei find ich den Song eigentlich ganz gut. Was sich anfangs wie ein weiterer dieser übermäßig stark vertretenen Dancepop-Tracks anließ, nimmt, vollgestopft mit dramatischen Vocals, sakralen Gesängen im Kirchenchor-Style und der Erinnerung daran, dass Dubstep vielleicht doch noch irgendwo röchelt, sogar die eine oder andere Abzweigung, mit der nicht unbedingt zu rechen war. In ihren komischen Sado-Maso-Halftern sehen die Tänzerinnen halt einfach trotzdem aus wie ein Junggesellinnenabschied, aufgebrezelt für die Fetischparty. Sorryyy.
Hat das Chancen?
Für Text und Komposition verantwortlich zeichnet Boris Subotić. Er rüstete bereits die montenegrinische Teilnehmerin des Vorjahres, Nina Žižić, mit einem Titel aus. Auch sie beteuerte, es gehe in ihrem Lied um weibliche Selbstermächtigung. Žižić belegte im Halbfinale damit einen stolzen letzten Platz. Dem diesjährigen Song prophezeien die Wettquoten ein ähnliches Schicksal. Vielleicht sollte sich Montenegro doch mal nach einem neuen Songwriter umsehen - oder, wenn sie schon jedes Jahr so tun, als schickten sie eine Female-Empowerment-Hymne ins Rennen, vielleicht sogar mal nach einer Songwriterin? Verrückte Idee, ich weiß. Sagsjanur.
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