Platz 24: The Rolling Stones (UK)
Das Debüt von 1964. Vorher hatten die Stones bereits mit dem von Lennon/McCartney geschriebenen Top-20-Hit "I Wanna Be Your Man" auf sich aufmerksam gemacht und die EP "The Rolling Stones" veröffentlicht. Jetzt ging es aber erst so richtig los. Noch schafft es mit "Tell Me (You're Coming Back)" gerade einmal ein Jagger/Richards-Track auf das Album, dessen herausragendstes Merkmal zunächst vor allem darin besteht, dass er eben selbst geschrieben wurde. Die eigentliche Energie zieht die Band noch aus ihren Coverversionen.
"Route 66" eröffnet das Album mit genau der rotzigen Selbstverständlichkeit, die den frühen Stones ihren Ruf einbrachte. Im weiteren Verlauf covern sich die Stones durch Songs von Chuck Berry, Willie Dixon und Bo Diddley, während Phil *urghs" Spector und ein gewisser Nanker Phelge bei "Little By Little" etwas zu sehr auf Jimmy Reeds "Shame, Shame, Shame" geschaut haben. Hinter dem ominösen Namen verbargen sich damals übrigens die Rolling Stones, gemeinsam mit Manager Andrew Loog Oldham. Das Kollektivpseudonym nutzte die Band für Songs, die auf Blues-Standards der 1950er-Jahre basierten.
Nachdem Ian Stewart auf Wunsch von Oldham offiziell aus der Besetzung gedrängt worden war und trotzdem im Hintergrund am Piano blieb, standen nun fünf rotzfreche Gören auf der Bühne und im Studio, allesamt noch mit Zwille in der Hosentasche. Bereit, die Welt zu erobern, aber zunächst ohne großartig viel eigenes Material, geschweige denn mit einer Ahnung, wie dieses aussehen könnte. Stattdessen zeigten sie, dass sie den amerikanischen Blues besser kapierten als jede andere britische Band.
Genau dieser Hunger verleiht "The Rolling Stones" eine Intensität, die das Album trotz seiner Schwächen auch mehr als 60 Jahre später noch lebendig wirken lässt. Keith Richards' tief im Chicago-Blues verwurzeltes Gitarrenspiel, Bill Wymans treibender, immer leicht verschobener Bass und Charlie Watts' stoischer Groove greifen perfekt ineinander, bilden das Fundament, auf dem sich Jagger austoben kann. Brian Jones beginnt sich bereits auf dem Debüt an E-Gitarre, Harmonika, Tamburin, Gitarre und Perkussion auszutoben: nur der Beginn seiner von Album zu Album steigenden Neugierde auf neue Einflüsse in die Musik der Briten.
Natürlich fehlt hier noch eine eigene Handschrift. Doch dafür besitzt das Album eine Wucht, die vielen anderen Debüts der Beat-Ära abgeht. Es ist roh, dreckig und weit entfernt von Perfektion. "The Rolling Stones" ist die Visitenkarte einer Band, die gerade erst aufbricht, um die Welt zu erobern, selbst aber noch nicht ahnt, dass ihr genau das tatsächlich gelingen wird.
Für die Playlist: "Route 66", "Little By Little"
Für die Tonne: "Can I Get A Witness", "You Can Make It If You Try"
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